Rentenvorsorge

So kann man Altersarmut verhindern

Viele glauben nicht, dass ihnen die gesetzliche Rente später einmal wirklich reicht. Aber selbst vorsorgen – damit tun sich die meisten schwer. Aber wichtig wäre es. Wir zeigen, welche Möglichkeiten Sie haben, fürs Alter vorzusorgen.

Matthias Loke
5 Min
Niemand denkt gern an das Alter. Dennoch sollte jeder früh mit der Vorsorge für die Rentenzeit beginnen.

Niemand denkt gern an das Alter. Dennoch sollte jeder früh mit der Vorsorge für die Rentenzeit beginnen.

© imago/Thomas Eisenhuth Lizenz

Rente? Alter? Ein Leben nach 65? Auch noch Vorsorge dafür? – Kenne ich nicht, weiß ich noch nicht, damit will ich mich gar nicht befassen. Das dürften einige der gängigsten Bemerkungen sein, wenn sich junge oder noch nicht annähernd das Rentenalter erreichende Menschen mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigen sollen. Stimmt ja auch: Für einen 35-Jährigen ist die Rente im Regelfall noch mehr als 30 Jahre weg, und wer weiß, was dahin überhaupt im Leben passiert.

Akzeptiert. Aber: Wenn das Rentenalter tatsächlich herangerückt ist, wird es mit einer langfristigen Vorsorge für ein besseres Auskommen nichts mehr. Dann ist die Zeit vorbei, in der man sich etwas zur Seite legen konnte. Und auf die gesetzliche Rente sollte sich niemand verlassen. Denn das Rentenniveau sinkt in den kommenden Jahren weiter – und zwar politisch gewollt. Das bedeutet: Gemessen an der Höhe des eigenen Einkommen wird die gesetzliche Rente über die Jahre tendenziell fallen. Was man sich dann später von den Rente leisten kann, steht in den Sternen. Also: Wer mitdenkt, sollte vorsorgen. Aber wie?

Mitnahme: Grundsätzlich gilt, dass man alles mitnehmen sollte, was man geschenkt oder verbilligt bekommt. Zum Beispiel die vermögenswirksamen Leistungen. Das ist eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers, die man unbedingt zum Vermögensaufbau nutzen sollte. Der Höchstbetrag beträgt 40 Euro im Monat. Die genaue Höhe ist meist im Arbeits- oder Tarifvertrag geregelt. Wer relativ wenig verdient, kann obendrauf noch die staatliche Zulage bekommen. Die Beträge sehen mickrig aus. Aber nicht umsonst heißt es: Kleinvieh macht auch Mist. Immer bedenken: Es ist geschenkt! Auch Mitarbeiter-Aktien, mit Abschlag vom Arbeitgeber angeboten, sind nicht zu verachten. Freilich trägt man hier schon wieder ein gewisses Risiko selbst, da die Kurse von Wertpapieren schwanken und auch fallen können.

Immobilie: Eine schöne Altersabsicherung, wenn man das Häuschen selbst nutzt und sonst keine Miete mehr zahlen muss. Die Zeitschrift Finanztest schreibt in ihrer Mai-Ausgabe: „Später keine Miete zu zahlen, ist so gut wie eine lebenslange Rente.“ Freilich setzt diese Form der Altersvorsorge schon ein gewisses Kapital voraus. Denn die Finanzexperten sind der Auffassung, dass man in der Regel 20 Prozent des Kaufpreises aus eigenen Mitteln bestreiten sollte.

Der Kredit selbst ist bei den derzeitigen Konditionen aber außerordentlich günstig und selbst bei langfristiger Zinsbindung von 20 Jahren bei entsprechender Bonität mit Effektivzinsen von weniger als zwei Prozent zu haben. Zum Rentenbeginn sollte man aber die Immobilie abgezahlt haben, um dann bei geringeren Renteneinkommen nicht noch durch Zins und Tilgung belastet zu werden.

Aktien: Die wichtigsten Börsen sind derzeit nahe an den Höchstständen – und dennoch sagen die Experten von Finanztest: „Anleger, die bei ihrer Altersvorsorge vor allem eine gute Rendite und weniger absolute Sicherheit im Blick haben, kommen um Aktien kaum herum.“ Es müssen auch nicht unbedingt große Beträge pro Monat investiert werden. Bei den meisten Filial- und Direktbanken ist man ab 50 Euro im Monat dabei, bei einigen auch ab 25 Euro. Ratsam ist es, einen möglichst breitgestreuten Investmentfonds zu kaufen, der nicht alles auf eine Karte setzt. Die Finanztester empfehlen namentlich für einen Fondssparplan einen Indexfonds (ETF) auf einen weltweiten Aktienindex wie den MSCI World.

Schaut man auf langjährige Reihen, ist der Erfolg nicht schlecht. Finanztest nimmt als Beispiel 100 Euro Einzahlung monatlich. Auf 20 Jahre bekam der Anleger im schlechtesten Fall seinen Einsatz von 24.000 Euro mit 255 Euro Bonus zurück. Im günstigsten Fall stieg der Wert der Einzahlungen auf über 67.000 Euro. Die Tester hatten die Entwicklung an den Aktienmärkten seit 1969 untersucht. Aber Achtung: Aktienanleger müssen bereit sein, auch zeitweilige Dellen und Kursrückgänge auszuhalten.

Banksparpläne: Sind etwas für die Vorsichtigen. Garantierte Rendite, wenig Gewinn derzeit, aber auch keine schlaflosen Nächte wegen des Risikos. Finanztest nennt als noch annehmbare Anlage den Sparplan VTB Flex der österreichischen VTB Direktbank, einer Tochter der russischen VTB. Der bringt immerhin 2,5 Prozent Rendite jährlich für zehn Jahre Anlage. Naja, geht gerade noch. Viele andere Banken liegen deutlich darunter.

Wem Aktien zu riskant und der Banksparplan zu mickrig ist, kann natürlich sein Vorsorgegeld zwischen beiden Anlageformen aufteilen und gezielt kombinieren.

Riester-Rente: Ist oft als staatliches Unterstützungsprogramm für Finanzvermittler, Banken und Versicherungen verschrien worden, ist oft kompliziert und mit viel Aufwand versehen, hat aber für einige Sparer durchaus Vorteile. Denn es gibt staatliche Zulagen – und die Anbieter müssen sicherstellen, dass „bei Laufzeitende eines Riester-Vertrages mindestens alle eingezahlten Beiträge und Zulagen vorhanden sind“, schreibt Finanztest. „Verluste kann also ein Sparer nicht machen.“ Ein Zusatz ist hier aber nötig: Der Sparer muss bis zum Ende durchhalten.

Riester-Verträge eignen sich laut Finanztest vor allem für Personen mit einem geringen Einkommen und/oder mit vielen Kindern. Zum Beispiel erhält ein Sparer mit drei kleinen Kindern über 1000 Euro im Jahr vom Staat, solange er Kindergeld bezieht. Ein Alleinstehender kommt nur auf 154 Euro an Zulagen. Allerdings ist es in der Tat schwierig, unter den vielen Angeboten ein gutes – mit geringen Kosten und Gebühren – herauszufinden. Das kostet Zeit.

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