Es ist unwahrscheinlich, dass sich die deutsche Industrie wieder auf das Niveau vor dem Ukraine-Krieg erholt, da höhere Preise beim Flüssigerdgas, oder LNG, Europas größte Volkswirtschaft benachteiligt haben. Dies teilte RWE-Chef Markus Krebber der britischen Zeitung Financial Times (FT) mit. „Deutsche Industrie hat einen Nachteil“
„Die Gaspreise in Kontinentaleuropa, insbesondere in Deutschland, sind jetzt strukturell höher, weil wir letztendlich auf LNG-Importe angewiesen sind“, sagte der Vorstandsvorsitzende eines der größten Energieunternehmen in Deutschland. „Die deutsche Industrie hat einen Nachteil“, legte Krebber nach.
Abhängigkeit von Gas: Merkel-Regierung hat „Fehler“ gemacht
Den 2011 von der Merkel-Regierung beschlossenen Atomausstieg und die anschließende Abhängigkeit von Gas in Deutschland bezeichnete der RWE-Chef deswegen als einen Fehler. Es mangele jetzt an Alternativen in der Energieversorgung. „Wenn Sie genau wissen, was Sie abschalten möchten, müssen Sie sofort darüber nachdenken, wie ich die neue Technologie in den Boden bringe“, sagte Krebber zur Entscheidung der damaligen Bundesregierung.
Die europäischen Gaspreise sind inzwischen gegenüber dem Rekordniveau von 2022 zwar um 90 Prozent eingebrochen, doch die Industrienachfrage hat sich noch nicht erholt. Der starke Preisrückgang täuscht zudem: Nach Angaben der Rohstoffpreisagentur Argus liegt die europäische Benchmark auf dem Gasmarkt noch über dem Vorkrisendurchschnitt und ist fast zwei Drittel teurer als im Jahr 2019.
Es werde zwar eine leichte Erholung geben, so Krebber. „Aber ich denke, wir werden einen erheblichen strukturellen Nachfragerückgang in den energieintensiven Industrien erleben.“ Schlechte Aussichten für das Wirtschaftswachstum also.
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