Sarah Connor im Interview

Ach, mein Herz bricht ganz oft

Früher hat sich die Popsängerin Sarah Connor nur allzu gern in der Öffentlichkeit gezeigt. Und ihre Familie auch. Das hat sich geändert. Sagt sie zumindest. Ein Gespräch über die neue Zurückhaltung, die aktuelle CD, das Genie von Bob Dylan und ihre kranke Tochter.

Katja Schwemmers
15 Min
Sarah Connor.

Sarah Connor.

© Universal Music/Nina Kuhn Lizenz

Ein sonniger Morgen in einem Restaurant am Berliner Schlachtensee. Entspannt sitzt Sarah Connor im ärmellosen Mick-Jagger-T-Shirt da und gibt den Blick frei auf ihre Tattoos. Ihr blondes Haar hat sie zum Zopf gebunden, sie ist gänzlich ungeschminkt – ein schöner Anblick. Fünf Jahre sind vergangen, seit ihr letztes Album erschienen ist. Die Sängerin hat aus Fehlern gelernt, sie lebt zurückgezogen. Und sie hat die letzten Jahre genutzt, um sich neu zu erfinden. Die Texte für ihr neues Album „Muttersprache“, seit Freitag auf dem Markt, hat Sarah Connor erstmals selbst geschrieben. Und sie singt jetzt auch auf Deutsch – ebenfalls eine Premiere.

Frau Connor, Sie wohnen seit fünf Jahren am Stadtrand von Berlin. Wie ist Ihr Leben dort?

Ich komme ja vom Land. Ich habe mir also den ländlichsten Ort von Berlin gesucht, den ich finden konnte. Ich wäre sogar noch ein bisschen weiter rausgezogen. Wenn ich jetzt noch ein bisschen fahre, kann ich schon richtig weit gucken. Das bedeutet für mich Erholung. Draußen bei den Pferden.

Wie viele Pferde haben Sie denn?

Zwei Ponys, meine Mädchen reiten beide. Ich habe kein eigenes Pferd mehr, weil ich es zeitlich nicht mehr schaffe. Aber durch meine Kinder komme ich wieder öfters dazu, rauszufahren, im Dreck und an der frischen Luft zu sein. Ich brauche solche echten Momente, um runterzukommen. Das Leben in der Stadt ist nichts für mich, es ist mir zu schnell. Ich bin sehr selten in Berlin-Mitte und im Kreuzberg-Trubel unterwegs – nur zum Arbeiten oder wenn Freunde zu Besuch kommen.

Wo stehen denn die Pferde?

In einem kleinen Offenstall mitten auf dem Feld. Im Sommer ist das herrlich, im Winter auch mal etwas ungemütlich. Ab 16 Uhr wird’s dunkel, dann müssen wir zum Generator, das Flutlicht anschmeißen und gucken, dass keiner verloren geht. Das fühlt sich ein bisschen nach früher an. Klein und bescheiden.

2002: Großzügiger Einblick: Bei „Wetten, dass..?“ sorgt das kühne Kleid für Schlagzeilen.

2002: Großzügiger Einblick: Bei „Wetten, dass..?“ sorgt das kühne Kleid für Schlagzeilen.

© dpa Lizenz

2005: Textlicher Unfall: Vor einem Fußballspiel patzt sie beim Singen der Nationalhymne.

2005: Textlicher Unfall: Vor einem Fußballspiel patzt sie beim Singen der Nationalhymne.

© imago/Sven Simon Lizenz

2009: Verschattete Pose: Auf dem roten Teppich sieht man sie oft, hier in Oberhausen.

2009: Verschattete Pose: Auf dem roten Teppich sieht man sie oft, hier in Oberhausen.

© dpa/pa/Rolf Vennenbernd Lizenz

2011: Züchtige Variante: So geht es auch ganz gut bei einer weiteren „Wetten, dass..?“-Ausgabe

2011: Züchtige Variante: So geht es auch ganz gut bei einer weiteren „Wetten, dass..?“-Ausgabe

© dpa/pa/JOERG KOCH Lizenz

2012: Wertender Ausflug: Drei Staffeln lang ist sie Jurorin bei der Casting-Show „X Factor“.

2012: Wertender Ausflug: Drei Staffeln lang ist sie Jurorin bei der Casting-Show „X Factor“.

© dpa Lizenz

2013: Wirrer Kopf: Mal anders blond nach dem Auftritt in der Show „ Speed – Holiday on Ice“.

