Man sitzt oder liegt nackt in 80 Grad heißer Luft, herrliche Ruhe, dazu ein prickelnder Geruch von Minze, der einem bei jedem Atemzug in die Lungen schießt. Saunieren ist Entspannung pur. Doch was, wenn man (oder frau) sich plötzlich selbst im Internet sieht? Weil ein Spanner heimlich gefilmt und die Videos für jedermann zugänglich hochgeladen hat? Genau das ist jetzt unzähligen Berlinern passiert.
Ein bislang Unbekannter treibt seit mehreren Monaten sein Unwesen in den Saunen, Thermen und Spas in und um Berlin. Ebenso dreist wie unauffällig filmt er vor allem Frauen – auf der Liege im Außenbereich eines Wellnesstempels, in der Umkleide oder unter der Dusche. Immer in Situationen, in denen seine völlig ahnungslosen Opfer völlig nackt sind. Über 20 dieser Filme hat der Mann, der nach eigenen Angaben aus Berlin kommt, bereits ins Internet gestellt. Darin sind auch ein bekanntes Spa sowie mindestens eine Sauna im Großraum Pankow zu sehen.
Bis zu zwei Jahre Haft
Zwar herrscht im Zeitalter von iPhone und Co. in den allermeisten Thermen und Saunaanlagen striktes Handyverbot, das von den Betreibern auch kontrolliert wird. Doch wer im Internet sucht, kann sich hier für unter 100 Euro Minikameras kaufen, die in Feuerzeugen, Kugelschreibern oder Uhren versteckt sind. Ganz legal. Somit sind die Chancen, einen filmenden Spanner auf frischer Tat zu erwischen, gleich Null.
Heimlich nackte Menschen zu filmen und die Videos danach für jedermann sichtbar ins Internet zu stellen, ist aber nicht nur moralisch völlig verwerflich, sondern auch höchst kriminell. „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches“ nennen Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft das, was der bislang Unbekannte macht.
Sollte er erwischt werden, drohen ihm eine hohe Geldstrafe oder bis zu zwei Jahre Haft. Doch die Chancen, den Mann in den Weiten des anonymen Internets zu schnappen, sind gering. Denn obwohl er mit immer demselben Namen auftaucht und teilweise sogar angibt, wo er seine Filme aufgenommen hat, achtet der Unbekannte penibel darauf, keine Hinweise auf seine wahre Identität zu hinterlassen.
Wer sich auf einem der Videos erkennt: Bei den meisten Webseiten wie Youporn kann man Videos relativ unkompliziert entfernen lassen, indem man sich an die Betreiber wendet. Doch die Spanner-Filme werden auch jenseits der unzähligen Pornoseiten ins Netz hochgeladen. Erst wenn sie dort gefunden werden, kann der Löschantrag an den Seitenbetreiber gestellt werden.
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