Nach dem Versuch einer Gewerkschaftsgründung ist der inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny nach eigenen Angaben in eine Einzelzelle verlegt worden. „Grüße aus der Einzelhaft“, schrieb er am Montag in den Online-Netzwerken. „Gewerkschaftskampf ist nie einfach, aber was ist dann erst mit Gewerkschaften im Gefängnis?“ Offiziell sei er in die Einzelzelle verlegt worden, weil er gegen die Kleiderordnung verstoßen und den obersten Knopf seiner Gefängnisuniform aufgeknöpft habe.
Nawalny erklärte, er werde drei Tage lang in der Einzelzelle bleiben müssen. Die Gefängnisleitung habe ihn aber gewarnt, dass sie sein „ständiger Aufenthaltsort“ werden könnte, wenn er seine „Haltung nicht überdenke“. Nawalny beschrieb seine Zelle als einen winzigen „Betonzwinger“, in dem es sehr heiß und stickig sei.
Nawalny gründet „Ein-Mann-Gewerkschaft“ im Gefängnis
Nawalny arbeitet in der Näherei der russischen Strafkolonie
Nawalny war im Juni in die Strafkolonie in der Stadt Wladimir 200 Kilometer östlich von Moskau verlegt worden. In der vergangenen Woche hatte er bekanntgegeben, dass er eine „Ein-Mann-Gewerkschaft“ in dem Straflager gegründet habe, wo er in einer Näherei arbeitet. Nach Nawalnys Angaben hat die Gewerkschaft auch schon einen „ersten Sieg“ errungen, indem sie dafür gesorgt habe, dass die Hocker der in der Näherei arbeitenden Häftlinge durch Stühle ersetzt worden seien.
Nach dem Attentat: Sprecher Irans sagt, Salman Rushdie sei selbst schuld
Nawalny ist der prominenteste Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin und wurde durch den Aufruf zu Massenprotesten und die Enthüllung von Korruptionsfällen in Russland bekannt. Er war im Januar 2021 bei seiner Rückkehr aus Deutschland auf dem Flughafen von Moskau festgenommen worden. Zuvor war er in Berlin wegen einer in Russland erlittenen Vergiftung mit einem Nervengift der Nowitschok-Gruppe behandelt worden, für die er den Kreml verantwortlich macht.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de