2013: Wirrer Kopf: Mal anders blond nach dem Auftritt in der Show „ Speed – Holiday on Ice“.

© dpa Lizenz

Hat Sie Berlin trotzdem verändert?

Schon. Berlin ist bunt und flexibel. Rau und authentisch. Ich bin viel näher an der Szene, am kreativen Puls. Und seit ich hier lebe, sind meine Tage mit anderen Sachen gefüllt. Man kann, wenn man möchte, unheimlich viel in einen Tag hineinstopfen. Ich war mir anfangs nicht sicher, ob das gut ist oder nicht. Aber ich habe einen guten Mittelweg gefunden.

Hadern Sie mit der Ablenkung, die Berlin bietet?

Jetzt nicht mehr. Ich gehe auch nicht auf Medienveranstaltungen oder diese Partys, wo Hunderte Fotografen rumlaufen. Das ist gar nicht mein Ding.

Haben Sie sich diesbezüglich verändert?

Ich war auch früher nur auf Verleihungen oder VIP-Veranstaltungen, wenn ich beruflich damit zu tun hatte. Rote Teppiche sind mir unangenehm. Ich versuche sie weitestgehend zu meiden.

Die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit war eine andere, was vermutlich an der Reality-TV-Show „Sarah & Marc In Love“ lag, die 2005 Einblicke in Ihr Privatleben gab.

Die Sendung hat alles verändert. Das war schon krass. Denn am Ende des Tages wirkte es so, als wäre ich ständig irgendwie überall. Dabei bin ich eigentlich immer und meistens zu Hause. Ich bin ein total zurückgezogener Mensch, der gerne Freunde bei sich hat und Barbecues macht. Ansonsten habe ich einen relativ geregelten, normalen Alltag. Ich gehe zur Arbeit ins Studio, und nachmittags bin ich bei meinen Kindern.

Hat Sie das mitgenommen, in der Öffentlichkeit anders dargestellt zu werden? Oder haben Sie das gar nicht an sich herangelassen?

Doch, natürlich. Im Nachhinein hat die Sendung viel zu sehr abgelenkt vom Wesentlichen – der Musik. Heute blicke ich aber zurück und bereue überhaupt nichts. All die Narben, all die Momente, die ganzen Ausschläge meiner Biografie – das gehört alles dazu und zu mir. Es ist auch richtig so, dass man Dinge macht, von denen man hinterher denkt: Das würde ich jetzt nicht noch mal so machen! Eins hab ich gelernt: Ich kann immer wieder neu entscheiden, was ich tue, und was ich nicht tue, das ist das Faszinierende am Leben.

Aber Sie haben immer noch gegen dieses Image von damals anzukämpfen, oder?

Ganz ehrlich: Ich habe drei Kinder – eins davon ist herzkrank geboren. Meine achtjährige Tochter ist bis heute das Kind, das mich oft nachts wach hält. Ich verwende nicht so viel Zeit darauf, darüber nachzudenken, was ich hätte anders machen können oder was gerade blöd läuft. Ich versuche, im Jetzt zu leben und den Moment zu genießen.

Als Ihre Karriere in Amerika gerade losgehen sollte, haben Sie lieber eine Familie gegründet.

Daran denke ich immer nur, wenn mich Leute darauf ansprechen. Aber es stimmt: Ich hätte mich für eine eventuell weltweite Karriere entscheiden können, aber ich habe mich dafür entschieden, meinen Sohn in Ruhe in Amerika zur Welt zu bringen und die Zeit mit ihm zu genießen. Und es war die beste Entscheidung meines Lebens.

+++ Im folgenden Abschnitt lesen Sie, welches Lied Sarah Connor ihrem Mann gewidmet hat und was sie vom Kiffen hält +++

Einige der Songs auf der neuen Platte haben mit Ihren Kindern zu tun, daher auch der doppeldeutige Albumtitel „Muttersprache“.

Meine größte Inspiration für meine Songs sind immer die Dinge, die mich umtreiben, und die mich emotional aufwühlen. Natürlich sind meine Kinder in meinem Kopf, in meinen Gedanken; ihr Wohlergehen und die Frage, wie sie groß werden, in was für einer Welt sie groß werden, und was ich ihnen mitgeben kann, diese Gedanken fließen in meine Texte. Im Lied „Bedingungslos“ beschreibe ich meine eigene Reise, als ich mit 16 von zu Hause ausgezogen bin. Ich bin meinem Herzen gefolgt und habe meinen Weg gewählt. Und genauso wird’s bei meinen Kindern sein. Ich sage ihnen mit dem Lied: „Ich will, dass ihr wisst, dass ich immer da bin. Selbst wenn ihr mal eine Entscheidung trefft, die ihr hinterher für nicht so klug haltet.“

Sie geben Ihnen Liebe mit der Musik auf den Weg.

