Der vor laufender Kamera ausgetragene Streit des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit US-Präsident Donald Trump und seinem Vizepräsidenten J.D. Vance im Oval Office des Weißen Hauses wird in die Geschichte eingehen. Nun sagt Selenskyj: Es war der Würde wegen.
„Warum haben sich die Ukrainer zu Beginn des Krieges verteidigt? Es war wegen der Würde“, sagte er in einem am Montag veröffentlichten Interview mit dem Time Magazine. „Wir halten uns nicht für eine Supermacht, wir sind sehr emotional, und wenn es um unseren Sinn für Würde, Freiheit und Demokratie geht, erhebt sich unser Volk und schließt sich zusammen“. Der ukrainische Präsident sagte weiter, er habe bei seinem Besuch im Weißen Haus auf einen Beweis gehofft, dass die USA auch unter Trump immer noch ein Verbündeter sei. „Aber in diesem Moment hatte ich das Gefühl, kein Verbündeter zu sein oder nicht die Position eines Verbündeten einzunehmen“, sagte Selenskyj. „In diesem Gespräch habe ich die Würde der Ukraine verteidigt“.
Nach dem Vorfall kündigte die Trump-Regierung die Aussetzung der Hilfe für die Ukraine an, einschließlich der Weitergabe von Geheimdienstinformationen und der Lieferung von Waffen und Munition. Selenskyj sagte dem US-Magazin, was ihn am meisten an Trumps Verhalten störe, habe weniger mit der Weitergabe von Geheimdaten zu tun als mit seinen Aussagen zu russischen Desinformationen, insbesondere im Zusammenhang mit der ukrainischen Offensive in der russischen Grenzregion Kursk. Der ukrainische Präsident beschuldigte Trump der Lüge, als dieser behauptete, die ukrainischen Streitkräfte in Kursk seien von den Russen umzingelt gewesen. „Ich glaube, Russland hat es geschafft, einige Leute im Team des Weißen Hauses durch Informationen zu beeinflussen. Ihr Signal an die Amerikaner war, dass die Ukrainer den Krieg nicht beenden wollen und etwas getan werden sollte, um sie zu zwingen“, sagte Selenskyj weiter.
Die ukrainische Armee hatte im vergangenen Sommer die Offensive in Kursk begonnen und dort zunächst mehrere Hundert Quadratkilometer unter ihre Kontrolle gebracht. Russland gelang es inzwischen aber, große Teile der anfangs von der Ukraine besetzten Gebiete zurückzuerobern.
Das sagte J.D. Vance zum Ukraine-Eklat im Weißen Haus
Ende Februar kam es bei dem Besuch Selenskyjs im Weißen Haus zum beispiellosen Eklat. Trump und Vance hatten den ukrainischen Präsidenten heftig attackiert und ihm Undankbarkeit und mangelnden Friedenswillen vorgeworfen. Das Treffen wurde frühzeitig abgebrochen, die geplante Unterzeichnung eines Rohstoffabkommens fiel aus.
Laut Vance war der Wendepunkt des Treffens seine eigene Antwort auf die Frage eines Journalisten, die Selenskyj „komplett aus der Fassung brachte“. „Es fehlte an Respekt. Es gab ein gewisses Anspruchsdenken“, sagte der US-Vizepräsident gegenüber Fox News. Zuvor hatte Vance nach eigenen Angaben versucht, Trump davon zu überzeugen, das Treffen mit Selenskyj unter vier Augen abzuhalten. Der US-Präsident habe ihm geantwortet: „Nein, eigentlich will ich das nicht mehr unter vier Augen führen. Ich möchte dieses Gespräch öffentlich führen, sodass es das amerikanische Volk sehen kann“, zitierte Vance den US-Präsidenten.
Trumps Gesandter Steve Witkoff sagte später, der US-Präsident sei mit einer anschließenden Entschuldigung Selenskyjs zufrieden und sehe diese „als positiven ersten Schritt“. Der ukrainische Präsident hatte sich laut Trump wenige Tage nach dem Eklat in einem Brief zu erneuten Verhandlungen über das Rohstoffabkommen zwischen den USA und der Ukraine bereiterklärt. (mit AFP)
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