Abschreckung

Satellitenbilder: China baut offenbar Militärkomplex zum Schutz seiner Atomraketen aus

Mehr als 80 Abschussrampen für Raketen und neue Bunker: Im Nordwesten Chinas entsteht laut Satellitendaten ein gewaltiger Komplex rund um Pekings Atomraketensilos.

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Chinas nukleare Interkontinentalraketen vom Typ DongFeng-5C

Chinas nukleare Interkontinentalraketen vom Typ DongFeng-5C

© China News Service/imago

Im Nordwesten Chinas entsteht in einer abgelegenen Wüstenregion offenbar ein weitläufiger Militärkomplex, der nach Einschätzung mehrerer Sicherheitsexperten Pekings Fähigkeit zu einem nuklearen Gegenschlag absichern soll. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf selbst ausgewertete Satellitenbilder berichtet, baut China nahe dem Silofeld für Nuklearraketen bei Hami in der Provinz Xinjiang mehr als 80 Abschussrampen, Bunker und Kommunikationsknoten.

Die Aufnahmen zeigen dem Bericht zufolge Stellplätze, die für mobile Raketenwerfer und Luftabwehrbatterien geeignet sind, sowie Anlagen, die der elektronischen Kriegsführung, der Satellitenkommunikation und Kommandooperationen dienen könnten.

Drei von Reuters befragte Sicherheitsanalysten werteten das Material aus. Alexander Neill, assoziierter Mitarbeiter beim Pacific Forum auf Hawaii, sagte demnach, die Infrastruktur erstrecke sich über „Tausende Quadratkilometer Wüste jenseits der Silofelder“ und bedeute eine erhebliche Erweiterung der strategischen Abschreckung Chinas.

Übungen mit Attrappen westlicher Kampfflugzeuge

Im Zentrum der Anlage stehen laut Reuters zwei achteckige Bauwerke, die in den vergangenen sechs Jahren errichtet wurden und etwa 140 beziehungsweise 230 Kilometer südwestlich der Silos liegen. Die Strukturen enthalten den Bildern zufolge Unterkünfte für Personal und große Militärfahrzeuge, gepanzerte Bunker, Munitionslager sowie Flugplätze und Bahnanschlüsse zu den Silos. Im April und Mai 2026 seien dort Übungen mit großen Militärfahrzeugen dokumentiert worden, so Reuters. Eine dritte, weniger entwickelte achteckige Anlage südlich des Atomtestgeländes Lop Nur diene laut Analysten des Satellitenbildanbieters Vantor als Zielübungsgelände, samt Attrappen westlicher Kampfflugzeuge.

Hans Kristensen, Direktor des Nuclear Information Project der Federation of American Scientists, sagte laut dem Bericht, angesichts des Ausmaßes der Anlagen in einer derart unwirtlichen Umgebung lasse sich „kaum etwas ausschließen“. Tong Zhao vom Carnegie Endowment for International Peace sieht eine Verbindung der Strukturen zu „Führung, Kontrolle und Kommunikation“ der chinesischen Nuklearoperationen bei Hami. Chinas Verteidigungsministerium äußerte sich auf Anfrage von Reuters nicht, das Pentagon lehnte einen Kommentar zu Geheimdienstfragen ab.

Laut einem im Dezember 2025 veröffentlichten Pentagon-Bericht, über den Reuters zuvor berichtete, dürfte China inzwischen mehr als 100 Interkontinentalraketen in seinen drei Hauptsilofeldern stationiert haben und bis 2030 über 1000 Sprengköpfe verfügen. Peking hält offiziell an der Doktrin fest, keine Atomwaffen als Erster einzusetzen.

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