Schon als sich die Haustür des Premier-League-Stars öffnete, war Nick Littlehales klar, dass in dessen Heim etwas fundamental falsch lief. Der Verein des Fußballers hatte den ehemaligen Matratzenhändler damit beauftragt, herauszufinden, warum der Spieler schlecht schlafe. Dieser klagte über ständige Müdigkeit, innerhalb weniger Wochen wollte er sich bereits zum zweiten Mal eine neue Matratze anschaffen. Aus Sorge um die Leistungsfähigkeit des Millionenverdieners schaltete die medizinische Abteilung des Klubs einen Schlafcoach ein – Nick Littlehales.
Nick Littlehales, 58 Jahre alt, hager, steht an einem sonnigen Frühlingsmorgen vor einem Backsteinhäuschen im Süden von Nottingham. Der blaue Himmel spiegelt sich in seiner oben schwarz eingefassten, unten randlosen Brille. Trotz ergrauten Haars strahlt er Jugendlichkeit aus. Vor zwanzig Jahren schon begann er, Manchester United zu beraten – die Boulevardpresse machte sich lustig, suggerierte, er bringe die Spieler ins Bett und decke sie zu. Aber kurz darauf gewann die Mannschaft das Triple aus Champions-League-Titel, englischer Meisterschaft und Pokal. Daraufhin engagierten viele Premier-League-Vereine Littlehales. Später folgten Real Madrid, damals noch mit Cristiano Ronaldo, und das Profi-Rad-Team Sky, mit dem Bradley Wiggins die Tour de France gewann.
Seinen Beruf musste er erst selbst erfinden: Nick Littlehales, Schlafcoach.
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Heute berät Littlehales die erfolgreichsten Teams des englischen Fußballs. Jürgen Klopps FC Liverpool, Champions League-Finalist, und Pep Guardiolas Manchester City, gerade englischer Meister geworden. Littlehales Buch „Sleep. Schlafen wie die Profis“ ist in zehn Sprachen übersetzt worden.
„Gutes Wetter, sehr ungewöhnlich hier“, sagt Littlehales jetzt. Er spricht ein rotziges Englisch, auch wenn man das, was er sagt, eher in sanfter Yoga-Lehrer-Stimme gewöhnt ist: „Der Blick auf die Bäume, das Zwitschern der Vögel, ich habe hier gerade einen Ruhemoment genossen.“ Er nennt das in seinem Buch „kontrollierte Erholungsphase“ – „Controlled Recovery Phase“ (CRP). „Wir versuchen heute immer mehr zu machen und immer schneller zu sein“, sagt Littlehales. „Wir nehmen alle diese Momente weg, da hilft es, bewusst eine CRP einzulegen.“
Er führt ins Haus. In seiner Dreizimmer-Wohnung im Erdgeschoss zeigt sich sofort, dass er Beruf und Privatleben kaum trennt. Im Wohnzimmer stapeln sich eingeschweißte Matratzen, auf dem Keyboard an der Wand liegen zusammengefaltete Bettdecken. Hinter dem grünen Ohrensessel, der eingekeilt ist zwischen einem Ficus und einer Reihe Kissen, stehen auf der Fensterbank fünf Bücher – alle zum Thema Schlaf.
Der Fußballstar, zu dem Nick Littlehales gerufen worden war und dessen Name und Verein er – wie ein Arzt, aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes – nicht verrät, stand damals in Shorts in der Tür, und Nick Littlehales, der im nasskalten englischen Winter stand, wehte aus dem Flur ein Hitzeschwall entgegen. Das Haus war ein Palast, und es war darin vierzig Grad warm. Littlehales ließ sich ins Schlafzimmer führen, auch hier war die Temperatur so hoch wie im übrigen Haus. Die großen Fenster gingen nach Süden, und es gab nur weiße Leintücher vor den Scheiben, die weder einen guten Sonnenschutz noch eine Abdunkelung des Raumes erlaubten. Außerdem lagen Badewanne, Dusche und Waschbecken am Rande des riesigen Schlafgemachs, ohne jegliche Abtrennung zum Bett hin.
Die Matratze des Fußballstars war eine sehr dicke, offensichtlich teure Federkernmatratze. Littlehales bat den Fußballspieler sich hinzulegen; er sank kein bisschen ein.
