Gewalt gegen Rettungskräfte

Die Angst der Helfer vor dem nächsten Einsatz

Hier erzählen sie, wie ihnen in Berlin Gewalt und Hass entgegen schlägt.

Christian Gehrke
3 Min
Rettungskräfte wie Boris Michalowski (36) werden immer öfter angegriffen. Silvester wurde er mit Raketen beschossen.

Rettungskräfte wie Boris Michalowski (36) werden immer öfter angegriffen. Silvester wurde er mit Raketen beschossen.

© Bernd Friedel

Sie werden mit Waffen bedroht, sie werden von Betrunkenen geschlagen und mit Feuerwerk beschossen. Die Gewalt gegen Rettungskräfte nimmt in Berlin zu. Wie gehen die Helfer mit dem gefährlichen Alltag um? Hier erzählen sie von ihren Ängsten:

Steffen Spieler (39) versucht, vieles im Einsatz zu verdrängen. Er ist hochkonzentriert „Nach dem Dienst realisiert man erst, wie gefährlich und kritisch es wieder war“, sagt er.

Seit 17 Jahren fährt der Feuerwehrmann mit dem Krankenwagen auch Rettungseinsätze. Dass Betrunkene ihn als „Nazi“ beschimpfen, ist heute eher normal. „Ich wurde schon mit der Pistole bedroht. Einer zog ein Messer.“ Spieler erlebt auf seinen Einsätzen neuerdings immer mehr Betrunkene, die sich nicht helfen lassen wollen. Vor allem Männer um die Zwanzig, die Kraft haben und sich gegen die Hilfe wehren.

Die Dunkelziffer ist hoch

Gründe sind aus seiner Sicht der Sauf-Tourismus, der Berlin ereilt hat – und dass die Menschen sich weniger respektieren als früher. „Es gibt weniger Freundschaften und gute Nachbarschaften.“ Als er anfing, gab es wenig Vorfälle, jetzt passiert regelmäßig etwas, so der 39-Jährige, der auch in der Gewerkschaft der Polizei aktiv ist. Meist laufen die täglichen Einsätze des Berliner Rettungsdienstes störungsfrei. Doch in sechs bis sieben Fällen am Tag eskaliere die Gewalt, schätzt er.

Täglich im Einsatz für die Berliner. Die Gewalt gegen Rettungskräfte nimmt in Berlin zu. 

Täglich im Einsatz für die Berliner. Die Gewalt gegen Rettungskräfte nimmt in Berlin zu. 

© imago stock&people

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bestätigt die Zunahme der Übergriffe. Die Dunkelziffer sei hoch. Denn Rettungskräfte müssen Leben retten und haben keine Zeit, Straftaten anzeigen. In der Silvesternacht war es in Berlin besonders krass.

57 Einsatzfahrzeuge wurden attackiert, acht Helfer körperlich angegriffen. Auch freiwillige Helfer vom Arbeiter-Samariter Bund waren darunter. Boris Michalowski (38) erlebte, wie am Brandenburger Tor eine Silvester-Rakete die Scheibe des Rettungswagen durchschlug. „Wäre zu der Zeit jemand im Wagen gewesen, hätte es Verletzte gegeben.“

„Wir kommen, um zu helfen – mehr nicht“

Was er und sein Kollegen Daniel Ullrich (35) erzählen, klingt nach Bürgerkrieg aus einem fernen Land. „Ich wurde schon bespuckt und mit Steinen beworfen“, so Ullrich. Er habe Strategien entwickelt, um sich psychisch zu schützen.

Der ASB stärkt seinen Helfern den Rücken, von denen in Berlin 1000 den Job ehrenamtlich machen. Das Deeskalationstraining wird ausgebaut, es gibt Rechtsberatungen. Trotz der Gewaltvorfälle wollen viele noch Sanitäter werden. „Wir kommen, um zu helfen – mehr nicht“, so Michalowski.

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