Die Aufgabenstellungen sollen zu kompliziert, die Berechnungen zu schwierig gewesen sein. Abiturienten aus Berlin und mehreren anderen Bundesländern wehren sich gegen angeblich zu schwere Mathe-Aufgaben in der schriftlichen Abiturprüfung, die am vergangenen Freitag geschrieben wurden.
„Die Aufgaben beim Mathematik-Abitur am Freitag waren viel zu schwer, genauso wie in anderen Bundesländern“, heißt es in einer Online-Petition von Schülern, die sich an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) richtet. Innerhalb eines Tages haben über 1000 Menschen unterschrieben. Deshalb sollen, so die Forderung der Schüler, die Klausuren weniger streng bewertet, die Bewertungsmaßstäbe nach oben korrigiert werden. Irgendwie verständlich, dass viele Abiturienten das unterschreiben, möchte man meinen.
Doch was ist dran an der Kritik? Bei den schriftlichen Mathematik-Prüfungen, die in Berlin und Brandenburg als zentrale Prüfung gemeinsam geschrieben werden, können die Abiturienten zwischen zwei verschiedenen Aufgabenstellungen wählen. Einige Schüler berichten, dass im Analysis-Teil beide zur Auswahl stehenden Funktionen über dem Schwierigkeitsgrad der vergangenen Abiturprüfungen gelegen hätten.
Schüler müssen mindestens 45 Prozent der Aufgaben für Note 4 lösen
In einem anderem Fall mussten Schüler die bedingte Wahrscheinlichkeit mit Hilfe eines Würfelspiels ausrechnen. Das empfanden viele als sehr schwer verständlich. Und im Stochastik-Teil hatten einige arge Probleme, eine kumulierte Tabelle zu begreifen. Um die Note 4 glatt zu erreichen, müssen Abiturienten derzeit mindestens 45 Prozent der Aufgaben lösen.
Ralf Treptow, der Vorsitzende des Berliner Gymnasialschulleiterverbandes, widersprach den Schülern am Montag. „Aus meiner Sicht waren die Mathe-Aufgaben nicht zu schwer“, sagte Treptow, Direktor des Pankower Rosa-Luxemburg-Gymnasiums und selbst Mathe-Lehrer. So lange es aber keine zentralen Mathe-Prüfungen für ganz Deutschland gebe, würden die Beschwerden über die Abi-Aufgaben weiter zunehmen. Online-Petitionen seien ja schnell geschrieben.
„Gegenwärtig gibt es für Berlin keine Anhaltspunkte, dass unmittelbare Konsequenzen notwendig sind“ sagte Thorsten Metter von der Bildungsverwaltung. Er wies aber darauf hin, dass in der Vergangenheit häufig behauptet worden sei, die Berliner Abi-Prüfungen würden immer einfacher.
Unmut in vielen Bundesländern
Berlin hat allerdings seit vielen Jahren massive Probleme, überhaupt genug qualifizierte Mathe-Lehrer zu finden. In Mathematik und den naturwissenschaftlichen Fächern werden besonders viele Quereinsteiger eingesetzt.
Auch in Bayern, Bremen Niedersachsen, Hamburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und weiteren Bundesländern gab es Schülerproteste und Online-Petitionen. „Es wurde eine hohe Anzahl an Aufgaben gestellt, die so in ihrer Ausfertigung nur schwer lösbar und nicht schülergerecht konzipiert wurden“, hieß es in der Petition aus Niedersachsen, die über 10.000 Personen unterzeichneten. Mehrere Kultusministerien kündigten eine Überprüfung an. Auch Brandenburg gehe den Schülerbeschwerden nach, sagte der Potsdanmer Ministeriumssprecher Ralph Kotsch. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, berichtet indes, dass sich die Prüfungsergebnisse in Bayern zumindest nach ersten Erkenntnissen im durchschnittlichen Bereich bewegen würden.
In Berlin und Brandenburg gibt es gemeinsame Lehrerkommissionen, die die Aufgabenvorschläge entwickeln. Diese Aufgaben werden auch geheim getestet. Sie orientieren sich an den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz. Dabei haben die Bundesländer aber noch gewisse Gestaltungsmöglichkeiten. Seit 2017 nutzen die Bundesländer zudem den allgemeinen, länderübergreifenden Aufgabenpool.
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