Nach einer kleinen Verschnaufpause nehmen wir nun unsere Serie über die farbenfrohe Welt der bürospezifischen sexuellen Fantasien und Praktiken wieder auf. Sie erinnern sich an den Büroleiter, der es gedanklich mit der Spitzmaschine treibt? An die Sachbearbeiterin, die sich zu einem triebgesteuerten Biss ins Feuchttuch hinreißen lässt? An den Angestellten, der eine überaus anregende Zwangsvorstellung über in Großgruppen kopulierende Büroklammern ausbildet?
Wir kommen gleich zu den versprochenen Ausführungen über die Machtspiele mit dem Diktiergerät. Zuvor noch ein paar Worte über die positive betriebshygienische Wirkung dieser kleinen Serie. Ihr ist es zu verdanken, dass inzwischen bei jedem Motivationsseminar, gleich nach der Vorstellungsrunde, einjeder angehalten ist, in unverfänglichen Worten über seine intimsten Tagträume Auskunft zu geben. Auch die Führungsebene ist hierzu eingeladen. Es kann überhaupt nicht schaden, den Untergebenen das Gefühl zu vermitteln, dass man sich für sie interessiere, als wären sie, so ungewöhnlich das jetzt erst einmal klingt, eigenständige Personen.
Die dunkle Seite der bürotischen Welt
Denn eben hier, im Mangel an Empathie mit den unterworfenen Bediensteten, liegt ein Grund für Frust im Büroalltag. Frust, der zu emotionalem Druck führt, den das Unbewusste wie im richtigen Leben durch das Ventil der Sexualität abzulassen bestrebt ist, allein nicht immer prompte Gelegenheit dazu findet. Wir kommen hier also auf die dunkle Seite der bürotischen Welt zu sprechen: Sex und Macht.
Frau Blume (Name verschönert) ist eine Traumsekretärin, belastbar und duldsam wie ein Gummibaum, nicht ganz so flexibel, dafür aber strukturierter. Schon zu Beginn des Tages läuft eine über die Jahre eingespielte Chronologie ab, bei der die einzelnen Verrichtungen teilweise einander überlappend geschaltet sind: Frau Blume vermag sich zum Beispiel beim Fönen zu desodorieren, während sie gleichzeitig die Mundspülung einwirken lässt. Das spart Zeit.
Leider spielen im Büro dann auch andere Beteiligte in Frau Blumes Tagesablauf hinein, störend zumeist. Zum Beispiel der allseits für seine Lockerheit beliebte Chef.
Er kommt und geht, wann er will, dringliche Unterschriftenmappen stapeln sich, und leichthin zwischen Tür und Angel genehmigt er seinen Leuten freie Tage, ohne Frau Blume, die schließlich den Dienstplan führt, davon in Kenntnis zu setzen. All diese allgemein als höchst verzeihlich geltenden Nachlässigkeiten erlebt Frau Blume Stück für Stück als persönliche Niederstoßungen. Sie quittiert sie mit vereisten Blicken, die zu registrieren ihr Chef eine viel zu warme Seele hat. Er lächelt sein Lausbubenlächeln, drückt Frau Blume im Vorbeieilen die Magnettonbandkassette in die Hand, auf die er einen aus dem Ärmel geschüttelten Text für ein äußerst wichtiges Strategiepapier aufgesprochen hat, und entschwindet, bevor Frau Blume auch nur „Mahlzeit“ sagen kann.
Fetisch für den Fußtaster
Sie zieht sich an ihren Schreibtisch zurück, knöpft sich die Kopfhörer tief in die Ohren, legt die Kassette in ihr antiquiertes Abspielgerät mit Fußtaster und wird von einem Schauer der Vorfreude erfasst. Wenn ihr Chef wüsste, dass sie wegen dieses Fußtasters auf die Verwendung von diesen Kassetten besteht... Sie zieht die Riemen ihrer Bürosandalette fester und rückt den Taster, mit dem sie die Wiedergabe an- und abstellen kann, direkt unter den Absatz. Kaum dass das Band läuft und die Chefstimme in ihren Gehörgang schlüpft, als würde sie direkt von seinen Lippen herüberperlen, versetzt sie dem Gerät einen Tritt − und bringt den Chef so zum Schweigen.
Na? Gefällt dir das?, flüstert sie und lässt den Chef für einen Augenblick hören, nur um ihn sofort wieder stumm zu treten. Immer wieder mitten hinein in sein eloquentes Mundwerk, aus dem nur noch abgehacktes Gewinsel zu vernehmen ist: Wenn auch kein Wort zu verstehen ist, sprechen für Frau Blume doch deutlich Angst und Unterwerfungslust aus diesen Fetzen. Sie labt sich noch einen Augenblick an ihrer Macht, bevor sie die Double-Speed-Taste des Gerätes drückt, den Chef mit Micky-Maus-Stimme losplappern lässt und den Text ganz lässig in die Tastatur hämmert. Wie immer ohne einen Tippfehler.
Demnächst: Blauer Brief und Pink-Slip-Party
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