Jahr für Jahr treffen die zwei Finalisten des DFB-Pokals im Berliner Olympiastadion aufeinander. Dass dieses Spiel dort stattfindet, wird nicht jedesmal neu entschieden, das steht fest. Seit 1985 hat sich das im deutschen Fußball so eingebürgert. Im Rugby fand nun am Sonnabend zum zweiten Mal in Folge das Bundesligafinale in Berlin statt, im Stadion Buschallee in Weißensee. Zum zweiten Mal in Folge sicherte sich die Rugbyabteilung des Heidelberger Ruder Klubs den Titel, durch ein 47:12 (26:0) gegen den Lokalrivalen RG Heidelberg.
Zwei Heidelberger Mannschaften reisen durch ganz Deutschland, die eine mit der Bahn, die andere mit dem Bus, um das Bundesligafinale auf dem Platz vom Rugby Klub 03 Berlin auszutragen. Was hat Berlin, was Heidelberg nicht hat, und warum sind die Berliner selbst nicht im Finale vertreten?
Experten für Events
Ingo Goessgen findet den Vergleich mit dem DFB-Pokal gar nicht so schlecht. Er ist der Präsident des Rugby Klub 03 Berlin und richtet das nationale Finale in seinem Sport nicht nur zum Spaß aus. Für ihn geht es um mehr: „Wir versuchen, dass das Finale in Berlin zu einer Institution wird.“ Goessgen bekam viele positive Reaktionen nach dem Endspiel 2017. 1 700 Zuschauern kamen damals in die Buschallee. Nicht nur der Deutsche Rugby-Verband äußerte daraufhin den Wunsch, das Finale auch in Zukunft dort auszutragen. Vor allem die beiden Heidelberger Vereine sprachen sich für das Stadion als Austragungsort aus, zumal sich kein anderer Verein bewarb. Die Finalisten sahen sich am Sonnabend bestätigt: 1 100 Fans waren diesmal nach Weißensee gekommen.
Der RK 03 Berlin kann genau das: Rugby-Events veranstalten. Normale Bundesligaspiele sind keine Herausforderung, wenn mehrmals pro Saison sogenannte Big Rugby Days veranstaltet werden, bei denen Frauenturnier und Männerspiel am selben Tag stattfinden. Vor einigen Jahren hat der RK03 einen neuen Rugby- sowie Trainingsplatz gebaut. Auf der gesamten Sportanlage in Weißensee wird mittlerweile auf drei Plätzen gespielt.
Das Finale selbst kann der RK 03 nur mit vielen ehrenamtlichen Helfer möglich machen: Eltern der Nachwuchsspieler, aktive und ehemalige Spieler stellen Sicherheitskräfte, stehen am Grill. Doch der Aufwand lohnt sich für den Verein, steigert sein Image in seinem Sport. Berlin als Stadt in der Rugby-Peripherie rückt ein wenig ins Rampenlicht. Denn so viele Zuschauer wie in Berlin bekommen die Heidelberger nicht ins Stadion.
Berlin sorgt für gute Stimmung, Heidelberg für sehenswerten Sport. Seit Jahren dominieren Heidelberger Teams die obersten Plätze in der Bundesliga. Der Titelverteidiger Heidelberger RK ist der einzige Profiverein im Oberhaus hierzulande. Seine Spieler machen achtzig Prozent des Nationalteams im 15er-Rugby aus, der Variante mit 15 Mann auf dem Platz. Das Finale am Sonnabend war für Goessgen daher „ein Spiel der Nationalmannschaft gegen die beste Amateurmannschaft“.
Umbruch beim RK 03 Berlin
Die RG Heidelberg glänzt mit einigen Nationalspielern im 7er-Rugby, der olympischen Variante. Sie sind in der Sportfördergruppe der Bundeswehr angestellt und werden ebenfalls fürs Rugbyspielen bezahlt. Beide Teams gehören zur Bundesliga Süd, haben während der ganzen Saison Spiele auf hohem Niveau. Das sind für Goessgen Gründe, warum die Heidelberger in ihren Halbfinalspielen den Gegnern aus der Bundesliga Nord überlegen waren. „Man sieht Routine und mehr Cleverness“, sagt der Berliner Vereinspräsident.
Halbfinalteilnehmer war vorige Saison auch RK03, doch inzwischen hat bei dem traditionsreichen Berliner Verein ein Generationswechsel eingesetzt. Goessgen sagt: „Spieler wachsen raus, und es fehlen derzeit starke Jahrgänge im Nachwuchs.“ Die Bundesligamannschaft der Weißenseer befindet sich im Umbruch.
Mit etablierten Spielerinnen ist das Frauenteam erfolgreich. Am Wochenende erreichte es bei der Meisterschafts-Endrunde im Siebener-Rugby in Stuttgart den sechsten Platz (Siehe Info-Kasten). Auch im DFB-Pokal finden die Endspiele in verschiedenen Städten statt, die Frauen treten in Köln an. In dieser Hinsicht nimmt sich Goessgen allerdings kein Beispiel am Fußball. Er findet die Spaltung extrem schade und wenig hilfreich fürs deutsche Rugby. „Deshalb bewerben wir uns nächstes Jahr um ein Event, bei dem die Finals der Männer und Frauen gleichzeitig in der Buschallee stattfinden.“ Dass der RK03 das kann, hat er am Wochenende wieder einmal gezeigt.
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