RENTE - Heute berät die Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten der neuen Bundesländer über die Altersbezüge. Noch werden sie getrennt für Ost und West errechnet. Das soll sich ändern. Wer von der bisherigen Regelung profitiert.

Jeder Zweite geht vorzeitig in Ruhestand

Susanne Rost
2 Min

BERLIN. Noch nie sind so viele Menschen vorzeitig - und damit auch mit Abschlägen - in Rente gegangen wie im vergangenen Jahr: 55,1 Prozent aller Neurentner erhielten im Jahr 2007 vor Erreichen der Altersgrenze Geld aus der gesetzlichen Versicherung. Zum Vergleich: Bislang hatte diese Quote erst einmal über der 50-Prozent-Marke gelegen, nämlich im Jahr 2005. Damals hatten sich 50,7 Prozent der Neurentner zu diesem Schritt entschieden, im Jahr 2006 sank die Quote wieder auf 49,6 Prozent. Das geht aus Unterlagen der Deutschen Rentenversicherung hervor. Die gesetzliche Rente der Betroffenen wurde wegen des vorfristigen Bezugs im Mittel um 100 Euro gekürzt. Die durchschnittliche Netto-Rente dieser Vor-Ruheständler betrug demnach 745 Euro.Die Statistik der Deutschen Rentenversicherung offenbart deutliche Unterschiede zwischen neuen und alten Bundesländern: In Ostdeutschland hatten deutlich weniger Menschen die Altersgrenze von 65 Jahren erreicht, als sie vergangenes Jahr in Rente gingen: Dort traf das nur für 21 Prozent der Frauen und für 29,1 Prozent der Männer zu. Deutlich höher lag diese Quote dagegen in Westdeutschland: Dort gingen 50,9 Prozent der Frauen und 47 Prozent der Männer ohne Abschlag in Rente. Insgesamt erhielten im vergangenen Jahr rund 866 000 Menschen erstmals Rente von der gesetzlichen Versicherung, davon 477 300 mit Abschlägen.Zwar liegt dem Bundesarbeitsministerium keine Untersuchung vor, warum immer mehr Menschen vorzeitig in Rente gehen. Nicht zu erklären sei dies jedoch mit der Annahme, dass es Ältere auf dem Arbeitsmarkt schwer hätten und sie kapitulierten, sagt Ministeriumssprecher Christian Westhoff. Denn die Zahl der Menschen, die aus Arbeitslosigkeit oder aus Arbeitsteilzeit in Rente gingen, habe sich in den vergangenen Jahren deutlich reduziert: Habe das im Jahr 2000 noch auf 197 000 Menschen zugetroffen, seien es im Jahr 2007 nur noch rund 99 600 gewesen. "Viele wollen wohl einfach nicht mehr länger arbeiten", sagt der Sprecher, und würden sich nach genauer Kalkulation der Abschläge für eine vorzeitige Rente entscheiden. (ost.)

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