Riskantes Experiment: Eine Bearbeitung des "Faust" im Konrad-Wolf-Saal der ehemaligen Akademie der Künste: Ohrfeige für jeden Goethe-Leser

Wo früher die Volkskammer tagte und sich später die Geistesgrößen der DDR trafen, wird heute Theater gespielt: Eine ehrgeizige freie Gruppe hat im Konrad-Wolf-Saal im alten Gebäude der Akademie der Künste Goethes "Faust" inszeniert.Das heißt, natürlich nicht den ganzen "Faust", sondern nur Brocken aus den beiden Teilen der Tragödie, best of Faust, sozusagen: "Goethe/Faust/Zelle" heißt die Veranstaltung. Ein wagemutiges Experiment, das nicht ganz gelungen ist: zu feierlich, zu wichtigtuerisch, bedeutungsschwer und verkrampft deklamieren die Herren und Damen Goethes Verse. Die Truppe ist zusammengewürfelt aus früheren Schauspielern Einar Schleefs und aus Thomas Heises furioser "Zement"-Inszenierung, ergänzt von zwei BE-Schauspielern. Respekt verdient ihr riskantes Unternehmen allemal.Die Bühne: ein giftgrünes Podest mit einer Versenkung, aus der gelegentlich die Geister der Unterwelt hervorkriechen. Daneben ein geheimnisvolles Gerüst, dahinter, von einem Vorhang zunächst verborgen, ein riesiges Regal mit allerlei Labor-Utensilien. Wir befinden uns im Forschungslabor. So ist es auch kein Wunder, daß der Mephisto im schmuddeligen Arzt-Kittel durch den Abend geistert und zwei merkwürdige Herren in grünen Schürzen sich gebärden, als wären wir in einem Operationssaal. Sollte das eine Verbeugung vor dem Alteigentümer des Gebäudes sein, der Chirurgischen Gesellschaft? Oder soll das eine wissenschaftskritische Lektüre von Goethes Mysterienspiel nahelegen: der Teufel - ein Wissenschaftler?Solche gewagten Interpretationen wären nicht weiter schlimm, wenn nur die Schauspieler nicht so nervtötend wären. Stefan Kolosko macht aus seinem Faust eine unfreiwillig komische Karikatur. Starr blicken die Augen, laut und pathetisch brüllt er seine Verse, steif und hilflos steht er in der Gegend rum - eine Witzfigur, eitel und ohne jede Ausstrahlung. Eine Zumutung, eine Faust-Vernichtung, eine Ohrfeige für jeden Goethe-Leser: Heinrich, uns graut vor dir. Der Rest: Chargen, von ihrer Sache begeisterte Amateure, mehr nicht. Auch der vom BE ausgeliehene Axel Werner als Mephisto kann den Abend nicht retten: Sein prächtig ausgemergeltes Gesicht genügt nicht, um aus ihm einen Mephisto zu machen. Nur das Gretchen ist eine Freude: Michaela Schmidt spielt sie zart und anrührend, unaufdringlich, frei von verkrampfter Bedeutungsschwere und falschen Tönen: Hier ist ein Talent zu entdecken. ...

BLZ
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Wo früher die Volkskammer tagte und sich später die Geistesgrößen der DDR trafen, wird heute Theater gespielt: Eine ehrgeizige freie Gruppe hat im Konrad-Wolf-Saal im alten Gebäude der Akademie der Künste Goethes "Faust" inszeniert.Das heißt, natürlich nicht den ganzen "Faust", sondern nur Brocken aus den beiden Teilen der Tragödie, best of Faust, sozusagen: "Goethe/Faust/Zelle" heißt die Veranstaltung. Ein wagemutiges Experiment, das nicht ganz gelungen ist: zu feierlich, zu wichtigtuerisch, bedeutungsschwer und verkrampft deklamieren die Herren und Damen Goethes Verse. Die Truppe ist zusammengewürfelt aus früheren Schauspielern Einar Schleefs und aus Thomas Heises furioser "Zement"-Inszenierung, ergänzt von zwei BE-Schauspielern. Respekt verdient ihr riskantes Unternehmen allemal.Die Bühne: ein giftgrünes Podest mit einer Versenkung, aus der gelegentlich die Geister der Unterwelt hervorkriechen. Daneben ein geheimnisvolles Gerüst, dahinter, von einem Vorhang zunächst verborgen, ein riesiges Regal mit allerlei Labor-Utensilien. Wir befinden uns im Forschungslabor. So ist es auch kein Wunder, daß der Mephisto im schmuddeligen Arzt-Kittel durch den Abend geistert und zwei merkwürdige Herren in grünen Schürzen sich gebärden, als wären wir in einem Operationssaal. Sollte das eine Verbeugung vor dem Alteigentümer des Gebäudes sein, der Chirurgischen Gesellschaft? Oder soll das eine wissenschaftskritische Lektüre von Goethes Mysterienspiel nahelegen: der Teufel - ein Wissenschaftler?Solche gewagten Interpretationen wären nicht weiter schlimm, wenn nur die Schauspieler nicht so nervtötend wären. Stefan Kolosko macht aus seinem Faust eine unfreiwillig komische Karikatur. Starr blicken die Augen, laut und pathetisch brüllt er seine Verse, steif und hilflos steht er in der Gegend rum - eine Witzfigur, eitel und ohne jede Ausstrahlung. Eine Zumutung, eine Faust-Vernichtung, eine Ohrfeige für jeden Goethe-Leser: Heinrich, uns graut vor dir. Der Rest: Chargen, von ihrer Sache begeisterte Amateure, mehr nicht. Auch der vom BE ausgeliehene Axel Werner als Mephisto kann den Abend nicht retten: Sein prächtig ausgemergeltes Gesicht genügt nicht, um aus ihm einen Mephisto zu machen. Nur das Gretchen ist eine Freude: Michaela Schmidt spielt sie zart und anrührend, unaufdringlich, frei von verkrampfter Bedeutungsschwere und falschen Tönen: Hier ist ein Talent zu entdecken. +++

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