Die Autofahrer sind gewarnt. Bevor sie auf der Stadtautobahn in den Britzer Tunnel fahren, können sie auf Schildern an den Portalen lesen, dass dort die Geschwindigkeit kontrolliert wird. Doch das stimmt nur noch teilweise. Denn wie erst jetzt bekannt wurde, ist ein Teil der Blitzeranlage seit mehr als drei Monaten außer Betrieb. Das teilte Polizeisprecher Carsten Müller der Berliner Zeitung auf Anfrage mit. "Ursache ist ein Unfall, der sich Anfang Juli ereignet hat", sagte er.Ende Mai hatte die Polizei die "schwarzen Blitzer" im längsten Autobahntunnel Berlins, der 1 713 Meter misst, scharf geschaltet. Die Geräte heißen so, weil ihre Infrarotstrahlen für das menschliche Auge unsichtbar sind. Schließlich sollen Fahrer ihre Autos nicht vor Schreck gegen die Wand der Tunnels steuern, wenn sie aus einer der 16 Digitalkameras der Blitzstrahl trifft.Eine Kamera pro FahrstreifenDass sie geblitzt worden sind, merken sie erst einige Wochen später - wenn ihnen die Bußgeldstelle der Polizei brieflich mitteilt, dass sie nun ein Verfahren eingeleitet hat.An vier Stellen nehmen jeweils drei Kameras, eine für jeden Fahrstreifen, den Verkehr im Tunnel von vorne ins Visier. An zwei Stellen kommen jeweils zwei Blitzer hinzu, die Fahrzeuge von hinten fotografierenkönnen - Motorräder haben lediglich am Heck ein Kennzeichen.Was ist im Sommer passiert? Je nachdem, wie stark der Verkehr ist, gilt im Tunnel Tempo 60 oder 80. Eines der Verkehrszeichen, die wechselnd das aktuelle Limit anzeigen, wurde Anfang Juli bei einem Unfall beschädigt. "Es ist wie die anderen Verkehrszeichen mit der Blitzanlage gekoppelt", erklärte Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Folge war, dass an einer der vier Stellen im Tunnel die Anlage ausfiel. Dort wird seitdem nicht mehr geblitzt, hieß es.Zahl der Anzeigen stark gesunkenBis heute konnte die kaputte Anzeige nicht wiederhergestellt werden. "Es handelt sich um eine sehr komplizierte Technik", so die Sprecherin. Nun soll sie im November ausgetauscht werden. Damit wäre die Blitzeranlage wieder komplett.In welcher Tunnelröhre die Störung aufgetreten ist, wollte Rohland nicht sagen. Es sei auch nebensächlich: "Denn in der betreffenden Röhre wird weiterhin geblitzt" - nur nicht mehr hinter der Einfahrt, sondern nur noch vor der Ausfahrt. Dort funktionieren die Kameras.Der Senat hatte die "schwarzen Blitzer" für 1,2 Millionen Euro angeschafft, nachdem es in dem Tunnel im Bezirk Neukölln Unfälle wegen zu schnellen Fahrens gegeben hatte. Die Tempokontrollen und die Hinweisschilder, die davor warnen, sollen die Fahrer dazu bewegen, sich an die Regeln zu halten. Jetzt zeichne sich ab, dass diese Strategie erfolgreich ist, sagte Rohland. Im Juni versandte die Bußgeldstelle 25354 Anzeigen, weil im Tunnel zu schnell gefahren wurde, teilte die Polizei mit. Im Juli gab es nur 9 438, im August 9133 Knöllchen. Die Polizei erklärte die Abnahme mit dem Teilausfall, viele Raser würden nicht mehr erfasst. Doch bereits im Laufe des Monats Juni, als die Blitzeranlage noch komplett war, zeichnete sich ein Rückgang ab - das zeigen detailliertere Zahlen. Rohland wies die Erklärung der Polizei zurück: "Es wird spürbar langsamer gefahren."------------------------------Foto: Der Britzer Tunnel im Verlauf der Autobahn A 100 wurde im Jahr 2000 freigegeben. Nach Unfällen wegen zu schnellen Fahrens wurden Tempomessgeräte installiert, die mit unsichtbaren Blitzen arbeiten. Das System "TraffiStar S330" von Jenoptik Robot ist seit dem 26. Mai in Betrieb.
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