Jeder Halbsatz, den Renate Künast als Vorsitzende der grünen Bundestagsfraktion äußert, wird derzeit daraufhin geprüft, ob er Aussagen zur Spitzenkandidatur in Berlin enthält. Sie redet nur als Berliner Bundestagsabgeordnete, sagen Parteifreunde aus dem Landesverband genervt und verweisen stereotyp auf die geplante Entscheidung bis zum Ende des Jahres. Dabei hat Künast den Hype selbst mit kreiert, da sie nie eindeutig gesagt hat, dass sie nicht zur Verfügung steht. Seitdem wuchern die Spekulationen in der Stadt, die sich nach prominenten, ehrgeizigen Politikern sehnt.Niemand weiß mehr so genau, wer ihren Namen als Herausforderin von Klaus Wowereit ins Spiel gebracht hat. Auf einmal war Künast, die ihre Karriere im Abgeordnetenhaus begann, im Gespräch. Die Umfragewerte explodierten, ohne dass sie sich dafür groß anstrengen musste. Es gibt nicht gerade viele Frauen, die in der Politik so erfolgreich sind. Sie könnte immerhin erste grüne Ministerpräsidentin werden - falls der Kollege aus Baden-Württemberg nicht schneller ist. Dort wird im März 2011 gewählt. Sie ließ alle reden, wollte sich alle Optionen offenlassen und im entscheidenden Moment zugreifen.Doch hat sie die Freiheit, Nein zu sagen, immer noch? Man merkt ihre innere Zerrissenheit den Interviews an: Auf der einen Seite will sie nichts zur Kandidatur sagen, auf der anderen Seite befeuert sie immer neue Spekulationen selbst. Aktuell zum Beispiel, indem sie Marschrouten für den Wahlkampf 2011 formuliert. Es liest sich so, als stecke Künast ihr Feld schon mal ab, so dass etwaige andere Kandidaten sich gar nicht erst Hoffnungen machen.Eine Chance, ihrer Partei zu sagen, was sie will, hat sie am 7. November. Dann will Renate Künast zum grünen Landesparteitag kommen. Seite18
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