Ukrainekrieg

Russische Truppen dringen weiter in Pokrowsk vor – Ukraine bestreitet Einkesselung

Russische Truppen rücken in Pokrowsk vor. Die Ukraine bestreitet eine Einkesselung ihrer Soldaten. Doch Moskau setzt eine neue Taktik ein.

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An der Front in Pokrowsk.

An der Front in Pokrowsk.

© IMAGO/Stanislav Krasilnikov

Im Osten der Ukraine liefern sich russische und ukrainische Truppen schwere Gefechte um die Kontrolle über die Stadt Pokrowsk. Die Ruinen der ehemals 60.000 Einwohner zählenden Verkehrs- und Logistikdrehscheibe sind seit über einem Jahr heftig umkämpft.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Dienstag, seine Soldaten hätten 35 Gebäude von ukrainischen Truppen geräumt. Außerdem würden russische Kräfte eingeschlossene Ukrainer nahe der etwa 160 Kilometer nördlich gelegenen Stadt Kupjansk in der Region Charkiw in die Zange nehmen. Die Ukraine dementierte, dass ihre Truppen an einem der beiden Orte eingekesselt seien.

Laut der ukrainischen Denkfabrik DeepState sind russische Truppen jedoch weiter in Pokrowsk und Umgebung vorgerückt, wenn auch noch keine der beiden Seiten die feste Kontrolle über die Stadt erlangt habe. Die Einnahme Pokrowsks könnte Moskau als Sprungbrett für Vorstöße auf die Städte Kramatorsk und Slowjansk dienen, die größten verbliebenen ukrainisch kontrollierten Städte in der Region Donezk.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj räumte am Montag ein, dass Pokrowsk unter starkem Druck stehe. Am Dienstag besuchte er Truppen, die nahe der östlichen Stadt Dobropillja eine Gegenoffensive gegen russische Einheiten führen.

Russland nutzt neue Taktik des Einsickerns

Laut Berichten ukrainischer Soldaten an der Front setzt Russland in Pokrowsk auf eine neue Taktik: Statt eines massiven Angriffs sickern russische Soldaten über einen längeren Zeitraum getarnt als Zivilisten in die Stadt ein. Mithilfe von Drohnen legen sie Hinterhalte, stören die ukrainische Logistik und zerstören Deckungen durch Bomben.

Die russische Armee habe in Pokrowsk sowohl zahlenmäßig als auch in der Luft die Oberhand, analysieren ukrainische Militärs. Der Ukraine fehle es an Flugabwehrsystemen und Flugzeugen, um die Vielzahl russischer Drohnen und Bomber abzuwehren. Daher erstrecke sich die Kontaktlinie auf über 20 Kilometer.

Die größte Herausforderung für die ukrainischen Streitkräfte sei die Störung ihrer Logistik durch die Russen. Nachschub an Munition und Ausrüstung sei nur unter hohem Risiko möglich, ebenso der Austausch von Truppen und die Evakuierung von Verwundeten. Viele Einheiten müssten dutzende Kilometer zu Fuß zurücklegen, um ihre Stellungen zu erreichen.

Pokrowsk droht laut Militärexperten zum Hauptstützpunkt für einen weiteren russischen Vormarsch zu werden. Sollte die Stadt fallen, könnten die Russen von dort aus auf Kramatorsk, Slowjansk und Druschkiwka vorrücken, die dann nur noch schwer zu verteidigen wären. Der Kreml wolle durch die Eroberung des Donbass aus einer Position der Stärke mit der Ukraine und ihren westlichen Verbündeten verhandeln, vermutet ein ukrainischer Experte.

Trotz erbitterter Abwehrkämpfe habe die Ukraine bisher keinen operativen Durchbruch der Russen verhindern können, konstatiert der österreichische Militärexperte Markus Reisner. Moskaus Truppen seien noch nicht so weit vorgedrungen wie erhofft, erhöhten aber seit Wochen den Druck auf Pokrowsk.

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