Romanverfilmung „Am Hang“

Am See und nicht am Hang

Unser Gesellschaftskolumnist hat am Mittwochabend alle Hände voll zu tun mit zwei Kinopremieren: Martina Gedeck und Herny Hübchen in „Am Hang“ sowie Ulrich Noethen in „Im Scherbenpark“ verlangen höchste Konzentration am Roten Teppich und im Kinosaal.

Andreas Kurtz
4 Min
Andreas Kurtz

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Manchmal ist Henry Hübchen mit den Filmen, in denen er mitgespielt hat, unzufrieden. Das kann passieren, denn auch ein Drehbuch, das ihm richtig gut gefallen hat, kann durch Regisseur, Cutter, Produzenten, die anderen Schauspieler oder alle zusammen noch verdorben werden. Man entwickelt als Schauspieler im Verlauf der Jahrzehnte ein Gespür für solche wackeligen Projekte, kann aber auch nichts dafür, wenn sich Leute nicht an Absprachen halten.

Hübchen muss dann trotzdem zur Premiere, weil das so im Vertrag steht. Es würde ihm als mangelnde Professionalität ausgelegt, wenn er sich drückte. Bei der Romanverfilmung „Am Hang“ nach dem Bestseller des Schweizers Markus Werner verhielt es sich ganz offensichtlich anders. Da erhielt ich nämlich meine Einladung zur Premiere vom privaten Mailaccount Hübchens. Wenn er an dem Film etwas auszusetzen hätte, würde er das Einladen der Journaille wohl der dafür bezahlten Agentur überlassen und still hoffen, dass die einen miesen Job macht und so die Blamage keine großen Kreise zieht.

Davon kann aber diesmal – zumindest aus Sicht von Hauptdarsteller Hübchen – keine Rede sein. Dabei hatte Regisseur Markus Imboden mit der Schwierigkeit zu kämpfen, dass ein extrem dialoglastiges Drehbuch schnell wie ein abgefilmtes Theaterstück aussieht. Hübchen sagt in Gesprächen mit Max Simonischek kluge Sätze wie: „Die Liebe braucht nicht verfochten zu werden. Genau so wenig wie die Sonne. Sie ist da oder sie ist nicht da.“ Im Roman sind die Hauptorte der Handlung ziemlich genau beschrieben, für die Dreharbeiten standen sie jedoch nicht zur Verfügung. Man musste sich also nach anderen umschauen. Das dabei aufgetretene Problem beschreibt Regisseur Imboden, dessen Lebensgefährtin Martina Gedeck die weibliche Hauptrolle spielte, so: „Die meisten Motive sind nicht am Hang, sondern am See. Eigentlich müsste der Film ‚Am See‘ heißen.“ Die Produzentinnen wenden an dieser Stelle ein, es handele sich um einen „inneren Hang“…

Eine Ungenauigkeit, die bei vielen anderen Filmen irritiert, sollte diesmal vermieden werden. Wenn ein Instrument gespielt wird, sieht das oft eher nach Hanteltraining als nach authentischem Spiel aus. Diesmal der ziemlich raffinierte Trick: Hübchen leiht sich den rechten Arm einer hinter ihm sitzenden Cellospielerin und bewegt selbst nur – das aber ausgesprochen geschickt – den Bogen.

Nach dem Überraschungserfolg „Prinzessinnenbad“ fragte man sich, was Regisseurin Bettina Blümner auf diese dokumentarische Arbeit folgen lassen würde. Sie entschied sich für eine Romanverfilmung und wählte dafür „Scherbenpark“ von Alina Bronsky als Vorlage aus. Ulrich Noethen spielt einen Journalisten, der Quatsch geschrieben hat und deshalb nun die Wut einer Betroffenen zu spüren bekommt. Kleine Karrierevorhersage: Von der Hauptdarstellerin Jasna Fritzi Bauer werden wir noch viel Begeisterndes zu sehen bekommen. 2012, mit gerade mal 23 Jahren, wurde sie festes Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater. Und für ihre Leistung in „Scherbenpark“ bekam sie den Max-Ophüls-Preis.

Es gibt Weihnachtsgänse, die nicht einfach bloß im Familienkreis verputzt werden. Manche bekommt auch einen richtig großen Auftritt, wie die im Film mit dem Arbeitstitel „Schöne Bescherung“, den die Firma UfaFiction gerade in Berlin und Brandenburg dreht. In jenem Moment, in dem da die Gans aufgetragen wird, bricht nämlich der ganz große Familienkonflikt aus. Zum Ensemble gehören bewährte Bildschirmfachkräfte wie Gaby Dohm und Michael Gwisdek, aber auch Fiktions-Frischling Jörg Thadeusz, den man bisher als TV-Talker, Romanautor und Kolumnisten kannte.

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