Schienenfahrzeugbauer

Stadler will Züge für Berliner U- und S-Bahn bauen

Der Schienenfahrzeugbauer Stadler Pankow will mehr Züge für Berlin bauen: U-Bahnen und S-Bahnen. Dafür hat Stadler viel investiert. Aber um die teils milliardenschweren Aufträge bewerben sich auch andere Konzerne.

Matthias Loke
4 Min
Die Drehgestelle kommen noch: Montage bei Stadler Pankow.

Die Drehgestelle kommen noch: Montage bei Stadler Pankow.

© imago/Bernd Friedel Lizenz

Das Fahrtziel samt Liniennummer steht schon draußen im Display am Zug: „242 Münster (W) Hbf“. Auf seinen ersten Personeneinsatz muss der neue vierteilige Zug mit dem Typnamen Flirt allerdings noch etwas warten.

Am Dienstagmittag stand er noch auf dem Gelände des Schienenfahrzeugbauers Stadler in Velten nördlich von Berlin. Da war der elektrische Niederflurzug nach einigen Wochen Arbeit von Stadler-Mitarbeitern in Betrieb genommen und noch einmal auf Achse und Kabel geprüft worden. Am Nachmittag wurde der Wagen – auf Hochglanz geputzt – nach Delitzsch bei Leipzig überführt, wo die Deutsche Bahn ihn in einem aufwendigen Verfahren vom Hersteller abnimmt. Das dauert etwa zwei Wochen – und dann steht er den Passagieren der DB-Region NRW zur Verfügung.

Mehr Züge für Berlin

Jeder Zug, der von Stadler Pankow in der Region Berlin-Brandenburg hergestellt wird, durchläuft künftig den Standort Velten. Stadler, Tochter der Schweizer Stadler Rail Group und damit neben Bombardier und Siemens einer der größten internationalen Fahrzeugbauer, hat das ehemalige Reichsbahnausbesserungswerk und spätere S-Bahn-Depot im Berliner Umland kräftig ausgebaut: Rund drei Millionen Euro seien in den Ausbau der Gleisanlagen und den Bau einer neuen Halle geflossen, sagt der Sprecher der Stadler-Geschäftsführung Ulf Braker. Ab sofort könnten hier alle Testfahrten und Inbetriebnahmen erfolgen. Seit Januar 2002 gehört das Servicezentrum Velten zu Stadler.


15 Jahre: Die Stadler Pankow GmbH ist die deutsche Tochter des Schweizer Konzerns Stadler Rail. In diesem Jahr feiert sie 15-jähriges Jubiläum. Inzwischen beschäftigt die Firma in der Region Berlin-Brandenburg 1200 Mitarbeiter.

Kompetenz: Am Standort Pankow verfügt Stadler über eines der modernsten Montagewerke der Branche in Europa. Innerhalb der Gruppe ist die deutsche Tochter das Kompetenzzentrum für Entwicklung und Bau von Straßenbahnen.

Wettbewerber: In der Hauptstadtregion sind Hersteller von Schienenfahrzeugen und Komponenten traditionell stark vertreten. Die Bahnsparte von Bombardier hat ihren Sitz in Berlin. Auch Siemens liefert Bahntechnik aus Berlin.


Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung genommen. Im Jahre 2000 noch als Joint Venture mit dem damaligen Bahntechnikhersteller Adtranz gegründet, übernahm Stadler im folgenden Jahr sämtliche Gesellschaftsanteile. Damals startete die deutsche Tochter des Schweizer Konzerns mit rund 200 Mitarbeitern, heute sind es etwa 1?200, davon jeder zehnte in Velten. Inzwischen ist der Standort Pankow innerhalb der Gruppe verantwortlich für das weltweite Straßenbahngeschäft des Unternehmens.

Derzeit werden unter anderem sogenannte Variobahnen für Bergen, zweitgrößte Stadt Norwegens, sowie S-Bahnen mit dem Kunstnamen Kiss für das Elektronetz Emsland und Mittelland in Niedersachsen gebaut. Im vergangenen Jahr stellte Stadler Pankow 96 Züge her. Damit sei der Umsatz konstant geblieben bei etwa 400 Millionen Euro, sagte Braker. Zum Gewinn machte er keine Angaben. Im Jahr 2013 lag das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit bei 3,8 Millionen Euro (2012: 6,4 Millionen), eine starke Steuerbelastung senkte den Jahresüberschuss auf etwa 322?000 Euro (4,6 Millionen Euro im Vorjahr).

Warten auf einen U-Bahn-Auftrag

Braker machte keinen Hehl aus seinem Wunsch, mehr Züge aus der Region für die Region zu liefern: „Wir wollen in der Metropolregion zeigen, was wir können“, so der Geschäftsführer, seit einem halben Jahr im Amt. Stadler hat zwei Prototypen für die U-Bahn für Berlin gebaut und wartet auf die Erteilung eines Nachfolgeauftrags.

Gute Chancen sehen Branchenkenner auch für Stadler im Konsortium mit Siemens bei der Ausschreibung für Berliner S-Bahnen im möglichen Gesamtumfang von bis zu drei Milliarden Euro. Braker macht aber auch klar: „Wir beteiligen uns nicht an Drohgebärden.“ Damit spielt er auf Aussagen aus dem Haus Bombardier an, wonach dort tausend Arbeitsplätze gefährdet sein, würde der Auftrag an Bombardier vorbei gehen.

Braker denkt, dass sein Unternehmen genügend Kapazitäten habe, einen solchen Auftrag zum großen Teil hier in der Region zu stemmen. Natürlich will auch Stadler wie jeder andere Bieter den Auftrag holen. Zwar betont Braker, die Auftragslage sei konstant und der Bestand reiche bis 2017. Aber, so lässt er auch durchblicken, das Geschäft könnte durchaus einen Schub vertragen.

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