Trotzdem haben einige Leute, die die Platte gehört haben, gesagt: „Du bist ja so melancholisch, fast schwermütig. Bist du oft traurig?“ Ich bin nicht oft traurig, aber ich bin nachdenklicher geworden. Ich kann keine durch und durch rosaroten Liebeslieder schreiben. Das nehme ich mir selbst nicht ab. Wenn ich heute liebe, schwingt auch immer die Angst mit, das große Glück wieder zu verlieren. Seit der Geburt meiner Tochter Summer weiß ich, was Glaube schaffen kann.

Wie meinen Sie das?

Diese Zeit hat mich ernsthafter und demütiger gemacht. Und mir gezeigt, dass sich viele Dinge fügen, und man manchmal darauf vertrauen muss, dass sie sich fügen. Ich glaube an Engel und Geister, die um uns sind. Ich spreche oft mit meinen Schutzengeln und Schutzgeistern. Man muss sie nur rufen. Das kann man üben. Das hat gar nichts mit Spuk zu tun. Das ist einfach etwas, was man übt, indem man vertraut; indem man die Augen offen hält, auf das Leben vertraut und das, was es einem so bietet.

In dem Song „Kommst du mit ihr“ bringen Sie das Gefühl der Eifersucht ziemlich direkt zur Sprache. Sie sind schon mal verlassen worden?

Das bin ich. Für mich ist dieser Mann der Unaussprechliche. Meine Freundinnen und ich haben alle einen Unaussprechlichen, der sehr weh getan hat. Der dich in die Situation gebracht hat, in der du wie ein Tiger hin- und herläufst und wahnsinnig wirst, weil dein Kopf durchdreht. Diese Wut und Ohnmacht wollte ich in dem Song ausdrücken. Erst hieß er „Fliegst Du mit ihr“. Doch wenn ich ehrlich bin, sitze ich nachts nicht da und frage: „Fliegt er jetzt wohl gerade mit ihr?“ Nein. Und so wurde daraus: „Kommst du mit ihr wie mit mir?“

Schon mal jemandem die Schamesröte mit dem Lied ins Gesicht getrieben?

Beim ersten Vorspielen bei der Plattenfirma gab es einen Herren, der rausgegangen ist, weil er sich geschämt hat. Es gab einige Male heftige Reaktionen auf den Song. Interessanterweise gibt es aber bisher keine Frau, die nicht gesagt hat: „Genau das Gefühl kenne ich auch!“ Sie erzählen mir dann meist sofort ihre eigene Geschichte, was mich sehr amüsiert.

Obwohl Sie selbst ja mittlerweile seit vielen Jahren in festen Händen sind.

Aber ich war unglücklich verliebt! Ich habe gedacht, ich sterbe an gebrochenem Herzen, so sehr war ich verliebt! Doch das lässt dich auch wachsen. Bei den Danksagungen hinten auf der Platte habe ich mich als erstes bei allem bedankt, was mir das Herz gebrochen hat. Weil es so viel wacher macht. Es wäre langweilig, wenn ein Leben immer geradlinig verliefe. Dann spürst du es ja nie wirklich.

Wann wurde denn Ihr Herz zum letzten Mal gebrochen?

Ach, mein Herz bricht ganz oft. Erst vor Kurzem wieder, als ich die Nachricht vom Tode der 700 Flüchtlinge gelesen habe, die ertrunken sind. Da war ich so traurig und habe mit meinen Kindern ganz intensiv darüber gesprochen, weil die im ersten Moment natürlich gar nicht verstanden haben, warum ich an einem Sonntag so traurig werde. Das sind dann solche Momente, die dich kurz wachrütteln und dich erinnern an das, was du hast, wofür du hier bist, was du geben solltest, und wo wir alle auch einen Auftrag haben, wie ich finde. Und da müssen wir im kleinsten Kreis anfangen.

Sie thematisieren das im Song „Augen auf“.

