S21 zum Hauptbahnhof

Ein kleiner Bagger rettet das S-Bahn-Projekt

Zwischen Gesundbrunnen und Hauptbahnhof sollen 2020 erstmals Züge fahren.

Peter Neumann
3 Min
Wer schnell durch Berlin oder ins Umland will, nimmt am besten die S-Bahn.

Wer schnell durch Berlin oder ins Umland will, nimmt am besten die S-Bahn.

© imago/Schöning

Arno Jaeger wirkt so, als sei ihm eine Last von der Seele genommen. „Es kann weitergehen“, sagt der Projektleiter für den Bau der zweiten Berliner Nord-Süd-S-Bahn, die unter dem Arbeitstitel S21 in Mitte entsteht. Grundwasser und andere Probleme im Untergrund haben die Bauleute ausgebremst.

Doch nun haben die Ingenieure Lösungen gefunden, wie das lange dahin dümpelnde Verkehrsprojekt wieder an Tempo gewinnen kann. Jaeger ist zuversichtlich, dass auf dem ersten Teilstück Mitte oder Ende 2020 erstmals S-Bahnen fahren werden – zwischen Gesundbrunnen und Hauptbahnhof.

Das kaum bekannte Projekt

S21: Diesen Titel bekam das Bauvorhaben lange bevor Stuttgart 21 für Bürgerproteste sorgte. Das Projekt, in Berlin eine zweite Nord-Süd-S-Bahn zu bauen, ist seit Jahren im Gange. Doch kaum jemand kennt es. Dabei werden die Fahrgäste von der Strecke, die sich künftig 6,4 Kilometer weit vom Nordring über Hauptbahnhof, Potsdamer Platz und Gleisdreieck zur Yorckstraße erstrecken wird, enorm profitieren.

Nicht nur, dass der Hauptbahnhof endlich besser erreichbar sein wird, auch die Verbindungen ins Regierungsviertel verbessern sich. Es entsteht Kapazität für mehr S-Bahn-Verkehr, der Umsteigeknoten Friedrichstraße wird entlastet.

Am 16. Dezember 2015 tauchte jedoch ein großes Problem auf. Im Bereich der Tunnelbaugrube unter der Minna-Cauer-Straße drang zu viel Grundwasser ein, die Arbeiten mussten unterbrochen werden. Jetzt gibt es endlich ein tragfähiges Konzept, wie es dort weitergeht.

2020 fährt der erste Zug im Tunnel

Um die von unten eindringende Feuchtigkeit in Schach zu halten, wurde dieser Teil der Baustelle unter Wasser gesetzt. Jaeger: „Unter Wasser wird nun auch der Boden ausgehoben“ – mit Hilfe einer Technik, die bisher beim Tunnelbau nicht eingesetzt wurde. Ein ferngesteuerter Tauchbagger wirbelt mit einer Fräse Erdreich auf, der Schlamm wird abgesaugt, Bodenpartikel werden vom Wasser getrennt. Seit zwei Wochen ist der kleine, weiße Unterwasserbagger unterwegs. Er gehört der norwegischen Firma Scanmudring, die ihn bislang bei Ölplattformen eingesetzt hat. Ein Taucher überwacht die Arbeit, ein zweiter steht zur Sicherheit bereit. Wenn der Bagger fertig ist, entsteht in der gut 45 Meter langen Baugrube eine Betonsohle – ebenfalls unter Wasser.

Das ist der Bagger Scanmachine.

Das ist der Bagger Scanmachine.

© Scanmudrig AS

Einen Baustopp gab es auch in den drei Baugruben am Hauptbahnhof. Die Stützen des Stadtbahnviadukts stehen auf einem unterirdischen Betonrost, unter dem der Tunnel der S 21 entstehen soll. Doch es stellte sich heraus, dass der Rost für das gewählte Bauverfahren zu wenig Öffnungen hat. Nun wurde umgeplant, so Jaeger: „Auch dort wird eine Unterwasserbetonsohle entstehen.“ Allerdings entdeckten die Bauleute unter dem Rost einen 900 Kubikmeter großen Betonblock – der erst mal abgebrochen werden muss. Trotzdem zeigte sich der Projektleiter hoffnungsvoll: „Wir gehen davon aus, dass wir die Lösung gefunden haben.“ 2026 soll der Tunnel in diesem Bereich fertig sein.

Zunächst wird die S-Bahn ab 2020 an einem Interims-Bahnsteig unter der Invalidenstraße halten, von dem aus die Passerelle zum Hauptbahnhof barrierefrei per Aufzug erreichbar ist. Später wird die 75 Meter lange Plattform abgerissen.

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