Ritter betonte am Freitag in Berlin, dass Zalando von den eigenen Logistik-Zentren zu profitieren beginne, die im letzen Jahr aufgebaut wurden. Die Effizienz werde so gesteigert. Auch müsse man aufgrund der Bekanntheit der Marke nicht mehr so viel ins Marketing stecken.
Die hohen Kosten sind das Kernproblem der Modeplattform, die derzeit einen Börsengang erwägt. Die Verluste sind von rund 90 Millionen Euro im Jahr 2012 auf rund 114 Millionen im vergangenen Jahr gewachsen. Zwar hat sich damit der Anteil der Verluste am Umsatz marginal verbessert – doch das blieb unter den Erwartungen der Analysten. Die Aktie des Hauptinvestors Kinnevik rutschte am Tag der Bekanntgabe der Jahreszahlen um zwölf Prozent ab.
Erstmal nur ein bisschen an die Börse
Nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen am Freitag verteuerten sich die Papiere etwas. Die Verkaufszahlen liegen über den Erwartungen der Analysten, und Ritter erklärte, dass die Profitabilität auch im Gesamtjahr deutlich gesteigert werden solle. Allerdings werde die Gewinnschwelle in diesem Jahr noch nicht erreicht. Ein solches Versprechen wollte er auch nicht für 2015 abgeben.
Angesichts dieser Aussicht hält es Christian Schulze von der Frankfurt School of Finance & Management für wahrscheinlich, dass Zalando – wenn überhaupt – eher einen Mini-Börsengang in diesem Jahr hinlegen wird. Anstatt komplett an die Börse zu gehen, könnte Zalando rund zehn Prozent des Unternehmens an die Börse bringen. „Dann ist es leichter, ausreichend Investoren zu gewinnen, die an Zalandos Strategie glauben“, sagt Schulze der Berliner Zeitung. „Zalando ist kein Twitter, sondern muss sich an den Metriken des Handels messen lassen – und da ist das Erreichen der Gewinnschwelle nicht genug“, sagt Schulze. „Die Investoren werden echte Gewinne sehen wollen.“
Langfristig gesehen sei es dabei gar nicht mal sinnvoll für Zalando, das Wachstum einem schnelleren Erreichen der Gewinnzone unterzuordnen, sagt Schulze. „Zalando braucht Marktmacht, um sich gegen Konkurrenten wie Amazon oder die Otto-Gruppe verteidigen zu können, die über ausreichend Finanzressourcen verfügen, einen kostspieligen Angriff auf Zalando zu starten“. Auch sinken die Kosten pro Kunden, wenn ihre Zahl steigt. Zalando könnte dann auch die Marktmacht nutzen, um die Kosten im Einkauf zu senken. „Die Wachstumsstrategie ist mutig“, sagt Schulze, „Zugleich erschwert sie einen frühen Börsengang, da sie zunächst auf Kosten der Profitabilität geht.“
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