Eine Woche nach dem Sexualmord an der 18-jährigen Abiturientin Hanna haben sich bei einer bewegenden Trauerfeier fast 500 Menschen von der jungen Frau verabschiedet. Verwandte, Freunde, Mitschüler, Nachbarn und Lehrer kamen am Sonnabend in die Kaulsdorfer Jesuskirche, um Anteil zu nehmen und der Familie ihr Mitgefühl auszudrücken. Die Trauergäste standen bis vor den Eingang der Kirche, die Andacht wurde per Lautsprecher auch nach draußen übertragen. Vor vier Jahren war Hanna in dieser Kaulsdorfer Dorfkirche konfirmiert worden.
Die Trauerfeier in der Kirche und auch die Beerdigung auf dem Friedhof waren auf Wunsch der Familie nicht presseöffentlich, darauf wiesen gelbe Hinweisschilder hin. Aus Respekt gegenüber der Familie wird deshalb darauf verzichtet, Details der alle bewegenden Trauerfeier in der Kirche und von der Beerdigung selbst zu benennen. Nach dem Verlassen der Kirche weinten viele Trauergäste, die Mitschüler von Hanna spendeten sich gegenseitig Trost, umarmten sich. Sie erinnerten sich an Hanna als offenes, liebevolles, ehrgeiziges und hilfsbereites Mädchen, das seit Jahren wusste, dass sie Medizin studieren wird. Gerade hatte Hanna ihre Abiturprüfungen mit Bravour bestanden.
In der Nacht zum 16. Mai war sie gegen 1.30 Uhr auf den Heimweg von einer Party. Vom U-Bahnhof Wuhletal kommend, nahm sie den dunklen Weg durch die Parklandschaft hin zur Kaulsdorfer Dorfstraße. Auf diesem Weg wurde sie getötet, ein paar Minuten von ihrem Zuhause entfernt. Eine Passantin fand die Leiche am Morgen im Gebüsch. Ein 30-Jähriger aus Lichtenberg, der sie seit der U-Bahnstation Frankfurter Allee verfolgt hatte, hat die Tat inzwischen gestanden. Für Mutter, Vater und die Schwester von Hanna ist das Schlimmstmögliche geschehen.
Von der Dorfkirche aus setzt sich schließlich der Trauerzug zum nur wenige 100 Meter entfernten Friedhof in Bewegung. Hannas Vater trug ein großes, gerahmtes Foto seiner Tochter in den Händen, als er dem mit hellen Gerbera geschmückten Holzsarg folgte – auf dem Foto lächelt Hanna.
Bestattet wurde sie nun auf dem Friedhof Kaulsdorf, nur ein paar Schritte vom Tatort entfernt. Hunderte Menschen legten ihr Blumen ans Grab. Drei Notfallhelfer standen bereit, um Trauernden beizustehen.
Am Mittwoch lädt die Evangelische Kirchengemeinde Kaulsdorf um 17 Uhr noch einmal zu einer Gedenkandacht für Hanna auf die Wiese unweit des Tatortes ein. Der dunkle Weg ist in den vergangenen Tagen zu einem Lichterweg geworden. Nachts werden entlang des Stichweges die dort abgestellten Kerzen entzündet. Auch die jüngere Schwester hat einen offenen Brief hinterlegt. „Du warst die beste Schwester der Welt“, steht dort in Handschrift geschrieben. „Ich wünschte, ich könnte Dich noch einmal in den Arm nehmen.“
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