Annalena Baerbock hatte bereits vor dem G20-Gipfel klar gemacht, dass es kein gesondertes Treffen zwischen ihr und Lawrow geben werde. Das findet eine deutliche Mehrheit der Deutschen falsch, zeigt eine aktuelle Umfrage des Spiegel. Vor Beginn des G20-Gipfels auf Bali sprachen sich 58 Prozent der Befragten für ein persönliches Treffen zwischen Baerbock und Lawrow aus. Nur 31 Prozent waren dagegen. Unter den ostdeutschen Befragten sagten sogar 66 Prozent, dass sich die Bundesaußenministerin persönlich mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow treffen solle. Bei den Westdeutschen waren es 56 Prozent.
Mit Außenminister Sergej Lawrow hatte erstmals seit Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine ein Minister aus Moskau an einem internationalen Treffen teilgenommen. Dennoch hatte Baerbock deutlich gemacht, dass Russland auf dem G20-Gipfel weitgehend isoliert werden solle. Lawrow verließ den Gipfel vorzeitig.
Baerbock: „Es wird nicht das übliche Familienfoto geben“
So hatte sie gesagt, dass es keine „der üblichen bilateralen Treffen“ zwischen ihr und Lawrow geben werde. „Wer unsere internationale Friedensordnung bombardiert, der kann nicht davon ausgehen, dass wir über bilaterale Handelsbeziehungen sprechen.“ In diesem Zusammenhang sagte Baerbock auch: „Wenn ein Staat die internationale Ordnung und damit die Staaten, die auch hier am Tisch sitzen, angreift, dann können wir ja nicht einfach zum netten Abendessen übergehen.“ Es werde auch „nicht das übliche Familienfoto“ geben. Lawrow selbst traf sich unter anderem mit seinem chinesischen Kollegen Wang Yi sowie mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu.
Vor Baerbocks Rede: Lawrow steht auf und geht
Am Freitag reagierte Lawrow dann auf die Aussagen und Ankündigungen von Baerbock. Nachdem er seine Rede im Kreise der G20-Vertreter gehalten hatte, stand er auf und ging. Die Antwort der deutschen Außenministerin auf seine Ausführungen hörte er sich nicht mehr an.
„Es ist absolut notwendig, mit Putin zu sprechen“
Wenig später meldete sich dann die SPD zu Wort. Der SPD-Außenpolitiker Michael Roth ist Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags. Er sagte: „Wir sind gesprächsbereit. Denn noch einmal: Russland hat die Türen zum Dialog zugeschlagen, nicht der Westen, nicht wir. Und wir müssen auch Bündnisse schmieden über den klassischen, traditionellen Westen hinaus.“
Bundeskanzler Olaf Scholz hatte Mitte Juni seine Telefonate mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin verteidigt und weitere direkte Gespräche angekündigt. „Es ist absolut notwendig, mit Putin zu sprechen“, sagte Scholz. „Ich werde dies auch weiterhin tun, ebenso wie der französische Präsident (Emmanuel Macron, Anm. d. Red.).“ Von Annalena Baerbock gab es zunächst keine Stellungnahme zu dem Eklat um Lawrow.
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