Rom

Alarm, die Stare kommen!

Regina Kerner
2 Min
Alle Jahre wieder: Die Stare sind für die Römer auch eine Plage.

Alle Jahre wieder: Die Stare sind für die Römer auch eine Plage.

© Reuters/Chris Helgren Lizenz

Wer in diesen Tagen abends am Tiber entlang spaziert, um den Lichterglanz der Ewigen Stadt zu bewundern, sollte einen Schirm dabei haben. Nicht nur, weil es im November häufig regnet, sondern vor allem, um sich gegen etwas sehr Unappetitliches zu schützen: Aus den Platanen, die die Uferstraßen säumen, fällt ununterbrochen Vogelkot. Wege und Ufermauern sind mit einem schmierigen schwarz-weißen Belag überzogen, der macht das Atmen schwer. Aus den Bäumen tönt hunderttausendfaches Zwitschern, das immer wieder zu ohrenbetäubendem Lärm anschwillt.

Auch rund um Friedhöfe, Grünflächen und Parks ist Italiens Hauptstadt derzeit mit Tonnen von Guano bedeckt. Er landet auf den Köpfen und der Kleidung von Fußgängern und zerfrisst den Lack geparkter Autos. Immer wieder kommt es zu Unfällen, weil Mopedfahrer auf dem glitschigen Boden stürzen.

Verursacher des Problems sind die vier Millionen Stare, die jeden Herbst einfallen – Zugvögel aus Nordeuropa. Den Winter über kreisen sie am Himmel über Rom, das Ballett ihrer riesigen Schwärme, die wie schwarze Wolken über Petersdom und Kolosseum aufziehen, ist faszinierend. Ansonsten ist die Invasion der Stare vorwiegend lästig.

Tagsüber suchen sie draußen auf dem Land nach Nahrung – vor allem picken sie Oliven von den Bäumen. Dadurch wird ihr Kot ölig, wie Biologen erklären, und auf den Straßen noch gefährlicher. In der Dämmerung versammeln sich die Vögel dann zum Schlafen und zum Informationsaustausch in der Stadt, wo es wärmer ist und sie sich vor natürlichen Feinden sicher fühlen.

In keiner anderen Stadt überwintern so viele Stare wie in Rom. Die Stadtverwaltung versuchte in der Vergangenheit, die ungeliebten Gäste zu vertreiben. Am wirkungsvollsten erwies sich die Methode, unter den Schlafbäumen über Lautsprecher den Alarmruf zu übertragen, mit dem sich die Stare untereinander vor ihren Feinden warnen. Aber dieses Jahr waren die 100 000 Euro für das Programm nicht eingeplant. Anwohner versuchten verzweifelt, die Vögel zu verscheuchen, indem sie Topfdeckel klatschend auf die Straße gingen – ohne Erfolg.

Nun endlich hat die Stadt mitgeteilt, man habe das Geld doch noch aufgetrieben. In den nächsten Tagen sollen 15 Mitarbeiter losziehen und am späten Nachmittag wieder per Megafon den Alarmruf verbreiten. Und Reinigungswagen mit Wasserstrahlern sollen den Vogelkot endlich wegspülen.

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