Bei einem russischen Angriff auf einen Frachter im Schwarzen Meer ist nach ukrainischen Angaben ein Mensch getötet worden. Drei weitere Personen seien verletzt worden, teilte der Gouverneur der Region Odessa, Oleh Kiper, am Donnerstag mit. Das unter der Flagge Guinea-Bissaus fahrende Schiff hatte demnach ukrainischen Weizen geladen.
Der Rumpf des Frachters sei bei dem Angriff beschädigt worden, anschließend sei an Bord ein Feuer ausgebrochen. Die Besatzung wurde laut Kiper an Land gebracht. Die Verletzten würden medizinisch versorgt. Der Name des Schiffes, die Nationalitäten der Opfer und die genaue Position zum Zeitpunkt des Angriffs wurden zunächst nicht genannt.
„Der Feind greift weiterhin unerbittlich zivile Schiffe im Schwarzen Meer an“, erklärte Kiper. Die Angriffe zeigten nach seinen Worten, welche Gefahr Russland für zivile Seeleute und die weltweite Ernährungssicherheit darstelle. Die Angaben zu den Opfern und zur Ladung ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Ukraine greift eine der größten Ölraffinerien Russlands an – zweites Ziel 1300 Kilometer von der Front
Russland spricht von Militärgütern auf zwei Frachtern
Das russische Verteidigungsministerium erklärte seinerseits, seine Streitkräfte hätten am späten Mittwoch zwei Trockenfrachter nahe Odessa angegriffen. Die Schiffe hätten Militärgüter transportiert, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Tass nach Angaben von Reuters. Belege für diese Darstellung veröffentlichte Moskau zunächst nicht.
Ob das von Kiper beschriebene Schiff zu den beiden von Russland genannten Frachtern gehörte, war zunächst unklar. Beide Seiten machen bei Angriffen auf Handelsschiffe regelmäßig geltend, ausschließlich militärisch genutzte Ziele beziehungsweise zivile Schifffahrt angegriffen zu haben. Die jeweiligen Angaben sind häufig nicht unabhängig überprüfbar.
Angriffe auf Schiffe im Schwarzen Meer nehmen stark zu
Der Angriff gehört zu einer massiven Eskalation im Schwarzen Meer. Nach Angaben des ukrainischen Infrastrukturministeriums wurden allein im Juli 35 Schiffe in Häfen und weitere 22 auf See angegriffen. Hinzu kamen 67 Angriffe auf Hafenanlagen. Im gesamten Jahr 2025 waren dagegen 14 Angriffe auf Schiffe registriert worden.
Erst am 19. Juli war der ebenfalls unter der Flagge Guinea-Bissaus fahrende Frachter „Golden Leo“ nahe Odessa von drei russischen Marschflugkörpern getroffen worden. Das mit ukrainischem Mais beladene Schiff geriet in Brand. Neun Besatzungsmitglieder und ein ukrainischer Lotse kamen ums Leben. Acht Seeleute wurden gerettet. Eine Woche später sank der Frachter.
Über die Häfen rund um Odessa laufen mehr als 90 Prozent der ukrainischen Agrarexporte. Die zunehmenden Angriffe haben bereits Lieferungen verzögert und die Kosten für Reedereien drastisch erhöht. Kriegsversicherungen für Fahrten zu Häfen am Schwarzen Meer kosten laut Reuters inzwischen bis zu zwei Prozent des gesamten Schiffswerts. Zwei Wochen zuvor war es noch etwa ein Prozent.
Ukraine versenkt russischen Frachter Yanina und greift drei Ölraffinerien an
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de