Das große Provisorium

Schulneubau - So ringen die Bezirke um Platz

Trotz Schulbauoffensive werden die Schulplätze in vielen Bezirken knapp.

Annika Leister
3 Min
Berlin wächst rasant - doch die Schulen kommen nicht mit.

Berlin wächst rasant - doch die Schulen kommen nicht mit.

© dpa

Berlin wächst rasant, hat aber in den 15 Jahren vor Start der Schulbauoffensive kaum für neue Schulen gesorgt. Das rächt sich: Rund 24.000 Schulplätze für 2021/22 fehlen nach Prognosen der Schulverwaltung in Berlin. Doch in fast allen Bezirken müssen die Schulämter schon seit Jahren kämpfen, die Schüler unterzubringen – mit zum Teil erheblichen Folgen für die Kinder.

Pankow musste 3000 Schüler in andere Bezirke Schicken

Zuerst wurde nachverdichtet, wo es nur ging. Anbauten entstanden rund um bereits bestehende Schulen auf Wiesen und Parkplätzen. Doch das reichte nicht. In vielen Bezirken sind die Schulen inzwischen weit überbelegt, der Platz eng. In Lichtenberg werden Gebäude, die für 300 bis 500 Schüler ausgelegt sind, jetzt mit 500 bis 700 Kindern belegt.

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Das besonders rasant an Kindern und Jugendlichen wachsende Pankow muss seine Oberschüler sogar schon lange in andere Bezirke schicken. Im Gegensatz zu Grundschülern dürfen die Jugendlichen bis zu einer Stunde Anfahrtszeit zu ihrer Schule haben. Für sie gilt ganz Berlin als Einzugsbereich. Schulstadtrat Torsten Kühne (CDU) ist die Situation „sehr peinlich“, hilflos ist er dennoch. Im Schuljahr 2018/2019 hat Pankow laut Kühne insgesamt 3000 Jugendliche in andere Bezirke schicken müssen, weil in ihrem Heimatbezirk kein Platz war. 1100 Kinder gehen auf Lichtenberger Sekundarschulen, 800 auf Reinickendorfer Gymnasien. „Wir sind den Nachbarbezirken da zu großem Dank verpflichtet“, sagt Kühne. Leider werde sich der Zustand vorerst nicht ändern: Gerade in den nächsten zwei Jahren „werden wir die Nachbarbezirke weiter belasten müssen“, sagt Kühne bedauernd.

Das Problem fängt schon beim Finden von Grundstücken für die Schulen an

Einziges wirksames Mittel: Neubauten – oder zumindest temporäre Bauten, die es inzwischen nicht nur in Container-Form, sondern auch in schick gibt. Doch das ist einfacher gesagt als getan. Es fängt schon bei der Beschaffung der Grundstücke an: Man versuche alles, Grundstücke in Landesbesitz würden ebenso angefragt wie Grundstücke in Bundes- und Privatbesitz, sagt Kühne. Doch die Verhandlungen besonders um Privatgrundstücke bräuchten viel Zeit – ebenso wie der Bau danach.

Kühne geht im Schnitt von fünf Jahren Bauzeit pro Schule in der Hauptstadt aus. Das liegt auch daran, dass sich Stadträte bei jedem Schulbau mit einem Dutzend Ämtern und Verwaltungen auf Bezirks- wie Landesebene besprechen müssen. „Alle bemühen sich, aber die Abläufe müssen weiter entschlackt und beschleunigt werden“, so Kühne.

Senatorin Scheeres eröffnete Montag die erste Schule, die im Rahmen der Schulbauoffensive gebaut wurde

Danach sorgen oft noch zu komplizierte Vergabeverfahren und Personalmangel in der Bauwirtschaft für Verzögerungen. Zuletzt warnte die Handwerkskammer Berlin im Mai davor, dass die Schulbauoffensive wesentlich länger dauern und teurer werden könnte. Weil nicht einzelne Aufgaben, sondern die Riesen-Bauaufträge im Paket vergeben würden, schließe man lokale und mittelständische Unternehmen aus.

Immerhin: Am Montag hat Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) in Mahlsdorf die erste Sekundarschule eröffnet, die im Rahmen der Schulbauoffensive neu gebaut wurde. 34,8 Millionen Euro hat sie gekostet und hat Platz für 550 Schüler. Sie ist eine sogenannte Schnellbauschule. Zwischen Grundsteinlegung und Eröffnung lag lediglich knapp ein Jahr. Wie lang die Planung vorab dauerte? Das teilte die Verwaltung nicht mit.

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