„Das Ding hatte offensichtlich ein Vermögen gekostet und war viel zu hart“, erzählt Littlehales. „Die meisten Menschen liegen auf einer zu festen Unterlage.“ Er will das jetzt demonstrieren, legt sich auf den Matratzenstapel vor ihm, in Seitenlage. „Das ist die einzige Schlafposition die ich empfehle“, sagt er, „wenn wir auf dem Rücken liegen sind die Atemwege verengt, und Bauchschläfer verdrehen die Wirbelsäule.“ Er zieht die Beine ein wenig an, legt die Arme angewinkelt vor den Oberkörper. Dabei sinkt er mit der Schulter so tief ein, dass er mit der Seite des Kopfes eben auf der Matratze liegt, ohne ein Kissen unterlegen zu müssen. Wenn man die richtige Matratze habe, sagt Littlehales, brauche man, wenn überhaupt, nur ein im Durchmesser sehr schmales Kissen.
„Die wissen nicht, was sie tun!"
Ganz anders sei es bei dem Fußballer mit den Schlafproblemen gewesen. „Die Matratze lag voller dicker Kissen und weil die Matratze so hart war, schlief er auf dem Bauch in einer Position wie ein Fallschirmspringer im freien Fall.“ Es klingt, als fände Nick Littlehales das so wahnsinnig wie ohne Fallschirm aus einem Flugzeug zu springen. „Man kann diese Leute nicht allein ein Schlafzimmer einrichten lassen! Die wissen nicht, was sie tun.“
Littlehales Karriere begann ohne Ausbildung. Während seiner Schulzeit interessierte er sich vor allem für Sport: Leichtathletik, Fußball, Cricket, Golf. Am meisten Spaß machte ihm Fußball, aber über ein Probetraining bei einem Viertligaklub kam er nicht hinaus. Statt wie seine Freunde nach der Schule zu studieren, nahm er mit neunzehn das Angebot an, als Assistent in einem Golfclub zu arbeiten. Er hatte ein bescheidenes Einkommen, konnte aber den Großteil des Tages trainieren. So schaffte er es schnell vom Anfänger zum Trainer mit Profi-Lizenz. Fünf Jahre lang gab er Golfstunden, dann heiratete er seine Freundin, mit der seit seinem sechzehnten Lebensjahr liiert war. Mit vierundzwanzig wurde er zum ersten Mal Vater.
Um seine Familie unterhalten zu können, stieg er im Möbelgeschäft seines Schwiegervaters ein. Und eines der Produkte, das er fortan verkaufte, waren Matratzen. Mit Ende zwanzig wurde er Firmenvertreter für Matratzen, bei Slumberland in Manchester arbeitete er sich rasch nach oben. Nach ein paar Jahren war Nick Littlehales Marketingchef. Und als Verantwortliche des Klubs Oldham Athletic, der in der Nachbarschaft der Matratzenfabrik spielte, ihn fragten, ob er nicht auf ihren Trikots werben wollte, sagte er ja. So kam er als Sponsor in die Fußballwelt, die ihm als Spieler verschlossen geblieben war.
Auf einem Empfang traf er in dieser Zeit Alex Ferguson, damals Trainer von Manchester United. Als kurze Zeit später dessen Abwehspieler Gary Pallister über hartnäckige Rückenprobleme klagte, erinnerte Ferguson sich an Nick Littlehales. Dieser empfahl dem Fußballer eine neue, weichere Matratze, die die Schmerzen zwar nicht kurierte, aber die Symptome linderte. Nach und nach verlangten immer mehr Spieler nach Rat, und Littlehales wurde klar: Von der Ernährung bis zum Training war alles im Leben der Profifußballer optimiert, aber niemand kümmerte sich um die Ruhephasen der Spieler.
Schlafen wie ein Fußballstar
Heute ist es Littlehales, der genau das macht. Sein Schlaf-Aktionsplan für den Spieler, der im überheizten Palast wohnte: Temperatur im Schlafzimmer runter, eine Wand zum Badezimmer einziehen, lichtdichte Verdunkelung an die Fenster, eine Tageslichtlampe, die den Sonnenaufgang simuliert und eine neue, weichere Matratze. „Danach hatte er keine Schlafprobleme mehr“, sagt Littlehales. Er klingt dabei wie ein Mechaniker, der erfolgreich ein Auto repariert hat.
Dann erzählt er noch von einem anderen Spieler, der gerade eine brillante Saison für Liverpool gespielt hat. „Da hingen quasi an jeder Wand Flachbildschirme, allein zwei in der Küche! Und das waren keine kleinen Fernseher, auf die man mal beim Kochen schaut, sondern Geräte mit 1,80 Meter Bildschirmdiagonale. Die liefen allesamt.“ Es sei schwierig, einem jungen Spieler zu vermitteln, dass so ein Dauerfeuer aus Ton und Bild zu viel sei. „Aber zum Glück hat er auf mich gehört, er hat dieses Haus verkauft und ein neues gebaut. Diesmal ein Heim zum Leben statt eines Vergnügungsparks.“
Das Zuhause kann Littlehales bei seinen Klienten optimieren, aber Profisportler sind sehr viel unterwegs. „Die Matratzen in den meisten Hotels taugen nichts“, sagt Littlehales. Er hat deshalb ein Sleepkit entwickelt: eine dünne Matratze plus flaches Kissen und Bettdecke. Littlehales holt eine Art riesiger Seesack hervor. Das Sleepkit lässt sich auf der Schulter tragen. Littlehales stolziert mit der Tasche auf dem Rücken ein paar Meter durch sein Wohnzimmer. „Ein Bett zum Mitnehmen. Man kann es auf den Boden legen oder auf das Bett im Hotelzimmer, fertig. Der Boden ist aber besser, dort ist es kälter, Hotelzimmer sind oft überheizt.“ Bradley Wiggins schlief mit so einem Sleepkit, als er die Tour de France gewann.
Als Littlehales 1998 die ersten Anfragen von Manchester United bekam, hatte er bereits seinen Job bei der Matratzenfirma gekündigt. Es befriedigte ihn nicht mehr, den Matratzenverkauf zu steigern. Er wollte jetzt den Schlaf der Menschen verbessern. Manchester United beriet er erst unentgeltlich. Doch nachdem der Klub das Triple gewonnen hatte, meldete sich auch der FC Arsenal, wo gerade der Trainer Arsene Wenger seine Arbeit aufgenommen hatte. Auch er wollte jetzt vom Wissen des Schlafcoaches profitieren, der Klub lud Littlehales zu einem Vortrag ein, engagierte ihn, und er bekam zum ersten Mal ein Honorar für seine Schlaftipps.
Matratze gleich Sex
Und das wäre schon fast das Ende seiner Karriere gewesen. Er begann zu reden, sprach über die richtige Matratze, als zwei junge Spieler fragten, ob sie das von ihm mitgebrachte Exemplar mal ausprobieren könnten. Die beiden alberten herum, machten Kopulationsbewegungen, alle lachten. „Für die jungen Kerle war die einzige Assoziation zur Matratze Sex.“ Littlehales Vortrag drohte im Chaos zu enden. Bis einer der Spieler aufstand und rief: „Das reicht jetzt! Wir sind hier, um uns das anzuhören, also seid jetzt mal ruhig.“ Es war der französische Weltmeister Thierry Henry, der mit seiner Autorität den Vortrag des Schlafcoaches rettete und dafür sorgte, dass er nicht als Lachnummer endete.
Danach veränderte Littlehales seine Präsentation. Er sprach nicht mehr von Schlaf, sondern von „mentalen und physischen Erholungsphasen“, nicht mehr von Nickerchen, sondern von „CRPs“. Er erfand die R(ecovery)-90-Methode: Dafür teilte er Schlaf in Portionen à 90 Minuten ein, so lange dauert ein durchschnittlicher Schlafzyklus, in dem wir die verschiedenen Schlafphasen vom Tief- bis zum REM-Schlaf durchlaufen. Schläft man nach der R-90-Methode, zählt man nicht mehr die Stunden Schlaf pro Nacht, sondern die Zyklen, die man pro Woche geschlafen hat. Schlafen nach dem Leitsungsprinzip. Littlehales erfand Begrifflichkeiten, um harten Kerlen den guten Schlaf nahe zu bringen – und erschuf ganz nebenbei seinen Beruf.
Littlehales setzt sich auf den Sessel. „Der Acht-Stunden Schlaf, der immer empfohlen wird, ist heutzutage ein Märchen“, sagt er, der Job fordert uns immer mehr, auf Freizeit wollen wir aber auch nicht verzichten. „Die Schlafzyklen pro Woche zu zählen nimmt den Druck von der einzelnen Nacht.“ Die Menge, die ein Mensch pro Woche brauche sei individuell, fünf Schlafzyklen pro Nacht seien ideal, aber man komme auch gelegentlich mit zweien aus. „Es ist kein Problem, wenn man ein, zwei Nächte in der Woche schlecht schläft, solange man genügend CRPs einbaut.“ Pausen, vom kurzen Abschalten, wie er es eben vor der Tür getan habe, bis zum ausgedehnten Mittagsschlaf.
Als Mitbegründer des British Sleep Council hat Littlehales von Schlafmedizinern gelernt. Über die beste Liegeposition, die Phasen des Schlafs – und vor allem über die sogenannte circadiane Rhythmik, die Erkenntnis also, dass es Phasen in unserem Tagesablauf gibt, die natürlicherweise für Schlaf vorgesehen sind.
Individuelle Erholung
Der Tagesrhythmus funktioniert über Licht. Es bewirkt, dass das Hormon Melatonin, das uns müde macht, abgebaut wird. Wir werden wach. 2017 gab es für die Entdeckung der Grundlagen der inneren Uhr den Medizin-Nobelpreis – Ende der 90er-Jahre war davon noch weit weniger bekannt.
Nick Littlehales ist – anders als die Schlafforscher – ein Praktiker, der die Theorie in konkrete Tipps umsetzt. Die meisten sind sinnvoll, wenige etwas zu schematisch. „Ein Schlafzyklus kann 80 bis 120 Minuten dauern“, sagt Till Roenneberg von der LMU München, einer der führenden Forscher auf dem Gebiet der circadianen Rhythmik. „Deshalb würde ich mich nie starr auf die neunzig Minuten fixieren und immer darauf achten, was mir individuell Erholung verschafft.“
Littlehales Methoden sind – außer für Spitzensportler – für alle Menschen interessant, die ihren Schlaf verbessern wollen, ohne dass sie gleich an einer krankhaften Schlafstörung leiden. Das ist seine Nische.
Um zu demonstrieren, was man alles gegen schlafstörendes Licht tun kann, führt Littlehales in sein Büro, ein schmaler Raum, an der Wand ein Ikea-Schreibtisch, an dem seine Assistentin sitzt, gegenüber ein Metallregal. Es ist Mittag, die Sonne scheint durchs Fenster, und der Schlafcoach holt eine Rolle schwarzer Müllsäcke aus einem Pappkarton hervor. „Damit kann man die Fenster abkleben, wenn sie nicht lichtdicht sind.“ Er wirft die Müllsäcke zurück in den Karton und holt eine Rolle schwarzes Isolierband hervor. „Das habe ich, um Stand-by-Leuchten von Fernsehern und Feuermeldern abzukleben.“ Die Kiste enthält außerdem eine Lampe, die den Sonnenaufgang imitiert und einen rosafarbenen Kapuzenpulli mit Reißverschluss. „Aus Neopren, designt für Extremsituationen, etwa, wenn Alpinisten in einer Felswand hängend schlafen müssen.“ Littlehales schlüpft in den Hoodie, zieht den Reißverschluss zu, dieser endet aber nicht wie bei normalen Oberteilen am Hals, sondern über der Stirn, so dass das Gesicht komplett verdeckt ist. Littlehales steht jetzt wie eine rosa Mumie in seinem Büro. „Die Leute fragen, ob es das nicht in einer anderen Farbe gibt“, klingt es dumpf aus dem Innern. „Aber diese Farbe senkt beim Anblick den Blutdruck am stärksten und beruhigt dadurch – warum sollte man dann die zweitbeste Farbe nehmen?“
Littlehales zieht den Kapuzenpulli wieder aus und holt eine Tube Spezialklebstoff hervor, mit dem man sich die Lippen versiegeln kann, um im Schlaf ausschließlich durch die Nase zu atmen: „Kann ich nur empfehlen!“ Was halten eigentlich Mitschläfer, insbesondere Partnerinnen, von diesen Utensilien? „Gerade Frauen schätzen es, wenn ihre Männer nicht durch den Mund atmen – dann schnarchen sie nämlich weniger.“
Schnarchende Partner
