Schüler aus Karlshorst und Neukölln studieren gemeinsam ein Musical ein

So anders sind die gar nicht

Eva Dorothée Schmid
3 Min

Ilma besucht die Richard-Wagner-Schule in Karlshorst. Als die Zwölfjährige hörte, dass sie mit Kindern aus Neukölln in einem Musical spielen soll, war sie wenig begeistert. "Ich dachte, das sind alles so Schlägertypen", sagt sie. Auch an der Elbe-Grundschule in Neukölln waren die Schüler wenig erfreut. "Ich war nicht so glücklich, ich dachte, es ist besser, wenn unsere AG allein was macht", erzählt die elfjährige Ronahi aus der fünften Klasse. Auch Inas, zwölf Jahre alt, war skeptisch, wie sie wohl sein würden, die Kinder aus Karlshorst.Die Karlshorster und die Neuköllner Kinder leben in zwei Welten, die sich selten begegnen. Die Richard-Wagner-Schule hat lediglich einen Migrantenanteil von 0,3 Prozent, die meisten Kinder sind atheistisch oder christlich. Die Schüler der Elbe-Grundschule dagegen sind hauptsächlich Muslime und zu mehr als 80 Prozent nichtdeutscher Herkunft. Regine Schultz-Zehden, Lehrerin in Karlshorst, fand, dass sich diese beiden Welten besser kennenlernen sollten. Sie hat zusammen mit Matthias Goldbeck-Löwe, Lehrer an der Elbe-Grundschule, ein gemeinsames Musicalprojekt ins Leben gerufen und bewirbt sich damit bei "Trialog der Kulturen", einem Wettbewerb der Herbert-Quandt-Stiftung.Nach den Herbstferien trafen sich die Kinder beider Schulen zum ersten Mal, um gemeinsam an ihrem Musical zu arbeiten. "Ich habe mir ein ganz falsches Bild gemacht, ich war positiv überrascht, denn die waren ganz, ganz nett", sagt Ilma heute über das erste Treffen. In den Monaten danach lernten die Schüler zusammen mehr über die jeweils andere Kultur. Sie besuchten gemeinsam eine Moschee. Und weil kein jüdisches Kind in der Gruppe war, gingen sie zusammen ins Jüdische Museum, um dort mehr über die dritte der drei Weltreligionen zu erfahren.Aus Fremden wurden Freunde"Damals mischten sich die Schüler noch nicht so", sagt Goldbeck-Löwe. Doch inzwischen habe sich viel verändert. Die ersten Freundschaften entstanden auf einer dreitägigen Probenfahrt vor einem Monat, an der ursprünglich viele Kinder gar nicht teilnehmen wollten, wie Regine Schultz-Zehden erzählt. Alle bis auf einer waren dann doch dabei und beim gemeinsamen Spielen stellten sie fest, dass die anderen so anders gar nicht sind."Die Kinder in Karlshorst sind alle Deutsche, wir sind an unserer Schule nur Muslime und deshalb hatte ich noch keine deutsche Freundin. Jetzt habe ich mehrere", erzählt Ronahi. Ilma hat sich mit Inas angefreundet. "Wir werden uns sicher auch danach noch treffen, wir haben E-Mail-Adressen ausgetauscht", sagt Ilma. Sie hat bei den Proben auch mal ein Kopftuch aufgesetzt, so wie es ihre neue Freundin Inas aus Neukölln trägt. Inas ist übrigens die einzige Kopftuchträgerin unter den Neuköllner Kindern, was den zwölfjährigen Max aus Karlshorst schon ein bisschen überraschte. "Ich dachte, die sind alle ganz streng gläubig", berichtet er. Inzwischen sagen die meisten Kinder, man verstehe sich gut. Und zwei Mädchen der Richard-Wagner-Schule durften sogar Inas' Haare sehen. Das haben sie ganz stolz ihren Lehrern erzählt.Das Musical wird am 31. Mai und 1. Juni um 19 Uhr in der Werkstatt der Kulturen aufgeführt. Wissmannstraße 32, Neukölln, Karten unter 609 77 00.------------------------------Foto: Elvir, Anne und Alexandra (v. l.) spielen in dem Musical Freunde, die drei verschiedenen Religionen angehören.

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