Heraus käme das Neni im Bikini-Haus. Ein Restaurant, so raffiniert geplant, dass sich der Erfolg vom allerersten Tag an einstellen musste. Selbst an einem Montagabend stehen die Leute am Fahrstuhl Schlange. Der führt unter das Dach des 25hours Hotels, wo sich das Neni und die Monkey Bar den zehnten Stock teilen. Ein Türsteher mit Liste sortiert aus. Wer draufsteht, darf vorbeiziehen. Alle anderen müssen warten. Vorsorglich habe ich reserviert, vor gut eineinhalb Wochen. Spontan hinzugehen, das kann man vergessen.
Spektakulär zu speisen, jedoch auch. Der Hype hat mit dem Essen nur wenig zu tun. Die Küche ist nicht schlecht, aber nicht viel besser, als man sie bei manchem ebenerdigen Libanesen oder am israelischen oder marokkanischen Imbiss bekommt. Trotzdem sollte man mal hingehen, weil Berlin hier ein bisschen New York spielt. Leider auch, was Preise angeht.
Vermutlich wäre die beste Kombination, vorher bei einem billigeren Araber zu speisen und dann auf einen Drink in die Bar zu gehen. Wenn man aber hier isst, dann am besten in großer Runde, so hat man wenigstens die Chance, sich durchzuprobieren. Die Speisekarte ist ein Sammelsurium aus Snacks, verschiedenen vegetarischen Speisen, vier Fisch- und ein paar mehr Fleischgerichten aus Lamm, Rind oder Huhn. Auf jeden Fall sollte man Hummus mögen, ebenso wie die Sesampaste Tahin, weil diese fast überall dabei ist.
Wir sind nur zu zweit da, meine Freundin und ich beginnen mit Sabich und einem orientalisch gebeizten Lachs, beides als kleine Portion bestellbar. Doch nach dem Sabich sind wir ziemlich satt. Zu mächtig ist das Mischmasch aus gebackener Aubergine, einem Berg Hummus, gewürfeltem Gurken-Tomaten-Salat und Tahinpaste sowie einem pochierten Ei und einer mango-fruchtigen Soße namens Amba. Vom Lachs essen wir schon ohne Appetit. Er ist, mit einer Zitrus-Marinade getränkt und mit frischen Granatapfelkernen angerichtet, zwar etwas leichter, dennoch gehaltvoll. Leider schmeckt die Marinade etwas künstlich.
Eventuell ist das, was danach folgt, ein Bestellfehler. Denn Nenis offener Laffa Wrap, mein Hauptgericht, ist lediglich eine Variation der Sabich-Vorspeise: Statt Aubergine sind diesmal große Lamm-Rind-Hackbällchen im Hummus, dazu gibt es wieder Tomaten, Gurken und Tahin. Nur die Sauerkirschen auf dem Köfte-ähnlichen Hack bieten dem Gaumen etwas Neues. Meine Freundin kämpft derweil mit dem Kalbstartar, das stark orientalisch gewürzt ist und sich geschmacklich ebenfalls zu wenig von den Speisen davor absetzt.
Was uns beiden jetzt fehlt, sind leichte, frischere und elegantere Speisen, wenigstens als Dessert. Doch auf der Karte stehen New York Cheesecake, Chocolate Fudge Brownie und Halva. Wer das nach einem so gehaltvollen Essen noch schafft – Respekt. Für mich ginge höchstens ein Sorbet und ein Verdauungsschnaps. Digestifs bekommt man allerdings nur in der Monkey Bar, die die andere Hälfte der Etage einnimmt. Der günstigste Schnaps, ein israelischer Arak, kostet 6,50 Euro für 4 cl, alle anderen unverschämte 9,50 Euro. Wer das schluckt, hat dafür eine wunderbare Aussicht.
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