Altersvorsorge

Rente unter Druck: Warum junge Menschen laut Wirtschaftsweisen deutlich mehr zahlen müssen

Der Sachverständigenrat sieht die Sozialbeiträge bis 2040 bei fast 50 Prozent. Die junge Generation zahlt den Preis für die wirtschaftliche Entwicklung.

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Geld sparen: Junge Frau mit Sparschwein und Münzen

Geld sparen: Junge Frau mit Sparschwein und Münzen

© Natee Meepian/imago

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung warnt vor einer wachsenden Belastung jüngerer Generationen durch steigende Sozialbeiträge. Bis 2040 könnte der Gesamtsozialversicherungsbeitrag auf 49,7 Prozent steigen, wie aus dem Frühjahrsgutachten hervorgeht. Für die Altersvorsorge junger Menschen hat das nach Einschätzung der Wirtschaftsweisen weitreichende Folgen.

Nach Berechnungen des Sachverständigenrates müssen jüngere Geburtsjahrgänge über ihr Erwerbsleben hinweg einen deutlich höheren Anteil ihres Einkommens für Sozialbeiträge aufwenden als ältere Jahrgänge.

Eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung (WIP) aus dem Mai 2025 beziffert dies konkret: Der Geburtsjahrgang 2020 werde im Durchschnitt 55,6 Prozent seines Erwerbseinkommens an Sozialabgaben zahlen müssen, der Jahrgang 1960 dagegen nur 39,4 Prozent. In absoluten Zahlen entspreche dies bei einem Durchschnittsverdiener rund 904.000 Euro über das Erwerbsleben für den Jahrgang 2020 gegenüber 640.000 Euro für den Jahrgang 1960.

Rentenniveau allein reicht nicht mehr aus

Die Vorsitzende des Sachverständigenrates, Monika Schnitzer, sagte im Interview mit der Berliner Zeitung, die Vorstellung, dass die gesetzliche Rente künftig allein einen auskömmlichen Lebensstandard sichern könne, sei seit Langem nicht mehr realistisch. Ergänzende Vorsorge sei immer Teil des Konzepts gewesen, müsse aber künftig deutlich besser funktionieren. Menschen müssten länger arbeiten, Renten könnten nicht dauerhaft so stark steigen wie bisher, und die private Vorsorge müsse eine größere Rolle spielen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte bereits im April geäußert, die gesetzliche Rente werde künftig nur noch eine „Basisabsicherung“ darstellen. Passend dazu wird ab 2027 die Reform der privaten Altersvorsorge in Kraft treten.

Der Rat empfiehlt, den Anstieg der Renten zu dämpfen, etwa durch eine Stärkung des Nachhaltigkeitsfaktors, und die kapitalgedeckte Altersvorsorge auszubauen. Anstelle einer Kopplung der Rentenanpassung an die Lohnentwicklung schlagen die Wirtschaftsweisen eine Orientierung an der Inflationsrate vor, wie sie in Österreich praktiziert wird.

Bedenkliche Folgen für Beschäftigung und Wachstum

Steigende Beitragssätze hätten auch makroökonomische Effekte, heißt es im Gutachten. Der Anstieg könne das Bruttoinlandsprodukt bis 2035 um 0,5 bis 0,9 Prozent dämpfen. Höhere Beiträge verringerten die Nettoeinkommen und schwächten Konsum sowie Erwerbsanreize, gleichzeitig erhöhten sie die Arbeitskosten der Unternehmen.

Schnitzer kritisierte, die Politik habe sich vor einer Rentenreform bislang gedrückt. Stattdessen seien Maßnahmen beschlossen worden, die das System verteuerten, etwa die Stabilisierung des Rentenniveaus und die Ausweitung der Mütterrente. Ihre Hoffnung liege auf der jungen Generation, die Verantwortung übernehmen wolle, sagte Schnitzer.

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