Internationaler Frauentag

Schon die DDR feierte am 8. März

Betriebe und Familien zelebrierten an diesem Tag ausgiebig die Gleichberechtigung.

Sabine Deckwerth
2 Min
In der DDR bekamen Frauen am 8. März rote Nelken überreicht.

In der DDR bekamen Frauen am 8. März rote Nelken überreicht.

© imago/Westend61

Nelken, es mussten immer Nelken sein, rote zumeist. Der Internationale Frauentag war in der DDR zwar kein Feiertag, aber einmal im Jahr wurde ausgiebig die Gleichberechtigung gefeiert, und das exzessiv: In vielen Familien und in jedem Betrieb. Aufmerksame Ehemänner deckten morgens den Frühstückstisch. In den Betrieben bekam jede Mitarbeiterin meist eine rote Nelke überreicht. Genau wie rund um den 1. Mai gab es in den Blumenläden kurz vor und am 8. März quasi nur noch Nelken zu kaufen.

In den Betrieben wurden Kaffeetafeln hergerichtet, gar mit Likörchen und Wein. Und es wurden Auszeichnungen für „Aktivistinnen der sozialistischen Arbeit“ vergeben. Das staatliche Ritual glich sich Jahr um Jahr. Die Staats- und Parteiführung, die vornehmlich aus Männern bestand, lud dann zum „festlichen Beisammensein ins Hause des Zentralkomitees der SED“.

Betriebliche Zuschüsse und ausgiebiges Feiern

In ihrer Ausgabe vom 9. März 1989 berichtete die Berliner Zeitung zum Beispiel: „Verdienstvolle Frauen aus allen Bereichen der Volkswirtschaft, aus Wissenschaft und Kultur waren gestern Gäste eines festlichen Empfangs, den das Zentralkomitee der SED zum Internationalen Frauentag in Berlin gab.“ Es wurden Reden gehalten auf die großartigen Leistungen der Frauen beim Werden und Wachsen der Republik.

Das Rundfunkorchester spielte auf, Arien wurden auf der großen Bühne gesungen und Gedichte verlesen. Die geladenen Frauen hatten sich besonders fein gemacht: die Schlosserin, die Meisterin, die Bürgermeisterin, die Professorin, die Ärztin. Und die anderen Frauen?

Sie nutzten den Frauentag Dank betrieblicher Zuschüsse meist zum ausgiebigen Feiern. Da wurde wild auf Tischen getanzt, standhaft getrunken, über Männer gelästert. Von „kollektivem Frauenbesäufnis“ hat so mancher gesprochen. Am nächsten Tag herrschte dann wieder ganz normaler Alltag: Schicht, Haushalt, Kinder, Einkauf, Weiterbildung, Elternaktiv… 

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