Wer da am späten Dienstagnachmittag durch die Programme zappte und schließlich bei Wolf Biermann hängen blieb, könnte sich beim Anblick des Senderlogos am oberen Bildrand verwundert die Augen gerieben haben: Der linke Barde Biermann beim Nachrichten- und Wirtschaftssender n-tv? "Maischberger" macht s möglich. Seit Anfang vergangener Woche bittet Sandra Maischberger hier von montags bis freitags um 17.45 Uhr für 45 Minuten Menschen im Berliner Studio zum Livegespräch. Überraschend einmütigIn der Regel sitzt der ehemaligen "Spiegel"- und "Greenpeace-TV"-Moderatorin dabei ein Gast gegenüber, zu dem sich nach der Unterbrechung um 17.30 (Werbung und Nachrichten) dann noch ein zweiter gesellt. Bei Wolf Biermann hatte man allerdings, womöglich in der Hoffnung auf ein interessantes Streitgespräch, den BDI-Chef Hans-Olaf Henkel als Kontrahenten gleich mit an den Tisch gebeten. Doch die vermeintlichen Widersacher gaben sich in weltanschaulichen Fragen überraschend einmütig und plauderten launig über ihr Rebellentum. Statt den sicherlich vorhandenen Dissens herauszukitzeln, ließ Sandra Maischberger sie plaudern, stellte Fragen wie "Wollten Sie mit 20 schon BDI-Präsident werden?" und hatte sichtlich Mühe, bei Biermanns Witzeleien nicht von Lachanfällen außer Gefecht gesetzt zu werden. Womit sie die spannende Konstellation und damit ihre Sendung glatt verschenkte. Überhaupt scheint Zuspitzung durch bohrendes Nachfragen nicht die hervorstechendste Eigenschaft der Moderatorin zu sein. So hatte ihr die Redaktion zwar reaktionsschnell am Montag den Bremer CDU-Chef Bernd Neumann (dessen Landesverband am Freitag zuvor Helmut Kohl einen triumphalen Empfang geboten hatte) ins Studio gesetzt, aber ihn auf ein klares Bekenntnis zum Ex-Kanzler festzunageln, wollte Sandra Maischberger auch hier nicht gelingen. Und den belanglosen Plausch zwischen Gesundheitsministerin Andrea Fischer und ihrem ehemaligen Taz-Kollegen Georg "der säzzer" Schmitz hätte man sich getrost schenken können. Da wäre ein Kassenvertreter fraglos der ergiebigere Kontrahent gewesen. Dieser Polit-Talk am späten Nachmittag, produziert von Friedrich Küppersbuschs Firma "probono", könnte durchaus eine interessante Sache sein, aber etwas dezidiert politischer und weniger anekdotisch müsste es schon zugehen. Und wenn man die n-tv-Oberen dann noch überzeugen könnte, dass es nervt, wenn die Gesprächspartner in Gestalt von laufenden Aktiennotierungen ständig im wahrsten Sinn des Wortes die Börse am Hals haben, wäre die Sendung sogar sehenswert.
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