Schlittschuhfahren in der Hauptstadt

Die Eislaufsaison in Berlin geht wieder los

Auf die Kufen! Jetzt beginnt wieder die Eislaufsaison. Auf drei der sieben Kunsteisbahnen Berlins kann man zurzeit wieder Schlittschuh laufen. Seit September wurden die Flächen präpariert.

Susanne Rost
4 Min
Schlittschuhe an und los: Ein halbes Jahr lang haben die sieben Kunsteisbahnen geöffnet.

Schlittschuhe an und los: Ein halbes Jahr lang haben die sieben Kunsteisbahnen geöffnet.

© Berliner Zeitung/Mike Fröhling Lizenz

Siegfried Vogel ist heilfroh, dass der Altweibersommer erst mal vorüber ist. „Die Sonne ist unser größter Feind“, sagt der Leiter des Neuköllner Eisstadions. Sein Schreibtisch steht in einer Art Glaskanzel im Zentrum der Sportanlage, von hier hat er die beiden Freiluft-Eisflächen des Stadions im Blick. Links die sogenannte Kampfbahn, auf der die Eishockeyspiele ausgetragen werden, rechts die etwas größere Fläche für den Publikumslauf. An diesem Tag sieht Siegfried Vogel nicht nur Eis, sondern darauf auch einige Pfützen. Kein Wunder: 12 Grad Außentemperatur meldet der Videotext-Wetterbericht auf dem Fernseher in Vogels Büro.

Pro Nacht ein Zentimeter

Aber trotz des zuletzt warmen Wetters ist es den Stadion-Maschinisten gelungen, Eis auf die Betonflächen zu bringen. Schließlich steht seit langem fest: An diesem Sonnabend beginnt die neue Eislaufsaison.

Mit dem Vereisen haben die Stadionmitarbeiter in der letzten Septemberwoche angefangen, berichtet der Stadionleiter. Und zwar nachts, weil es da kühler ist. Zwischen 18 Uhr und 6 Uhr hätten seine Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen eine dünne Schicht Wasser auf die Betonfläche gesprüht, nach 20 Minuten war sie gefroren, dann wurde die nächste Schicht aufgebracht. Für die Minusgrade sorgt das Kältemittel Ammoniak.

Es strömt durch Leitungen, die sich dicht unter der Oberfläche durch den Beton der Laufflächen schlängeln. Ammoniak bringt Temperaturen von minus 33 Grad mit sich, deshalb kühlt der Beton so ab, dass das Wasser darauf gefriert. „In einer Nacht schaffen wir einen Zentimeter Eis“, sagt Vogel. Fünf Nächte dauerte es, bis das Eis die gewünschte Dicke hatte. Jetzt rattern die Kompressoren rund um die Uhr, um die kalte Pracht zu erhalten. „Die Anlage ist ausgelegt bis 18 Grad plus“, sagt Vogel.

Während der normale Berliner bei Temperaturen über zehn Grad noch nicht so recht an Eislaufen denken mag, gibt es doch mehrere Tausend, die dem Saisonstart der Kunsteisbahnen entgegenfiebern: etwa die knapp 1 400 Amateur-Eishockeyspieler und die rund 1 500 Hobby-Kunstläufer, die in den gut zwei Dutzend Eissportvereinen der Stadt organisiert sind. Sie können nun endlich wieder richtig trainieren. Denn zwischen Mitte März und Mitte Oktober haben quasi nur Kader-Kunstläufer und Profi-Hockeyspieler Zugang zu Eisflächen.

„Das Neuköllner Stadion ist für die Vereine extrem wichtig“, sagt Bezirks-Sportstadtrat Jan-Christoph Rämer. Der SPD-Politiker weiß das aus eigener Erfahrung: Er ist selbst Eishockeyspieler. „Als kleiner Junge habe ich hier meine erste Schritte auf Schlittschuhen gemacht“, sagt der 34-Jährige. Als Jugendlicher war er dann manchmal bis zu fünf Mal die Woche hier, um mit seiner Mannschaft vom Olympischen Sportclub (OSC) Eishockey zu spielen. Bis heute jagt er regelmäßig dem Puck hinterher.

„Ein Freizeit-Highlight“

Neben dem OSC nutzen noch ein weiterer Eishockeyverein sowie drei Betriebssportgemeinschaften das Neuköllner Stadion, außerdem trainieren dort die Kunstläufer aus zwei Vereinen. In der Woche ist die Kampfbahn jeden Nachmittag und Abend an Eissportler vergeben.

Auch Olaf Wagner aus Mahlsdorf kann den Saisonstart kaum erwarten. Der 49-Jährige hat erst als Erwachsener mit dem Eislaufen begonnen, inzwischen übt er einfache Pirouetten und erste Sprünge. Am Samstag will er ins Neuköllner Stadion kommen, um an einem Fortgeschrittenenkurs der Eislaufschule des früheren Eistanz-Leistungssportlers Dirk Beyer teilzunehmen. Die Eislaufschule bietet dort an drei Tagen in der Woche Kurse an. Er sei sehr froh, dass es dieses Trainingsangebot für Berliner jeden Alters gibt, sagt Olaf Wagner. „Eine sympathische Verbindung zwischen Freizeitaktivität und Leistungssport.“

Doch nicht nur mehr oder weniger ambitionierten Sportlern bietet das Stadion Platz. „Es ist auch ein Freizeit-Highlight“, sagt Sportstadtrat Jan-Christoph Rämer. Familien, Kinder und Jugendliche können sich beim Schlittschuhverleih ausstaffieren und auf den schmalen Kufen versuchen. Zunehmend kämen auch wieder Kindergärten und Schulen, erzählt Stadionchef Siegfried Vogel. Vergangenes Jahr passierten knapp 93 500 Besucher das Stadiondrehkreuz. Vogel hofft, dass es in dieser Saison – der 60. seit Eröffnung 1956 – mindestens genauso viele werden.

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