Riad - Die saudiarabischen Behörden haben laut Medienberichten elf Prinzen aus dem Königshaus festgenommen, die gegen Sparmaßnahmen auf ihre Kosten protestierten. Die der Regierung nahe stehenden Internetseite Sabk berichtete am Samstag, die Prinzen, deren Namen nichtgenannt wurden, hätten sich in einem königlichen Palast der Hauptstadt Riad dagegen verwahrt, ihre Wasser- und Stromrechnung künftig selbst bezahlen zu müssen.
Prinzen verlangen finanzielle Entschädigung
Die Prinzen verlangten demnach außerdem eine „finanzielle Entschädigung“ nach der Verurteilung eines ihrer Vettern zu einer Strafe, die ebenso weniggenannt wurde wie das Delikt. Nach ihrer Weigerung, den Palast zu verlassen, wurden die Prinzenden Angaben zufolge in ein Hochsicherheitsgefängnis in Riad gebracht. Ihnen soll demnach später der Prozess gemacht werden.
Im vergangenen November waren mehr als 200 Prinzen, Politiker und Geschäftsleute unter Korruptionsverdacht festgenommen worden. Die meisten wurden in das Fünf-Sterne-Hotel Ritz-Carlton in Riad gebracht. Unter den dort „Inhaftierten“ waren Prinz Al-Waleed bin Talal und andere superreiche Geschäftsleute. Ihnen wird vorgeworfen, den ölreichen Wüstenstaat über Jahrzehnte hinweg um insgesamt 100 Milliarden Dollar (83 Milliarden Euro) erleichtert zu haben.
Beobachter sehen in dem Vorgehen aber einen Versuch des ehrgeizigen Thronfolgers, Kronprinz Mohammed bin Salman, Rivalen auszuschalten und die Macht in seinen Händen zu konzentrieren. König Salman hatte in einem am Freitagabend erlassenen Dekret eine Erhöhung von Sozialleistungen für seine Untergebenen angekündigt.
Eingeführte Mehrwertsteuer soll durch Maßnahme abgemildert werden
Damit sollen die Auswirkungen anderer Maßnahmen, wie die Einführung einer Mehrwertsteuer, abgemildert werden. Dem Dekret zufolge erhalten Militärs und Staatsbeamte eine Zuwendung von umgerechnet 222 Euro. Stipendien für Studierende werden um zehn Prozent erhöht.
Außerdem bekommen Soldaten an der Grenze zum Jemen, wo Saudi-Arabien mit Unterstützung der USA an der Spitze einer Militärkoalition Krieg führt, eine Prämie von umgerechnet 1108 Euro. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) schätzt, dass die Arbeitslosenrate unter Saudiarabern im Alter zwischen 15 und 25 Jahren im vergangenen Jahr bei 36,2 Prozent lag. (afp)
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