Schluss mit Schnittchen

Was Mao mit Paul Breitners Bayern-Bann zu tun hat

Und was eine Männerfreundschaft unter ehemaligen Fußballern zerstören kann.

Christian Schwager
3 Min
Muss künftig ohne exklusiven Sonnenschutz im Stadion auskommen: Paul Breitner darf vorerst nicht auf die Ehrentribüne des FC Bayern.

Muss künftig ohne exklusiven Sonnenschutz im Stadion auskommen: Paul Breitner darf vorerst nicht auf die Ehrentribüne des FC Bayern.

© imago/DeFodi

Wo der Besen nicht hinkommt, wird der Staub nicht von selbst verschwinden. Diesen Satz hat sich Paul Breitner zwar nicht  ausgedacht, doch er wird ihn gelesen haben. Wenn es denn stimmt, dass er die Mao-Bibel studierte. Damals, als Breitner noch Fußballprofi des FC Bayern war und ein Foto entstand, das ihn mit der Peking Rundschau zeigte. Ein breiteres Publikum lernte  Breitner  ganz ungezwungen kennen, auf dem Gehsteig vor einem Oldtimer. In Unterhose. Neben ihm ein gewisser Uli Hoeneß.  1973, was für eine Zeit. Sie waren befreundet, lebten mal in einer WG, der FC Bayern war Deutscher Meister und die Welt noch in Ordnung. 

Inzwischen begegnen sie sich nicht mal mehr am Buffet der Münchner Fußball-Arena. Uli Honeß, 66, will  den vermeintlich Ehrlosen, 67, auf der Ehrentribüne nicht mehr sehen. Der Klubpatriarch will den Besen nicht mehr in die Ecken lassen,  der Staub bleibt trotzdem liegen, wie Mao Tse Tung ja herausfand.

Nimbus in Gefahr

Selbst wenn der Schnittchen-Bann Breitner den Kritikermund stopfen sollte, wird sich an den Missständen, die er anprangert, nichts ändern. Der FC Bayern steckt in einer Krise, liegt in der Bundesliga nur auf Platz fünf. Nicht zum ersten Mal gerät der Nimbus der Unverwundbarkeit des FC Glorreich in Gefahr, weil sich die Führung um Hoeneß offenbar in der Wahl des Trainers vergriff. Wie diesmal wohl Niko Kovac, war es in der vorigen Saison Carlo Ancelotti, der gehen musste, um ein Missverständnis zu bereinigen.

Eine Männerfreundschaft erlöste Uli Hoeneß, Jupp Heynckes rettete die Meisterschaft. Das Ende einer anderen Männerfreundschaft verfeinert nun das Bild von den Funktionsweisen der Branche. Breitner steht für den Aufbruch des Fußballs ins Profitum, der Spieler ins Unternehmertum, Selbstvermarktung in Feinripp inklusive.

Politisch auf dem neusten Stand: Paul Breitner im heimischen Schaukelstuhl anno 1973.

Politisch auf dem neusten Stand: Paul Breitner im heimischen Schaukelstuhl anno 1973.

© Imago/Sven Simon

Mochte Breitner die Peking Rundschau auch wirklich gelesen haben, vielleicht im Abo, mochte  nichts gestellt gewesen sein auf dem Foto, nicht das Mao-Porträt an der Wand, nicht  die Flasche Tsingtao-Bier, so transportierte es doch ein Image, das den Nerv  der Zeit traf. Oder wie es Breitner selbst einmal formulierte: „Ihr könnt mich alle gern haben. Ich mache, was ich will.“

Dass der aufmüpfige Breitner und der dünnhäutige Hoeneß in diesem Punkt offenbar heute noch übereinstimmen, kostet sie nun die Freundschaft. Fürs Erste jedenfalls. Die Niederlage akzeptieren, so ist es nämlich überliefert, heißt: Den Sieg vorbereiten. Das soll Mao gesagt haben. Könnte also aus der Peking Rundschau sein. Oder von Paul Breitner.

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