In der neuen „Salome“, die Evgeny Titov an der Komischen Oper im Schiller-Theater inszeniert und am Samstag vorgestellt hat, trägt Salome ein silbernes, hochgeschlossenes Kleid und eine weiße Haube, die wie eine sehr üppige Fechtermaske den gesamten Kopf einschließt und ihr die Anmutung eines Insekts gibt.
Nichts von Femme fatale, dafür aber eine Art Projektionsfläche – so möchte man das lesen, erfährt aber aus dem Programmheft, dass der Regisseur sich etwas ganz anderes gedacht hat: „Man kann sein wirkliches Ich nur in einer abgründigen Liebe kennenlernen.“ Der weiße Kopf würde demnach für die ihrer selbst ungewisse Person stehen, aber wenn sich Salome nach reichlichem Planschen im Blut des hier nicht enthaupteten, sondern weidmännisch „aus der Decke geschlagenen“ Jochanaan zwei rote Augen auf die Haube malt, soll das ihr „wirkliches Ich“ sein?
Komische Oper im Schiller-Theater
Hat nichts mit Liebe zu tun: Die „Salome“ der Komischen Oper
Evgeny Titov inszeniert die „Salome“ von Oscar Wilde und Richard Strauss. Es ist das auf der Opernbühne nach „Carmen“ wichtigste Porträt einer Frau, die sexuell begehrt. Die Kritik.
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Karolina Gumos als Herodias, Nicole Chevalier als Salome und Matthias Wohlbrecht als Herodes in der „Salome“-Inszenierung der Komischen Oper im Schiller-Theater.
© Martin Müller/Imago