Nach ukrainischen Angriffen auf die russische Grenzregion hat das russische Verteidigungsministerium mit „Bestrafung“ gedroht. Der Angriff auf die Stadt Belgorod werde nicht „ungestraft“ bleiben, erklärte das Ministerium am Samstag im Onlinedienst Telegram. Demnach konnten „die meisten“ gegen die Stadt gerichteten Raketen abgefangen werden.
Russland forderte zugleich eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats, um über den tödlichen Angriff auf Belgorod zu beraten. „Wir haben ein Treffen des Sicherheitsrats zu Belgorod heute um 15 Uhr New Yorker Zeit (21 MEZ) beantragt“, erklärte der stellvertretende russische UN-Botschafter Dmitri Poljanski auf Telegram.
Belgorod: Russische Behörden zählen mehrere Tote
Durch den Beschuss des Zentrums der gleichnamigen Gebietshauptstadt Belgorod seien 18 Menschen getötet worden, darunter mehrere Kinder, teilte Russlands Zivilschutzbehörde auf Telegram mit. Weitere 111 Menschen seien verletzt worden. Unabhängig überprüft werden konnten die Angaben zunächst nicht. Die Behörden veröffentlichten Bilder von brennenden Autos und Gebäuden mit zerstörten Fensterscheiben. Der Belgoroder Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow schrieb auf Telegram, dass Massenveranstaltungen zu Neujahr wegen des Angriffs abgesagt werden.
Präsident Wladimir Putin sei „über den Angriff der ukrainischen Streitkräfte auf Wohnviertel in Belgorod informiert worden“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow der Nachrichtenagentur Tass. Die russische Stadt liegt rund 30 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.
Schwere russische Angriffe: 39 Tote in der Ukraine
Nach einem der schwersten russischen Angriffe auf die Ukraine seit Kriegsbeginn hat sich die Zahl der Todesopfer in der Ukraine derweil auf mindestens 39 erhöht. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb am Samstag in Onlinediensten von einem „Terroranschlag“ auf sein Land, bei dem bisher 39 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden seien. Die russischen Behörden meldeten ihrerseits mindestens 14 Tote und mehr als 100 Verletzte durch ukrainische Angriffe auf die russischen Grenzregionen Belgorod und Brjansk.
Im ganzen Land seien „fast 120 Städte und Dörfer betroffen“, erklärte Selenskyj zu den russischen Angriffen vom Freitag. „Die Arbeiten zur Beseitigung der Folgen des gestrigen russischen Angriffs sind noch im Gange.“
Allein in der Hauptstadt Kiew starben nach Angaben der Stadtverwaltung 16 Menschen bei den Angriffen. Am Samstag wurden immer noch Leichen aus den Trümmern geborgen. Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte den 1. Januar zu einem Trauertag.
Raketen, Drohnen und Marschflugkörper treffen das Land
Bei einer der heftigsten russischen Angriffswellen auf die Ukraine seit Kriegsbeginn wurden am Freitag ukrainischen Angaben zufolge unter anderem Schulen, eine Geburtsklinik, Einkaufzentren und Wohnhäuser getroffen. Die russische Armee erklärte in ihrem täglichen Lagebericht, dass sie im Zeitraum vom 23. bis 29. Dezember „50 Gruppenangriffe und einen massiven Angriff“ ausgeführt habe. Dabei seien „alle Ziele“ getroffen worden.
Nach ukrainischen Behördenangaben richteten sich die Angriffe mit Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern gegen mindestens sechs Regionen des Landes, darunter Charkiw im Nordosten, Lwiw im Westen, Dnipro im Südosten und Odessa im Süden. Getroffen wurden auch wichtige Infrastruktur sowie militärische und zivile Industrieanlagen, wie der Generalstab mitteilte. Demnach setzte Russland 158 Drohnen und Raketen ein. 88 Raketen und 27 Drohnen seien zerstört worden.
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