Seit ein paar Wochen hat Berlin wieder ein Hotel und damit auch ein Restaurant mehr. Beides geht ja heutzutage unbedingt zusammen. Wo einst die King Size Bar, der Oscar Wilde Pub und das Tacheles das Lebensgefühl auf der Friedrichstraße prägten, kann man nun im Amo nächtigen, dem siebten Hotel der Amano Group. Das Restaurant, das hier beherbergt wird, heißt Joseph und serviert, wie schon das Mani derselben Gruppe, israelische Küche – wohl auch, weil zu den Gründern das deutsch-jüdische Ehepaar Mirit und Ariel Schiff gehört.
„Das Gefühl für das Joseph“ kommt aus Tel Aviv
Ariel Schiff wurde dieses Jahr als „Hotelier des Jahres“ ausgezeichnet. Er ist auch das Gesicht der Gruppe, die um die 300 Mitarbeiter in Berlin beschäftigt. Und weil Authentizität die Währung unserer Zeit ist und heute sorgfältig geplant wird, füttert einen – noch bevor man im Joseph isst – eine sehr nette PR-Agentur mit allerlei Geschichten.
Da ist zum Beispiel die Schwarz-Weiß-Fotocollage an der Wand, die sich von dem sonst in erdigem Leder und Holz gehaltenen Restaurant abhebt. Zu sehen sind Schiff und Freunde in Tel Aviv, am Lala Beach und auf Märkten, „wo das Gefühl für das Joseph herkommt“, wie mir erklärt wird. Auch der Name hat eine Geschichte: Joseph hieß der Vater von Ariel Schiff. Gleichzeitig, erfahre ich, ist es auch der Geburtsname von Yossi Elad, dem Koch oder besser gesagt: dem „kulinarischen Berater“.
Den Gastronomen, der unbeirrbar der eigenen Leidenschaft folgt, einen Laden findet, ihn in Eigenarbeit und mit vollem Risiko renoviert, hat es womöglich nie gegeben, das war vielleicht immer nur eine romantische Idee. Sicher ist, heute läuft es anders: Fürs Joseph wurden neben der PR-Agentur noch ein Designbüro engagiert sowie die Frankfurter James und David Ardinast, die die kulinarische DNA entwickelten und Yossi Elad mitbrachten, der in Israel und Europa sieben Restaurants führt.
Die „New Israeli Cuisine“ ist bei Fisch und Fleisch überzeugend
Elad, um die 70 und Kosmopolit, hat Speisen der „New Israeli Cuisine“ auf die Karte gesetzt, die den Bogen vom Mittleren bis zum Fernen Osten spannt und sich von der jiddischen Küche aus den verschiedensten Ländern inspirieren lässt. Vieles kennt man in Berlin nur zu gut. Seit einigen Jahren gibt es einen Hype um diese Küche, die sich so schön in der Runde teilen lässt. Daher wird sich das Joseph auch an Läden wie Neni, Layla oder Djimalaya messen müssen.
Das Carpaccio aus enthäuteter, leicht rauchiger Aubergine mit etwas Öl, Zitrone und Tahini könnte meiner Meinung nach cremiger oder zumindest öliger sein. Gut passen die Granatapfelkerne, und das im Tandoor selbst gebackene Laffabrot ist herrlich knusprig. Leider bleibt der gegrillte Blumenkohl – ein weiteres in Berlin zurzeit sehr beliebtes Gericht – ebenfalls etwas trocken, die Soße aus verflüssigtem Hummus ist zu leicht, nur die Tomaten mit Sumach sorgen für Momente, an die man sich erinnern wird.
Überzeugend ist die Küche erst bei den Fleisch- und Fischgerichten, was auch daran liegt, dass das meiste hier auf einem japanischen Robata-Grill über der offenen Flamme zubereitet wird. Das ergibt schöne Röstaromen.
Das Joseph hat eine Seele
Empfehlenswert ist etwa das Hühnchen Musakhan, ein palästinensisches Gericht, bei dem gegrilltes Huhn mit Zwiebeln und Sumach im Brot serviert wird. Die Zwiebeln kommen in Form einer Marmelade, die zusammen mit Labane, einem Joghurt, das saftige Huhn begleiten. Auch die Dorade auf grünem Hummus ist ihren fair berechneten Preis wert.
Das Joseph ist nicht seelenlos, dazu haben es die Macher viel zu gut geplant. Dennoch wird mir gerade in dieser Nachbarschaft bewusst, wie sehr ich manchmal das alte Berlin-Gefühl vermisse, auch wenn man hier früher wesentlich schlechter gegessen und getrunken hat.
Joseph im Hotel Amo, Friedrichstraße 113, Mitte. Mo–Fr 12–14.30 Uhr (Lunch) und Mo–Sa ab 18 Uhr (Dinner), Tel.: 31 49 50 700
Gerichte von der Mittagskarte kosten 7,50–13,50 und von der Abendkarte 7,50–23 Euro, Kleinigkeiten 2–8 Euro, Desserts 6 Euro
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