Weil es mir am Herzen liegt. Mich beschäftigt das Thema um die Flüchtlinge schon sehr, sehr lange. Ich besuche regelmäßig Flüchtlingsheime, bin in Kontakt mit einzelnen Familien und versuche mich zumindest ein bisschen zu engagieren. Ich habe Konzerte mit dem deutschen Dichter, Aktivisten und Liedermacher Heinz Ratz gespielt, der bewundernswert hartnäckig und stur ist und großartige musikalische Flüchtlingsarbeit leistet. Er setzt sich primär mit den Bedingungen in den Lagern in Deutschland auseinander und klärt auf, was hier um uns herum passiert. Wir leben in einer Bubblegum-Blase, und ein paar Kilometer weiter, in Spandau, leben die Menschen unter schlimmsten Bedingungen hinter Stacheldraht und in Containern zusammengepfercht. Wir können uns das gar nicht vorstellen, weil es auch von uns weggehalten wird. Aber es ist so nah, man darf sich davor nicht verschließen. Man muss da ran. Die Politik muss da ran.

Kann Musik die Welt verändern?

Als Künstlerin kann ich versuchen, das Bewusstsein zu schärfen und mich um einzelne Menschen kümmern. Musik kann viel bewegen, auch wenn keiner an einem Tag die Welt verändern kann. Aber man muss irgendwo anfangen. Die große Gefahr bei der Masse an Informationen über Not und Leid ist, dass man schnell darüber hinweggeht.

Diese Seite kannte man bislang nicht an Ihnen.

Die Seite kommt jetzt zum ersten Mal zum Vorschein. Die Tatsache, dass es jetzt meine Texte sind und meine Themen, ist für mich überhaupt die viel größere Premiere. Dadurch erfährt man vermutlich mehr über meine Haltung, als man vorher über die Medien über mich erfahren hat.

Sie haben sich in den letzten Jahren viel mit Bob Dylan und seinem Songwriting beschäftigt. Haben Sie sich von ihm etwas abgeguckt?

Ich habe viel gelesen von Bob Dylan: seine Memoiren und viele Gedichte. Das Gleiche gilt für Leonard Cohen und Joni Mitchell. Mich hat interessiert, was sie inspiriert hat, und wie sie sich ausdrücken in ihrer Kunst. Cohen, Mitchell und Dylan sind die drei, bei denen ich denke: Wow, die haben anscheinend vor nichts Halt gemacht. Die haben das, was sie fühlten, einfach und ehrlich gesagt. Und ich glaube ihnen.

Und das bewundern Sie?

Klar. Ich habe ein Interview von Cohen gelesen, wo er gefragt wurde, warum er für seine aktuelle Frau keinen Song geschrieben hat, weil er für seine Verflossenen doch immer Lieder geschrieben hat. Er antwortete: weil das jetzt nicht mehr nötig sei. Ich glaube auch daran, dass es Momente gibt, wo du einen Song brauchst, weil du etwas loswerden musst. Und dann gibt es auch Dinge, die kannst du nicht in ein Lied verpacken, die werden dem nicht gerecht oder brauchen das nicht mehr.

Dass Sie ausgerechnet für Ihr erstes deutschsprachiges Album von Künstlern inspiriert wurden, die englischsprachig sind, klingt ungewöhnlich.

Es geht nicht um die Sprache, es geht um das Selbstverständnis dieser Künstler, um die Ehrlichkeit und ihren Mut, Dinge so zu sagen, wie sie sind. Und sich nicht von anderen Menschen abhalten zu lassen.

Mit „Mein König“ haben Sie auch ein Lied über Ihren Mann geschrieben

Es ist auf jeden Fall der intensivste Song, den ich verfasst habe. Der ist für meinen König. Es war ein Geschenk zu seinem Geburtstag im letzten Jahr. Ich habe ihm die Entscheidung überlassen, ob das Stück mit auf das Album kommt oder nicht, denn der Song war eigentlich nur für ihn.

Wie präsentiert man dem Liebsten sein Lied? Performt man den live im Wohnzimmer? Oder steckt man eine selbst gebrannte CD in den Player?

Weder noch. Ich habe ein Video für ihn gemacht mit all seinen besten Freunden und den Kids. Und mit ein paar lustigen Leuten, die ich auf der Straße getroffen habe. Denen habe ich das Lied mit dem Laptop vorgespielt und jede Zeile von jemand anderem singen lassen. Ich habe Polizisten vor irgendeiner Botschaft in Berlin angehalten, und die haben sich zusammengestellt und den Song gesungen. Das war herrlich! Dann war da noch so ein Rasta-Typ, der in Kreuzberg in einem Café saß und einen Joint geraucht hat. Mit ihm habe ich gemeinsam gesungen. Ich habe meinem König also dieses lustige Video geschenkt. Er war sehr gerührt.

