Schrottanleihen hoch im Kurs

Anna Sleegers
3 Min

Verrückte Welt: Während einige entwickelte Industrieländer wie Griechenland oder Irland bei jedem Gang an den Kapitalmarkt zittern müssen, rennen die Investoren hoch verschuldeten Unternehmen aus teilweise schwankungsanfälligen Branchen die Bude ein. Die Nachfrage nach sogenannten Junkbonds ("Schrottanleihen") ist so hoch wie lange nicht. Als Junk werden Anleihen von Unternehmen bezeichnet, denen die großen Ratingagenturen ein hohes Ausfallrisiko bescheinigen. Dahinter stehen oft namhafte Industrieunternehmen wie der Medizinkonzern Fresenius, der Autozulieferer Continental oder der Apothekenlieferant Phönix Pharmahandel.Treibt die Nachfrage den Kurs von Anleihen in die Höhe, fällt die Rendite. Die Renditen der Junkbonds bewegen sich mit durchschnittlich 7,62 Prozent bereits wieder auf dem Niveau vor dem Ausbruch der Krise. Auch Kreditderivate, mit denen sich die Anleger gegen Zahlungsausfälle bei diesen Anleihen versichern können, sind fast so günstig wie vor drei Jahren, wie der Itraxx Crossover Index (siehe Grafik) zeigt.Angesichts dieser vorteilhaften Marktbedingungen sparen sich viele Finanzvorstände offenbar lieber die unangenehmen Kreditverhandlungen mit der Bank und platzieren stattdessen eine Anleihe. Rund 57 Milliarden Euro haben europäische Unternehmen mit schwachem Rating in diesem Jahr mit Anleiheemissionen eingenommen. Das ist fast doppelt so viel wie im vergangenen Jahr. Sogar Unternehmen, die überhaupt kein Rating vorweisen können, gelang zuletzt der Gang an den Anleihenmarkt zu überraschend günstigen Konditionen.Offenbar traut die Investorenschar es derzeit eher einem Euro-Staat als einem Unternehmen zu, seine Schulden nicht vollständig zurückzuzahlen. Ein Stück weit wirkt die Gunst der Investoren wie eine selbsterfüllende Prophezeiung: Weil es den Unternehmen so leicht fällt, sich am Kapitalmarkt Geld zu beschaffen, sinkt die Gefahr, dass sie in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Aber wie lange kann das gut gehen? Monica Fernandez, Expertin für Unternehmensanleihen bei der DZ Bank glaubt nicht, dass sich bei Junkbonds derzeit eine Blase bildet. "Von einer Blase würde ich sprechen, wenn die Anleger blind alles kaufen und das ist derzeit nicht der Fall", sagt sie.Tatsächlich gehen nicht alle Emissionen glatt durch. So gelang es dem verschwiegenen Klinikbetreiber Asklepios kürzlich nicht, das angepeilte Emissionsvolumen von 300 Millionen Euro vollständig einzunehmen. Das Unternehmen musste sich mit der Hälfte zufriedengeben.Vorsicht ist nach Ansicht der Anleihenexpertin zufolge trotzdem geboten: "Wenn der Markt dreht, kann es besonders für bonitätsschwache Unternehmen schnell ziemlich eng werden." Besonders in den kommenden Jahren:Denn in den Jahren von 2012 an wird eine ganze Flut von Krediten fällig, mit denen Finanzinvestoren in den Boomjahren Firmenübernahmen bezahlten.------------------------------Grafik: Itraxx Crossover Index. Der Index zeigt an, wie teuer es für Anleger ist, sich gegen den Ausfall von Risikoanleihen zu versichern. Ein niedriger Index-Stand weist darauf hin, dass die Kosten dafür gering sind. Das Ausfallrisiko wird vom Markt also als niedrig eingeschätzt.

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