WASHINGTON, 4. April. Hat Rick Belluzzo die Kraftprobe mit Konzerngründer Bill Gates verloren oder dankte der Präsident und damit drittwichtigste Mann der weltgrößten Softwareschmiede freiwillig ab? Der überraschende Rücktritt von Belluzzo, den Gates wegen seiner "signifikanten Beiträge zum Unternehmenserfolg" lobte, hat in der Softwareindustrie heftige Spekulationen ausgelöst. Der als designierter Thronfolger von Microsoft-Chef Steve Ballmer gehandelte Belluzzo könnte eingesehen haben, hieß es, dass Ballmer nicht in absehbarer Zeit den Sessel des Vorstandsvorsitzenden räumen will.Es ist aber auch möglich, dass die am Mittwoch angekündigte Umstrukturierung des Konzerns den Posten des für die Führung des laufenden Geschäfts zuständigen COO (Chief Operating Officer) überflüssig gemacht hat. Vor dem Hintergrund sinkender Gewinne und eher düsterer Ertragsaussichten in der Softwarebranche ist Microsoft dazu übergegangen, einzelne Geschäftsbereiche für ihren Beitrag zum Konzernergebnis verstärkt verantwortlich zu machen. "Das bedeutet mehr Autonomie für Abteilungsleiter, aber beraubt den COO seiner Zuständigkeit", erklärt der Softwareanalyst Rob Enerle von Giga Information Group. "Gates hat Belluzzo einen interessanten Job gegeben und ihm mit der Neustrukturierung nun den Spaß an der Arbeit genommen." Dass die Umstrukturierung und Belluzzos Rücktritt hingegen Vorboten einer Aufspaltung des Konzerns seien, streiten Gates und Ballmer kategorisch ab. Ein plausibles Dementi: Die anfangs verfügte Zerschlagung von Microsoft war von einem Berufungsgericht zuletzt aufgehoben worden. Das Unternehmen hat laut Branchenkennern keine Veranlassung, sich freiwillig aufzuspalten.Der 48-jährige Belluzzo hatte eine steile Karriere bei Hewlett Packard hinter sich, als ihn Gates 1999 bei Microsoft einstellte. Binnen kurzer Zeit hatte er mehrere Posten inne und wurde im vergangenen Februar zum Chief Operating Officer ernannt, zur faktischen Nummer drei im Microsoft-Konzern hinter Gates und Ballmer.Unter Belluzzos Regie gewann der Onlinedienst MSN Millionen neuer Abonnenten. Auch trieb Belluzzo die Entwicklung der .NET getauften Strategie zur Lieferung einer breiten Palette von Produkten und Dienstleistungen über das Internet voran. Belluzzos Ziel ist es nun, "irgendwo anders den Vorstand zu leiten". Er habe den Eindruck, sagte Belluzzo nach seinem Rücktritt, "dass Bill und Steve noch eine lange Zeit dabei sein werden".
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