Wie ist das denn jetzt mit Ihrem Selbstverständnis als Künstlerin?

Das hat sich total verändert. Ich war früher Sängerin oder Interpretin, ich habe großartige Songs mit tollen Melodien gesungen. Es ging oft darum, dass ich zeige, was ich mit meiner Stimme alles machen kann und mich damit ja auch abgrenze von anderen. Aber bei diesem Album geht es vor allem um Inhalte. Es geht um die Geschichten, die ich erzähle, um meine eigenen Texte. Die Melodien sind ein bisschen bescheidener, weniger aufdringlich, laut und groß. Sie sind eher so angelegt, dass sie den Worten schmeicheln – das war wichtiger. Vielleicht bin ich melodisch auch nicht so selbstbewusst gewesen, wie ich es textlich schon bin. Vielleicht wird das erst die nächste Platte, wo ich diesbezüglich richtig Gas gebe und Worte im Deutschen finde, die das auch erlauben. Das ist auf Deutsch nicht so einfach, es wird schnell kitschig. „From Sarah With Love“ wäre auf Deutsch ein Schlager gewesen!

Bei „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ haben Sie das erste Mal in der Öffentlichkeit deutsch gesungen. Hat Ihnen das den Impuls in Richtung Muttersprache gegeben?

Das war auf jeden Fall die Initialzündung dafür, es einfach mal auf Deutsch zu probieren. Der Song „Keiner ist wie du“ von Gregor Meyle, den ich in der Sendung gesungen haben, hat bei mir etwas bewirkt und mich berührt. Es ist der erste deutsche Song, von dem ich mir wünschte, dass ich ihn geschrieben hätte, weil er auch so gut zu mir und dem Unaussprechlichen passt.

Wie gut kennen Sie die deutsche Musikszene?

Ich kenne viel zu wenig und könnte jetzt nicht über deutsche Künstler urteilen. Ich habe mich aber kurz damit befasst, um zu gucken, was die anderen überhaupt machen, und was wer, wie, wo schon gesagt hat. Da ist allerdings kein großer Unterschied von Lindenberg oder Rio Reiser zu Bob Dylan. Am Ende sind sie alle ehrlich und sehr direkt, mit dem was sie sagen, und benutzen eigensinnige Metaphern, um sich auszudrücken.

Sie waren immer schon eine Szene für sich. Pflegen Sie Freundschaften zu anderen Künstlern?

Nicht wirklich. Wobei Gregor Meyle mittlerweile ein lieber Freund geworden ist. Ich war gerade ein paar Tage mit ihm für seine eigene Fernsehsendung unterwegs. Ich habe aber auch so viele großartige Freunde aus meiner Vergangenheit. Von daher gucke ich, dass ich da erst mal hinterherkomme und keine Hochzeit verpasse – im wahrsten Sinne des Wortes. Das ist schwer genug. Denn die Zeit für das eigene Social Life ist begrenzt, wenn man Job und Kinder hat.

Vor Kurzem lief auf Arte eine Folge der Doku-Serie „Durch die Nacht mit …“ mit Ihnen und Ina Müller. Da trafen wohl zwei Welten aufeinander?

Wir hatten eine lustige Nacht in Barcelona. Ich kannte sie ja vorher nicht und wusste nur, dass sie Sängerin ist. Wir sind auf jeden Fall von Grund auf verschieden und menschlich total anders eingestellt, habe ich festgestellt. Es war spannend, jemanden zu treffen, der gar keinen Bock auf Kinder hat, auch nicht auf Hunde, auf keinerlei Verantwortung im Privatleben und auch am liebsten alleine schläft. Ich bin da das genaue Gegenteil: Ich brauche eine Riesenfamilie um mich, meine Hunde und meine Pferde, und bin jemand, der überhaupt nicht alleine sein kann.

Bald gehen Sie auf Deutschlandtour, am 15. September treten Sie im Berliner Admiralspalast auf. Gibt es dann Sarah Connor nur noch in Muttersprache?

Nein, es wäre ja Quatsch, die Vergangenheit zu leugnen und nur noch deutsch zu singen. Letztendlich ist die Sprache gar nicht so wichtig, das Gefühl ist entscheidend.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema