Schlechte Aussichten für das Wirtschaftswachstum

Industrie und EU senken ihre Prognosen

Sebastian Wolff
2 Min

BERLIN, 4. April. Die Aussichten für das Wirtschaftswachstum in Deutschland haben sich kräftig eingetrübt. Am Montag reduzierte die EU-Kommission ihre Wachstumsprognose für Deutschland in diesem Jahr auf nur noch 0,8 Prozent - und halbierte damit ihre Prognose vom vergangenen Herbst. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat seine Erwartungen für 2005 kräftig nach unten geschraubt. "Wir erwarten jetzt ein Wachstum von gut 1,0 Prozent", sagte BDI-Konjunkturexperte Reinhard Kudiß der Berliner Zeitung. "Der Aufschwung bewegt sich auf dünnem Eis." Bislang rechnete der BDI mit einem Wachstum von 1,5 Prozent in Deutschland.Schwache InlandsnachfrageEin wesentlicher Grund für die Reduzierung der Prognose sei eine unerwartet schwache Entwicklung der Inlandsnachfrage im Investitionsgüterbereich. "Deutschland tut sich schwer, die positiven Impulse aus den guten Exportzahlen in eine stärkere Binnennachfrage umzumünzen", sagte Kudiß. Ein immer größerer Anteil der deutschen Exporte werde durch importierte Vorleistungen aus dem Ausland gedeckt, der inländische Wertschöpfungsanteil sinke dagegen. Das führe dazu, dass die Unternehmen vor allem in Rationalisierung und in den Erhalt ihrer Produktionskapazitäten investierten, weniger in die Erweiterung der Kapazitäten. "So entstehen keine neuen Jobs", sagte Kudiß. Eine rasche Lösung der Krise am Arbeitsmarkt sei deshalb nicht zu erwarten. Nun sei die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt zu verbessern. "Es darf nicht bei bloßen Ankündigungen bleiben", sagte der BDI-Experte mit Blick auf den jüngsten Jobgipfel zwischen den Spitzen von Regierung und Opposition.Wirtschaft Seite 9

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