Am Dienstag hat Veysel Bugur Nusskuchen gekauft für sein Frauenteam. Sie wollten feiern, den kiloschweren Pokal in die Sammlung des SC Banzai Berlin am Kottbusser Damm einreihen. Dort, wo Fotos und Zeitungsausschnitte in türkischer und deutscher Sprache neben den Vitrinen an den Wänden hängen. Am Wochenende hatten sich die Karatekämpferinnen des SC Banzai in Elsenfeld bei Aschaffenburg in den Play-offs der Bundesliga durchgesetzt – und zum ersten Mal den deutschen Meistertitel mit dem Frauenteam gewonnen. „Champagner gibt’s ja nicht bei uns“, sagt Veysel Bugur lachend, „aber die Mädchen essen sehr gerne Kuchen.“
Der frühere Weltmeister Veysel Bugur trainiert das Team
Die Mädchen, das sind Veysel Bugurs Töchter Gizem (23) und Seden (20), die beide in diesem April als erstes Schwesternpaar im Einzel bereits deutsche Meisterinnen in ihren Gewichtsklassen geworden waren. Mit Fortesa Orana, Selin Isik sowie der derzeit verletzten Chaleene Tsoucalas holten die beiden nun auch noch den Titel mit der Mannschaft. „Es war ein tolles Jahr für sie“, sagt Veysel Bugur, „und bei Seden steht die U21-Weltmeisterschaft in drei Wochen ja erst noch bevor.“
Veysel Bugur (57), der den SC Banzai vor 24 Jahren gründete, trainiert das Team. Er war selbst einmal Weltmeister für die Türkei, einmal für Deutschland. 1997 gewannen die Männer des SC Banzai zuletzt den Titel in der Bundesliga. Am Wochenende kamen sie auf Rang vier.
Sie sahen zu, wie ihre Vereinskolleginnen im Halbfinale gegen Saiko Hamburg mit 2:1 gewannen. Dabei entschied Seden, das immer gut gelaunte Nesthäkchen, das zuletzt bei einem Turnier noch für eine 15-jährige Schülerin gehalten wurde, den entscheidenden Kampf für die Berlinerinnen. „Als wir sie gebraucht haben, war sie da“, sagt Veysel Bugur.
Karate-Meisterschaften: Wenn die eine Schwester für die andere schreit
Im Finale gegen Bushido Waltershausen sorgten Gizem Bugur und Fortesa Orana für den 2:0-Sieg des SC Banzai. „Das ist ein toller Erfolg – auch für ganz Berlin“, findet Veysel Bugur, der mit dem SC Banzai schon mehrmals „das Grüne Band“ für „vorbildliche Talentförderung im Verein“ gewann.
Bugur ist Elektroingenieur. Seine älteste Tochter, Duygu, war 2011 und 2014 WM-Zweite. Seit Duygus Karriereende fliegen die jüngeren Schwestern weltweit zu Turnieren. Ihr Vater, der sie meist als Trainer begleitet, sagt: „Ich komme mir manchmal vor, wie eine Reiseagentur.“
Tatsächlich wurde Gizem eine Woche vor dem Bundesligafinale bei einem stark besetzten Serie-A-Turnier in Kocaeli/Türkei nach sieben Kämpfen Zweite. Seden belegte dieses Jahr bei Premier-League-Turnieren Platz drei und Rang vier. „Jetzt sind alle mal auf Weltniveau platziert“, sagt Veysel Bugur stolz. Er traut Seden bei der U21-WM in Konya einiges zu – und freut sich schon darauf, seine jüngste Tochter Ende des Monats in die Türkei zu begleiten.
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