Mit gerade einmal 28 Jahren ist Scarlett Johansson eine Veteranin im Filmgeschäft. Schon als Kind spielte sie ihre ersten Hauptrollen. Jetzt ist sie in der Komödie „Don Jon“ zu sehen, in der sie eine junge Frau spielt, die glaubt, die große Liebe gefunden zu haben. Doch dann findet sie heraus, dass ihr vermeintlicher Traumprinz süchtig nach Internet-Pornos ist.
Scarlett Marie Johansson wurde am 22. November 1984 in New York geboren. Ihr Vater ist ein dänischer Architekt, ihre Mutter entstammt einer ostjüdischen, US-amerikanischen Familie.
Schon als Kind besuchte Johansson eine Schauspielschule in New York. Ihre Schauspielkarriere begann 1992 in Los Angeles am Theater. Ihren internationalen Durchbruch feierte sie als 14-Jährige an der Seite von Robert Redford in „Der Pferdeflüsterer“.
Sie sind sehr wählerisch, wenn es um Ihre Rollen geht. Was hat Sie an diesem Film gereizt?
Ich fand tatsächlich das Thema spannend. Denn hier geht es ja nur vordergründig um Pornografie. Egal, ob es sich nun um Pornografie, romantische Komödien, Werbeinhalte oder Hochglanzmagazine dreht: Wir werden ständig mit Ansprüchen und Wunschbildern konfrontiert, die unerreichbar sind. Trotzdem orientieren wir uns an ihnen. Und es ist doch so, dass diese Ideale, die wir ständig auf die eine oder andere Weise konsumieren, sogar unsere zwischenmenschlichen Beziehungen beeinflussen. Und mit dieser Gemengelage hat Jo (Joseph Gordon-Levitt) gespielt. Er wollte demonstrieren, wie verrückt das Ganze eigentlich ist.
Joseph Gordon-Levitt, der die Hauptrolle spielt und zum ersten Mal Regie führt, hat die Rolle extra für Sie geschrieben. Inwieweit konnten Sie denn Einfluss auf das Drehbuch nehmen?
Jo hat mir den allerersten Entwurf gezeigt. Wir haben zeitweise auch gemeinsam am Drehbuch gearbeitet, er und ich haben Szenen für unsere jeweiligen Figuren geschrieben. Er fand es gut, dass ich meine weibliche Sichtweise eingebracht habe. Und so haben wir unseren Charakteren Leben eingehaucht.
Aber es ist doch auch ein gewisses Risiko, mit einem „Regie-Neuling“ zusammenzuarbeiten.
Er wusste von Anfang an ganz genau, was er wollte und wie die Szenen aussehen sollten. Ich würde mir wünschen, dass jeder Regisseur, mit dem ich zusammenarbeite, so viel Selbstvertrauen hat wie er.
Im Film spielen Sie eine Frau, die ihren Partner nach ihren Vorstellungen verändern möchte. Können Sie das nachempfinden?
Wir sind doch alle ein bisschen wie die Frau, die ich spiele. Wir nehmen unsere Partner nicht so wie sie sind, sondern versuchen, sie in unsere Schablonen zu pressen. Wir stellen uns vor, eine Beziehung ist einfacher, wenn der andere sich so verhält, wie man es will. Und in diesem Denkmuster ist es sogar am allerbesten, wenn der andere so reagiert wie man selbst. Wir sollten uns aber immer wieder bewusst machen, dass Beziehungen so nicht funktionieren. Wir müssen uns auf unseren Partner einlassen und sein Anderssein akzeptieren. Sonst klappt es nicht.
In fast jeder Szene haben Sie einen Kaugummi im Mund. Ist das beim Drehen nicht verboten?
(Lacht) Da ich sowieso jemand bin, der viel Kaugummi kaut, habe ich nur nach einer Gelegenheit gesucht, das auch in einem Film auszuschlachten. Normalerweise muss ich ihn ja rausnehmen, wenn die Kamera läuft, doch diesmal stand sogar jemand immer mit einer Packung Kaugummi bereit. Das war großartig. Das ständige Kaugummikauen meiner Figur symbolisiert, dass sie ständig etwas konsumieren oder zu tun haben muss.
Sie werden häufig als sinnliche Frau mit Sexappeal besetzt. Fühlen Sie sich manchmal zu sehr auf diesen Rollentyp reduziert?
Ich möchte generell nicht auf einen bestimmten Rollentyp festgelegt werden, ob sexy oder nicht. Als ich jünger war, hatte ich viel Glück, sehr viele ambivalente Charaktere spielen zu dürfen – Mädchen, die erwachsen werden, die zu Frauen werden, deren Leben sich entscheidend verändert. Nun spiele ich erwachsene Frauen, dynamische Charaktere. Es fühlt sich so an, dass sich für mich die richtigen Dinge zum richtigen Zeitpunkt ergeben.
Seit Sie ein Teenager waren, haben Sie als Schauspielerin Erfolg. Wem müssen Sie noch etwas beweisen?
Ich habe immer das Gefühl, dass ich mich vor mir selbst beweisen muss. Aber das ist auch gut so, denn sonst würde ich bequem werden. Ich finde es gut, immer ein bisschen die Angst im Nacken zu haben, auch versagen zu können. Aber es ist nicht wirklich Angst, eher ein Gefühl von Unsicherheit.
Es ist also egal, wie erfolgreich Sie mit Ihrer Arbeit bisher waren?
Schauspieler sind eine komische Spezies. Einerseits musst du natürlich an dich glauben. Und doch braucht man diese Unsicherheit, um wirklich gut zu sein. Ich nehme gern Rollen an, von denen ich zunächst keine Ahnung habe, wie ich sie spielen soll. Es ist gut, wenn du erst einmal unsicher bist und vor einem Rätsel stehst.
Sie arbeiten immer wieder mit anspruchsvollen Regie-Legenden im „Arthouse“-Genre. Gleichzeitig tauchen Sie in den Top-10-Listen der „sexiest“ Frauen auf. Wie gehen Sie damit um?
Das ist nun einmal so ein Nebeneffekt, wenn man Kurven hat. Aber im Ernst: Darüber denke ich nicht nach, niemals. Außer, wenn ich in Interviews nach Sinnlichkeit und „Sexappeal“ gefragt werde.
Das Gespräch führte Bettina Aust.
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