FRIEDRICHSHAIN. Der Durchbruch sollte längst erfolgt sein. Schon vor Wochen sollten 45 Meter der 1,3 Kilometer langen East Side Gallery entlang der Mühlenstraße herausgehoben und einige Meter westlich davon wieder aufgestellt werden. Doch der Durchbruch, den die amerikanische Anschutz Entertainment Group (AEG) vornehmen will, verzögert sich. Der Zustand der denkmalgeschützten East Side Gallery ist so schlecht, dass man die einzelnen Mauerteile nicht einfach an den Haken nehmen und umsetzen kann."Als wir das probiert haben, bröckelte der Beton, wir hatten Angst, dass das Segment auseinander fällt", sagt AEG-Manager Kevin Murphy. Jetzt sitzen Spezialisten beisammen und überlegen, was zu tun ist. Ob zum Herausheben ein Hubfahrzeug benutzt werden soll oder ob die Mauerteile mit vielen breiten Bändern umwickelt angehoben werden können. "Offensichtlich müssen wir die Segmente zusätzlich von unten abstützen, ihnen eine Art Bett bauen", sagt Murphy. Er ist zuständig für den Bau der Großarena am Ostbahnhof. Nach mehrmaligen zeitlichen Verschiebungen ist deren Baubeginn nun für September angekündigt, im Herbst 2008 soll die O2 world fertig sein. Genau gegenüber der Arena soll die Mauer geöffnet werden. An der Spree baut die AEG nämlich auch einen Schiffsanleger. Und von diesem soll man einen freien Blick auf die Riesenhalle haben.45 Meter Mauer, das sind exakt 45 Segmente, die aus dem Betonwall herausgebrochen werden. Er war einst Teil der DDR-Hinterlandmauer und ist das längste authentische Stück Grenze in Berlin. Die Betonwand war Anfang der 90er-Jahre von 118 Künstler aus 21 Ländern bemalt worden. Seither heißt sie East Side Gallery, steht unter Denkmalschutz und gilt als längste Open-Air-Galerie der Welt. Gut 500 000 Touristen aus aller Welt kommen jährlich dorthin. Doch was sie sehen, ist vor allem Verfall. Seit Jahren wird zwar über eine Sanierung der East Side Gallery geredet, doch Geld war nie dafür da. Im Jahr 2000 hat der Verband der Lackindustrie 300 Meter saniert. Die restlichen 900 Meter bröckeln weiter, die Eisenverbindungen im Innern rosten, und die meisten Bilder sind kaum noch zu erkennen. Eine Sanierung wird teuer. Der Beton muss abgestrahlt und teilweise erneuert werden. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat EU-Mittel beantragt. Die ersten 60 000 Euro sind zugesagt, teilt Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) mit. Weitere 120 000 Euro habe der Bundestag bewilligt. "Mit der Betonsanierung werden wir im Frühjahr 2007 beginnen, danach können die Künstler ihre Bilder neu auftragen", sagt Schulz.Auch die 45 Segmente, die dann im künftigen Park hinter der Mauer stehen sollen, werden saniert. Das übernimmt die AEG, denn ihr gehören die Segmente sowie die Fläche zur Spree dahinter. Kevin Murphy: "Falls der Zustand zu schlecht ist, müssen wir eben einzelne Segmente völlig neu wieder aufbauen."------------------------------Grafik: In dieser Simulation hat die Mauer entlang der Mühlenstraße bereits ein großes Loch. Der Durchbruch an der East Side Gallery soll den Blick frei machen von der Spree auf die Großarena, die der amerikanische Investor AEG baut.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de