Das Fußballfieber während der Europameisterschaft (EM) macht auch um die evangelische und katholische Kirche keinen Bogen. Für Pfarrer Bernhard Felmberg von der Wilmersdorfer Auengemeinde gehört ein privates "EM-Studio" unbedingt dazu. Man treffe sich reihum bei Freunden, um sich die Spiele anzusehen. Mit seiner Begeisterung will der evangelische Sportpfarrer Gott aber nicht belasten: "Ich würde den Herrn nicht bitten, ein Votum zu Gunsten eines Landes abzugeben." Für ein friedliches und ruhiges Spiel hat der Pfarrer allerdings schon einmal Gott angefleht - beim Familiengottesdienst in der Grunewaldkirche am letzten Wochenende. Dies sei wichtiger als ein Sieg, sagt der Pfarrer. Als Christ schließt der 35-Jährige Wunder nicht aus. So kann sich Felmberg vorstellen, dass Deutschland am heutigen Dienstag gegen Portugal noch gewinnt. "Ich glaube natürlich an solche Wunder", sagt Felmberg. Sein Verstand sage ihm aber, dass es sehr schwer werde. Der Leiter des Katholischen Büros, Georg Walf, hält Stoßgebete zum Sieg für eher unangebracht: "Das wäre verfehlt." Außerdem soll aus Sicht von Walf der Bessere gewinnen: "Man muss feststellen, dass wir es nicht sind." Auch Kaplan Burkhard Stegemann, Gelegenheitskicker von St. Martin in Kaulsdorf, lässt beim Beten den Fußball außen vor: "Es ist ein Spiel." Der 37-Jährige will sich das entscheidende Spiel im Fernsehen anschauen.Der Ball und die Bibel Für ihre Fußballbegeisterung können sich Christen auf die Bibel berufen: "Darum richtet wieder auf die lässigen Hände und die müden Knie und tut gewisse Tritte mit euren Füßen, dass nicht jemand strauchle wie ein Lahmer." (Hebräer). Nicht nur dieses Motto macht sich die Bistumsliga im Internet zu eigen. "Boas ging hinauf ins Tor und setzte sich daselbst", heißt es weiter in der Bibel. Die katholische Bistumsliga mit ihren 45 Mannschaften ist nach Auskunft ihres Sprechers Robert Gehrke einmalig in der Bundesrepublik. Seit etwa acht Jahren kicken Katholiken aus zahlreichen Gemeinden gegeneinander - das nächste Mal am kommenden Wochenende. Mit einem Gottesdienst in der Wuhlheide beginnt der Kampf um den Pokal. Nach Auskunft von Gehrke machen insgesamt rund 800 Katholiken zwischen acht und 40 Jahren mit. Der Ball steht ebenfalls bei der Oberliga und der ersten Leistungsklasse des Evangelischen Sports in Berlin-Brandenburg im Mittelpunkt. Zehn Mannschaften trainieren regelmäßig. Zu den eindeutigen Favoriten innerhalb der Kirche gehören der BSC Staaken und die Mannschaft aus Lichterfelde Nord. "Wichtiger als siegen ist, sich nicht gegen die Beine zu hauen", sagt der Sportpfarrer.
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