Schwimmunterricht in Berlin-Neukölln

Hälfte der Neuköllner Grundschüler kann nicht schwimmen

Viele kleine Kinder planschen schon vor der Schulzeit zusammen mit den Eltern im Meer. Mit fünf oder sechs Jahren können sie schwimmen. In Neukölln ist das anders. Auch wenn es viele Bäder gibt, trauen sich zahlreiche Kinder nicht ins Wasser.

Andreas Rabenstein
3 Min
Viele Kinder aus Neukölln können nicht schwimmen.

Viele Kinder aus Neukölln können nicht schwimmen.

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Am Ende der 3. Klasse sind die meisten Kinder neun Jahre alt, über 1,30 Meter groß, können lesen, schreiben und rechnen - aber zumindest in Berlin-Neukölln noch lange nicht schwimmen. Fast die Hälfte der Drittklässler in Berlins Problembezirk Nummer Eins kann sich nicht alleine über Wasser halten. Der Bezirk schlug am Freitag Alarm und will nun mit einem „Wassergewöhnungsprojekt“ den Zweitklässlern an den Grundschulen die Angst nehmen. Die Situation sei „erschreckend“ und „alarmierend“, teilte das Bezirksamt mit.

Die mehr als 40 Prozent Nichtschwimmer am Ende der 3. Klasse seien der höchste Wert eines Bezirkes in Berlin. An den Grundschulen steht in diesem Schuljahr der erste Schwimmunterricht an - der allerdings oft scheitert.
„Grund ist, dass viele Kinder vor dem regulären Schulschwimmen keinerlei Wassererfahrung außerhalb von Badewanne und Dusche gemacht haben und teilweise extreme Wasserängste haben, die erst überwunden werden müssen“, erklärte die Neuköllner Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), die erst kürzlich ihren überregional bekannten Vorgänger Heinz Buschkowsky ablöste.

Kulturelle und religiöse Gründe

Oft kämen die Kinder erst in der dritten Klasse zum ersten Mal mit dem „offenen nassen Element in Berührung“ und seien sehr ängstlich. „Dann reicht die Zeit einfach nicht mehr aus, um zum Erfolg zu kommen.“ Die Wassergewöhnung müsse früher einsetzen, forderte Giffey, die Schirmherrin des Pilotprojekts ist.

Schuld an der „katastrophalen Nichtschwimmerquote“ sind nach Einschätzung des Bezirks die Eltern, die ihre Kinder vor und zu Beginn der Schulzeit nicht an das Schwimmen heranführen oder sie zu Kinderschwimmkursen bringen. „Gerade unter den Migrantenkindern sind viele, die nicht in Seen oder Bäder gehen, weil ihre Eltern das auch nicht tun“, sagte die Sprecherin des Bezirks, Bärbel Ruben, der Deutschen Presse-Agentur. Das habe in den meist türkisch- oder arabischstämmigen Familien auch kulturelle und religiöse Gründe.

Grundschüler nehmen an Kursen teil

Der Bezirk Neukölln im Südosten Berlins hat rund 325.000 Einwohner (etwa so groß wie Bielefeld). In den Grundschulen liegt der Anteil der Kinder aus Einwandererfamilien bei 80 Prozent. In Nord-Neukölln nahe Kreuzberg gibt es auch Grundschulen, die nur von Kindern mit einem sogenannten Migrationshintergrund besucht werden.

Das nach Bezirksangaben bisher „einzigartige“ Pilotprojekt zum Schwimmenlernen heißt „Neuköllner Schwimmbär“. 600 Kinder aus den zweiten Klassen sollen erreicht werden. Geplant ist ein Dreitagekurs für Kinder am Ende des 2. Schuljahres „zum Angstabbau vor dem Wasser“ und der „optimalen Vorbereitung auf den regulären Schwimmunterricht in der 3. Klasse“.

Die Kinder sollen dabei mit der Unterstützung von Schwimmtrainern und Hilfsmitteln wie Schaumstoff-Nudeln und Gurten die „Grundfertigkeiten im Wasser wie Tauchen, Schweben, Springen, Atmen und Gleiten“ lernen. Im Vordergrund stehen der Spaß und die Sicherheit im Wasser.

Elf Grundschulen, überwiegend aus Nord-Neukölln, machen mit. Die Kosten des Projekts im Gropiusbad konnte der Bezirk noch nicht mitteilen. Die Schulen bezahlen die Gebühren aus einem „Bonus-Programm“ des Senats für Bildung in schwierigen Stadtteilen. (dpa)

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