Interview

Russischer Historiker und YouTube-Star: „Das Zukunftsbild Russlands ist nebulös“

Alexander Stefanov (25) gilt als Shootingstar unter dem russischen Historiker-Nachwuchs. Der Berliner Zeitung erklärt er Putins Geschichts- und Weltbild.

Interview: Daria Boll-Palievskaya
9 Min
Talkmaster Tucker Carlson (l.) beim Interview mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, Februar 2024

Talkmaster Tucker Carlson (l.) beim Interview mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, Februar 2024

© Pool Sputnik Kremlin/AP

In Russland ist Geschichte zur Staatsangelegenheit geworden. Präsident Wladimir Putin scheint sich mehr für historische Themen zu interessieren als für die Zukunft seines Landes. Woher kommt diese Fixierung auf die Vergangenheit? Welche Vision hat Putin für Russlands Zukunft? Antworten gibt der junge Historiker und YouTuber Alexander Stefanov im Gespräch mit der Berliner Zeitung.

Herr Stefanov, in seinem Interview mit dem amerikanischen Journalisten Tucker Carlson im Februar hat Wladimir Putin die Geschichte Russlands bis zurück ins achte Jahrhundert referiert. Manche Medien sprachen von „Putins Märchenstunde“. Wie beurteilen Sie seine Geschichtskenntnisse?

Sie sind gar nicht so schlecht, wie man vermuten könnte. Er hat ein ziemlich gutes Verständnis für die grundlegenden Zusammenhänge. Man sieht, dass er etwas mehr gelesen hat als nur Schulbücher. Er hat einige Daten durcheinandergebracht und den unzulässigen Begriff „zentralisierter Staat“ verwendet, als er über das alte Russland sprach, aber keine monströsen Verzerrungen.

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