Dem Schlaf in Beziehungen widmet Littlehales in seinem Buch ein eigenes Kapitel, die wichtigste Botschaft ist: Das gemeinsame Bett sollte mindestens 1,80 Meter breit sein. „Als junge Erwachsene schlafen wir auf Matratzen, die mindestens 90 Zentimeter breit sind“, sagt Littlehales. „Es gibt überhaupt keinen Grund, warum wir in einer Partnerschaft weniger Platz brauchen sollten.“
Allerdings zeigt sich Littlehales nicht direkt als Fan der romantischen zweisamen Übernachtung. „Schnarchen, Wegziehen der Bettdecke, nächtliches Aufstehen und Gezappel im Bett, Anatmen – ein Partner im Bett kann viele Störfaktoren bringen.“ Dazu kämen oft noch unterschiedliche Zubett- und Aufstehzeiten. „In einer idealen Welt würden wir die Zeit vor dem Schlafengehen miteinander verbringen und uns dann jeweils in einen eigenen Raum zurückziehen, um ungestört zu schlafen.“
Vielen falle es schwer, sich das einzugestehen. Littlehales erinnert sich an ein Spitzensportlerpaar, das er während der Olympiavorbereitung coachte. „Er schnarchte, sie warf sich häufig im Bett herum, es war klar, dass es besser für beider Leistungsfähigkeit war, wenn sie getrennt schliefen“, erzählt Littlehales. „Aber keiner von beiden traute sich, das vorzuschlagen, sie waren beide froh, als ich es dann machte.“ Am Ende schliefen sie getrennt und waren beide fitter.
Viele Sportler und Teams, die von Littlehales gecoacht wurden, sind erfolgreich. Manchester City ist gerade englischer Meister geworden. Der FC Liverpool spielt an diesem Sonnabend das Finale um die Champions League. Beides sind Mannschaften mit dreistelligem Millionenumsatz, das Geschäft läuft gut, sollte man meinen. Aber Littlehales winkt ab. Er packt einen Brief auf dem Schreibtisch, oben prangt der Briefkopf des FC Liverpool. „Ich war einen Tag auf dem Klubgelände, zuerst für einen Vortrag, dann für Einzelgespräche mit Spielern, die Probleme haben“, sagt er und schnaubt. „Und sie wollten mir anfangs nicht mal meinen normalen Tagessatz bezahlen.“
Der Klub habe sogar überlegt, einfach ein paar Exemplare seines Buchs zu kaufen, die Seiten abzufotografieren und das an die Spieler zu schicken. „Aber keiner von denen liest!“ Littlehales winkt ab. „Sie brauchten Hilfe, sie wollten den besten Typen auf dem Planeten für diesen Job, aber sie wollten nicht entsprechend dafür bezahlen.“ Er schüttelt den Kopf. Am Ende habe er sich doch durchgesetzt und 1200 Pfund bekommen. „In guten Schlaf will keiner investieren“, sagt er. Littlehales Geschäftsmodell besteht im Moment darin, dass er neben seinen Coachings auch Bettwaren per Internetshop verkauft, allerdings in so geringer Stückzahl, dass er von jeder Bestellung weiß.
Ein Blick ins Schlafzimmer
Zum Schluss noch ein Blick ins Schlafzimmer des Schlaftrainers. An der weißen Wand hängen Stoffbahnen mit aufgedrucktem Backsteinmauerwerk, überall stehen Kartons, mit Bettwäsche – atmungsaktiv und hypoallergen –, die Littlehales verkauft. Um das Bett herum ist ein Streifen frei, wobei: eigentlich liegt da nur eine Matratze auf dem Boden. „Irgendwo habe ich auch noch ein Bettgestell“, raunt Littlehales. „Aber ich lege ohnehin mehr Wert auf die Matratze, alles andere ist bei einem Bett Verzierung.“ Dann will er noch etwas zeigen, geht zurück ins Wohnzimmer, zieht einen alten Lederkoffer unter dem Fernseher hervor. Daraus holt er einen Bildband, klappt ihn auf, tippt auf das Foto eines Mannes, der über einem Rennwagen lehnt. „Mein Vater. Er hat die Einspritzung beim Benzinmotor erfunden“, sagt er. „Heute hat jeder Benziner diese Technik – und vielleicht schläft irgendwann jeder mit der R-90-Methode.“ Nick Littlehales lächelt nicht bei diesem Satz – er meint es ernst.
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