Ukraine-Krieg

AKW Saporischschja: Russland meldet Drohnentreffer – Ukraine dementiert Angriff

Eine ukrainische Kampfdrohne trifft laut dem russischen Staatskonzern Rosatom das größte Kernkraftwerk Europas. Die Ukraine weist den Vorfall zurück.

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Blick auf einen Block des Kernkraftwerks Saporischschja.

Blick auf einen Block des Kernkraftwerks Saporischschja.

© Victor/dpa

Eine ukrainische Kampfdrohne soll am Samstagnachmittag die Turbinenhalle von Block 6 des Kernkraftwerks Saporischschja getroffen haben. Das teilte der Generaldirektor des russischen Staatskonzern Rosatom, Alexej Lichatschow, laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass mit. Die anschließende Detonation habe die Hauptausrüstung der Anlage demnach nicht beschädigt, jedoch ein Loch in die Wand der Turbinenhalle gerissen.

Das ukrainische Militär wies die russische Darstellung inzwischen zurück und bezeichnete sie laut der Nachrichtenagentur Reuters als „weiteren propagandistischen Schachzug“. Ukrainische Truppen hätten Block 6 des Kernkraftwerks Saporischschja nicht angegriffen, hieß es in einer Stellungnahme.

„Ukrainische Soldaten handeln strikt im Rahmen des humanitären Völkerrechts und sind sich der Folgen jeglicher Handlungen gegen nukleare Einrichtungen voll bewusst“, erklärte das Militär laut Reuters. An dem betreffenden Frontabschnitt habe es während des Vorfalls zudem keine aktiven Kampfhandlungen gegeben, auch seien keine Waffen eingesetzt worden.

Lichatschow erklärte nach Angaben von Tass, die Drohne sei über ein Glasfaserkabel gesteuert worden. Dies schließe seiner Darstellung zufolge die Möglichkeit eines zufälligen Treffers vollständig aus. Der Rosatom-Chef bezeichnete den Vorfall als „vorsätzlich“.

Reuters berichtete unter Berufung auf eine Stellungnahme von Rosatom, dass es sich um eine „Kamikaze-Kampfdrohne“ gehandelt habe, die das Turbinenhallengebäude von Block 6 getroffen haben soll. Die zentralen Anlagenteile seien nach Angaben des Konzerns nicht in Mitleidenschaft gezogen worden.

Atomkraftwerk seit März unter russischer Kontrolle

Lichatschow warnte den Berichten zufolge vor den möglichen Folgen derartiger Angriffe. Man sei „einen Schritt näher an einem Vorfall, der höchstwahrscheinlich auch jene treffen wird, die weit jenseits der Grenzen Russlands und der Ukraine leben und sich noch immer in Sicherheit wähnen“, wird der Rosatom-Chef von Reuters zitiert.

Das Kernkraftwerk Saporischschja gilt nach Angaben von Reuters als das größte Atomkraftwerk Europas. Es wurde demnach im März 2022 von russischen Truppen eingenommen und befindet sich seither unter russischer Kontrolle. Die Anlage liegt nach Darstellung der Agentur weiterhin in der Nähe der Frontlinie in der südostukrainischen Region Saporischschja.

Im Verlauf des seit rund vier Jahren andauernden Krieges sei die Anlage Reuters zufolge wiederholt unter Beschuss geraten. Dies habe immer wieder Befürchtungen vor einem nuklearen Zwischenfall an dem Standort ausgelöst. Unabhängige Bestätigungen zu Hergang und Verantwortlichkeit des aktuellen Vorfalls lagen zunächst nicht vor.

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