Rentenvergleich: Schlusslicht Deutschland

Gibt man bei Google den Begriff „Altersarmut“ ein, wird er automatisch mit „Deutschland“ ergänzt. Hier liegt die Suchmaschine völlig richtig. Zahlreiche Studien haben in den letzten Monaten nachgewiesen, dass die Zeit der wohlhabenden Rentner vorbei ist. Die jüngere Menschen werden wegen der beschlossenen Rentenkürzungen und der zunehmend gebrochenen Erwerbsbiografien deutlich weniger im Alter bekommen als Eltern oder ...

BLZ
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Gibt man bei Google den Begriff „Altersarmut“ ein, wird er automatisch mit „Deutschland“ ergänzt. Hier liegt die Suchmaschine völlig richtig. Zahlreiche Studien haben in den letzten Monaten nachgewiesen, dass die Zeit der wohlhabenden Rentner vorbei ist. Die jüngere Menschen werden wegen der beschlossenen Rentenkürzungen und der zunehmend gebrochenen Erwerbsbiografien deutlich weniger im Alter bekommen als Eltern oder Großeltern.

Eine Vergleichsstudie der Wirtschaftsorganisation OECD auf Basis der 34 Mitgliedsstaaten zeigt nun, wie dramatisch die Lage in Deutschland tatsächlich wird: Geringverdiener werden hierzulande so wenig Rente beziehen wie in keinem anderen Industriestaat in Europa oder Amerika. Beschäftigte mit der Hälfte des durchschnittlichen Einkommens erhalten demnach Mitte des Jahrhunderts voraussichtlich nur noch rund 55 Prozent ihrer (Netto-)Arbeitsbezüge als Rente. Der OECD-Schnitt liegt bei fast 82 Prozent. Nur in Japan ist der Wert noch niedriger als in Deutschland.

OECD reagiert erschrocken

Nicht ganz so krass ist der Unterschied bei den Durchschnittsverdienern in Deutschland. Diese Rentner erhalten im Alter im Schnitt 57 Prozent, verglichen mit 66 Prozent im OECD-Schnitt. Bei den Gutverdienern ist die Differenz zum OECD-Schnitt am geringsten: 56 zu 60 Prozent. Das zeigt deutlich: Gerade bei den Geringverdienern besteht in Deutschland Handlungsbedarf, was inzwischen auch die Politik zumindest anerkannt hat.

Aber wie kommt es, dass in den anderen Ländern die Geringverdiener besser dastehen ? Nach der Analyse der OECD hat es praktisch in allen Industriestaaten in den vergangenen Jahren Reformen gegeben, die zu geringeren Zahlungen und einem späteren Rentenbeginn führten. In vielen Staaten wurde jedoch darauf geachtet, dass die Geringverdiener nicht zu stark leiden. Denn sie rutschen am schnellsten in die Armut. Daher wurden Leistungen zugunsten dieser Bevölkerungsgruppe umverteilt. In Dänemark , in den Niederlanden oder in Australien bekommen Geringverdiener sogar mehr als während des Berufslebens. In Dänemark beträgt die Rate beispielsweise 117 Prozent. Die eigentlich niedrigen Renten werden also aufgestockt, um Armut zu verhindern. In Deutschland basiert das Rentensystem dagegen weitgehend auf den eigenen Beitragszahlungen.

Die OECD, die oft und gern Reformen einfordert, reagierte schon fast etwas erschrocken auf den für Deutschland negativen Befund. „Wir müssen aufpassen, dass die langfristigen Folgen für den sozialen Zusammenhalt und Altersarmut nicht aus dem Blick geraten“, sagte die Leiterin der OECD-Abteilung für Sozialpolitik, Monika Queisser. Und sie kritisiert gleichzeitig: „Es fehlt an einer systematischen Lösung der Altersarmut in Deutschland.“

Queisser machte in diesem Zusammenhang zu Recht darauf aufmerksam, dass die Probleme bei der Rente ihre Ursache häufig im Arbeitsmarkt haben. So arbeiten Frauen häufig in Teilzeit. Zudem verdienen sie oft weniger als ihre männlichen Kollegen – bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit. Auch hier muss also angesetzt werden, um Altersarmut zu bekämpfen.

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