Schwäbischer Rollentausch

Steffen Hebestreit
1 Min

Das Schwabenland ist doch noch nicht völlig verrückt geworden. Während Stuttgarter dies- und jenseits der Barrikaden einander unverwandt gegenüber stehen und über den Abriss ihres Hauptbahnhofs streiten, zeigen einige Sozialdemokraten in der baden-württembergischen Landeshauptstadt nun ein überraschend hohes Maß an Realitätssinn. Wir sind bereit, einen Grünen zum Ministerpräsidenten zu wählen, lassen sich schwäbische Spitzen-Sozen neuerdings zitieren.Bravo, SPD! Ein bisschen erinnert die Ankündigung zwar an den Floh, der auf dem Rücken eines Elefanten sitzt und schreit: "Hier lang, hier lang!" Tatsächlich müssen die gerupften Südwest-Sozialdemokraten im März mit einer Klatsche rechnen und froh sein, wenn ein Ergebnis über der 20-Prozent-Marke herausspringt. Die Grünen hingegen - "Stuttgart 21" sei Dank - stehen vor einem historischen Erfolg und werden aller Voraussicht nach weit vor den Sozialdemokraten landen.Dennoch tut es gut, dass die Volkspartei SPD ihren Stolz hinunterschluckt und deutlich macht, dass eine Große Koalition unter Stefan Mappus für sie ein größeres Übel ist, als Juniorpartner der Grünen zu sein. Ganz nebenbei weist die SPD ihrem potenziellen Koalitionspartner damit zugleich die undankbare Aufgabe zu, seinerseits genügend Stimmen zu sammeln, damit es am 27.März für das erste grün-rote Projekt der Republik reicht. Wäre doch verrückt!

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