SCHLOSSPLATZ - Die Staatlichen Museen und der Förderverein Berliner Stadtschloss wollen die Fassaden gemeinsam rekonstruieren. Zuvor könnte der Palast noch einmal erwachen.

Die Zukunft des Rohbaus, der einst Palast war

Nicolaus Bernau
2 Min

BERLIN, 30. Juli. 5 000 Menschen haben in den vergangenen vier Wochen den Rohbau besichtigt, der immer noch Palast der Republik genannt wird. Was den meisten Besuchern auffiel, ist die Monumentalität der Stahlkonstruktion, die offenkundig in der Lage ist, so ziemlich jede schwere Last zu tragen. Und es wurde immer wieder die Flexibilität dieses Skeletts angesprochen. Der Blick in den Rohbau öffnete die Augen für neue Ideen.Neben dem melancholischen Blick zurück wurde der Ausbau als große Parkgarage oder als Kaufhaus angeregt. Den einstigen Großen Saal könne man doch als öffentliche Werkstatt für die Restaurierung der Architekturproben aus dem Pergamonmuseum benutzen. Das Markttor aus Milet muss bald demontiert werden und könnte hier ohne lange Transporte eine Notunterkunft haben. Auch die Bildhauer der Schlosskonstruktion könnten hier einziehen, hieß es bei den Führungen.Am meisten Beifall - wenn auch bisher nur wenige Sponsoren - findet die Konzeption des an der TU Berlin angesiedelten Büros Urban Catalyst. Es will mit dem Verein "Zwischen Palast Nutzung" bis zu einer Rekonstruktion die Etagen rund um den Kleinen Saal, in dem einst die Volkskammer tagte, kulturell nutzen. 1,2 Millionen Euro müssen für diese provisorische Nutzung investiert werden. Sogar Wilhelm von Boddien ist für eine Öffnung des Palastes - und für seinen schnellen Abriss, um mit dem Schlossbau beginnen zu können. Aber auch langfristigere Ideen entstanden im Anblick des Rohbaus. So könnten doch die Museen außereuropäischer Kulturen auch direkt in die Etagen des Palastes einziehen, statt auf einen vagen Neubau zu warten. Die Schlossrekonstruktion würde dann nicht mit den großen Fassaden beginnen, sondern mit denen des vergleichsweise kleinen Schlüterhofs. Tatsächlich stünden in den fünf Hauptetagen des Palast-Körpers selbst nach einer solchen Teilrekonstruktion des Hofes - er ist der berühmteste Teil des Schlosses - etwa 40 400 Quadratmeter für Ausstellungen zur Verfügung. Die Museen beanspruchen derzeit 34 000, kämen so nahe an die als Ideal verlangten 50 000 Quadratmeter heran. Der Platz wäre also ausreichend, die Baumasse angemessen genutzt, ohne durch Abriss neue Kosten zu verursachen. Und es wäre der erste Schritt zu einer Schlossrekonstruktion getan, dem weitere folgen können, wenn das Geld für die großen Fassaden und für die Bauten dahinter gesammelt ist. (nb.)BLZ/RITA BÖTTCHER Vorschlag: "Zwischen Palast Nutzung"

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